Einen schönen Montagabend.
Die Pandemie wurde in Österreich öfter verabschiedet als die Rolling Stones. Als Mick Jagger das erste Mal Schluss machen wollte, habe ich noch in die Windeln gemacht, wenn er wirklich aufhört, werde ich es wieder tun. Und diesen Mick-Jagger-Effekt haben wir auch bei Corona. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei“, sagen zwar alle, auch der neue Gesundheitsminister, nur um dann doch wieder alles zu vergeigen. 3 G weg (außer in Wien), die Masken sind gefallen (außer in Wien), jetzt geht es den Gratistests an den Kragen (auch in Wien). 1200 Mitarbeiter des Alles-Gurgelt-Labors Lifebrain in der Bundeshauptstadt wurden zur Kündigung angemeldet. Brauchen wir nimmer. Und das bei 35.000 Neuinfizierten.
Aber die Zahlen werden schön schrumpfen, wenn sich niemand mehr testen kann. Symptomlos Kranke gehen in die Arbeit oder in die Disco, fahren mit dem Virus im Rachen zur Familienfeier - und trotzdem gibt es weniger Infizierte. Ein frühes Osterwunder! Blinde sehend machen, wie langweilig, wir in Österreich machen Sehende blind. Ich war am Wochenende bei meiner Mutter und meiner 91-jährigen Großmutter in Niederösterreich. Ich habe vorher gegurgelt und Blumen mitgebracht, das nächste Mal sind es vielleicht Atemwegserkrankungen. Kränze wirken ja auch viel imposanter als öde Schnittblumen für den Couchtisch. Zu teuer seien die Tests, sagt unser Finanzminister. Wofür ich gerne zahle: ein Covid-Testsystem, das Infizierte frühzeitig herausfiltert. Wofür ich nicht gerne zahle: Sebastian Kurz ist ein Pfau. 155.000 Euro hat diese Beinschab-Studie gekostet. Dafür erhält man bei Lifebrain fast 26.000 Covid-Tests. Oder eben die mit Steuergeld bezahlte Gewissheit, dass sich der Ex-Kanzler imposant aufplustern konnte wie eine Vogelart aus der Familie der Fasanenartigen.
Pandemie, Krieg, Elend, wir brauchen etwas zum Lachen. Ich versuche es hiermit: Eine Klima-Aktivistin ist seit dem 1. Februar im Hungerstreik. Vor der SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße magert sie freiwillig ab, zehn Kilo hat sie durch die Protestdiät bereits verloren, und sie macht weiter, bis Wiens Bürgermeister Michael Ludwig endlich Zeit für ein Gespräch hat. Das Gehirn kann bei Nahrungsentzug um bis zu vier Prozent schrumpfen. Wieso das von Relevanz ist? Die Demonstrantin wird vor der Löwelstraße lange auf Ludwig warten, denn der residiert bekanntlich im Rathaus. Aber die dort ansässige Pamela Rendi-Wagner redet sonst gerne um den heißen Brei herum. Da bleibt für die hungrige Aktivistin bestimmt etwas übrig.
Mehr dazu morgen auf krone.at/wien oder in der Wien-„Krone“.
Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.
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