Sensations-Entdeckung

Taucher finden Goldschatz in Wrack vor Kroatien

Wissen
03.08.2026 18:10
Porträt von krone.at
Von krone.at

Vor der kroatischen Insel Mljet haben Unterwasserarchäologen mehr als 40 Goldobjekte aus einem byzantinischen Schiffswrack geborgen. Darunter befinden sich vier aufwendig verzierte goldene Gürtelgarnituren, ein mit Edelsteinen geschmücktes Schmuckstück und ein goldener Siegelring mit dem Bildnis eines Kaisers. Die Funde werfen ein neues Licht auf ein Schiff, das vor rund 1300 Jahren in der Adria unterging.

Das Wrack liegt bei Polače auf Mljet in rund 32 bis 40 Metern Tiefe. Das kroatische Restaurierungsinstitut (HRZ) untersucht die Gewässer rund um die Insel seit Jahren. Das Projekt „Tatinica – byzantinisches Schiffswrack“ läuft an dieser Fundstelle seit 2015. Bis Juli 2026 fanden neun archäologische Forschungskampagnen statt.

Gold, Edelsteine und ein Kaiserring
Die mehr als 40 Goldobjekte wiegen nach Reinigung und Restaurierung insgesamt rund 600 Gramm. Laut den Forschern ist dies die größte Goldmenge, die bislang auf einem Schiffswrack im gesamten Mittelmeer gefunden wurde.

Besonders außergewöhnlich sind vier vollständige goldene Gürtelgarnituren. Ihre Schließen und Gürtelenden sind mit Smaragden, Rubinen und Perlen verziert. Solche Luxusgegenstände gehörten zur Kleidung hochrangiger byzantinischer Würdenträger und wurden laut den Forschern bisher an keinem anderen Unterwasserfundort im Mittelmeer entdeckt.

40 Goldobjekte wurden aus dem 1300 Jahre altem Wrack geborgen.
40 Goldobjekte wurden aus dem 1300 Jahre altem Wrack geborgen.(Bild: Hrvatski restauratorski zavod)
Ein besonders wertvoller Fund ist ein Goldring mit dem Bildnis eines Kaisers aus der ...
Ein besonders wertvoller Fund ist ein Goldring mit dem Bildnis eines Kaisers aus der Herakleios-Dynastie. Ein solcher Ring konnte nur einer Person aus dem höchsten Staats- oder Militärapparat gehört haben, die befugt war, die Dokumente des Kaisers zu beglaubigen.(Bild: Hrvatski restauratorski zavod)

Auch ein goldener Siegelring wurde gefunden. Er zeigt einen Kaiser aus der Herakleios-Dynastie. Einen solchen Ring durfte nur eine Person aus der höchsten staatlichen oder militärischen Führung tragen, die zur Besiegelung kaiserlicher Dokumente berechtigt war.

„Ich bin schon lange in diesem Beruf tätig, und zum ersten Mal hatten wir das Glück, Funde zu bearbeiten, die im gesamten Mittelmeer einzigartig sind“, sagte Projektleiter Igor Miholjek. Nie zuvor sei etwas Vergleichbares in den Gewässern des Mittelmeers gefunden worden.

Was geschah mit dem Schiff?
Goldmünzen von vier Kaisern der Herakleios-Dynastie helfen bei der Datierung: Das Schiff sank demnach Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts.

An Bord befanden sich allerdings nicht nur Luxusgegenstände. Gefunden wurden unter anderem byzantinische Amphoren, Keramik, Handelswaagen und Gewichte, Bleibarren sowie Bronzegefäße. Auch Spielsteine und Würfel aus Elfenbein kamen zum Vorschein.

Neben Luxusgütern transportierte das Schiff eine reiche Handelsladung, bestehend aus Amphoren, ...
Neben Luxusgütern transportierte das Schiff eine reiche Handelsladung, bestehend aus Amphoren, Händlerwaagen, Elfenbeinmarken und Keramikgefäßen (Schalen, Krügen und Tellern).(Bild: Hrvatski restauratorski zavod)

Die Kombination aus wertvollen persönlichen Gegenständen und Handelsware deutet laut den Forschern darauf hin, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Handelsschiff handelte. Möglicherweise war ein hochrangiger byzantinischer Staats- oder Militärbeamter beziehungsweise Diplomat an Bord. Einige der kostbaren Gegenstände könnten diplomatischen Zwecken gedient haben.

Das rund 18 Meter lange Schiff konnte etwa 60 Tonnen transportieren. Teile von Kiel, Spanten und Planken sind erhalten. Sie bestehen aus Eichen- und Pinienholz und sollen weitere Erkenntnisse über den Schiffbau jener Zeit liefern.

„Dann passiert es vor dem eigenen Haus“
Wie spektakulär die Entdeckung für die Beteiligten war, schilderte Mario Orlandini vom Tauchzentrum RC Aquatica Mljet, das die Archäologen seit Jahren unterstützt.

„Als das erste Goldstück auftauchte, haben wir uns gezwickt, um zu sehen, ob es wirklich wahr ist. Wir alle haben als Kinder diese karibischen Schatzfilme gesehen und davon geträumt. Und dann passiert so etwas vor dem eigenen Haus. Unglaublich“, sagte Orlandini.

Bei den systematischen Untersuchungen rund um Mljet wurden in knapp zwei Jahrzehnten bereits mehr als 20 archäologisch bedeutende Schiffswracks entdeckt. An dem aktuellen Projekt sind neben kroatischen auch internationale Experten beteiligt, unter anderem ein Team der Stanford-Universität.

Die Ergebnisse wurden am 23. Juli 2026 erstmals öffentlich in Polače vorgestellt und bereits in der April-Ausgabe von „National Geographic“ präsentiert. Geplant sind außerdem eine große Ausstellung mit Katalog und Publikation sowie ein Dokumentarfilm. Dessen Premiere wird für Ende 2026 erwartet.

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