Im Kampf gegen Elektroschrott will die EU Elektronikhersteller verpflichten, bei allen Smartphones einheitliche Ladekabel mit USB-C-Anschluss zu verwenden. Vor allem Apple, wo man mit Lightning sein eigenes Süppchen kocht, stemmt sich gegen diese Idee. Nun erhält der IT-Riese aus den USA unerwartete Unterstützung: Auch das Konsortium, das den USB-C-Standard definiert, hat Bedenken und hält die Pläne für innovationsfeindlich.
Das berichtet das IT-Nachrichtenportal Golem.de unter Berufung auf eine Stellungnahme des USB Implementers Forum. Darin schreibt Jeffrey L. Ravencraft, Chef der USB-Gruppe, dass die Pläne der EU „für Probleme mit der Interoperabilität und Funktionalität“ sorgen könnten. Es sei Verwirrung seitens der Konsumenten und Streit zwischen den Herstellern zu befürchten.
Hintergrund: In einem EU-Papier werden USB-C-Standards für die Vereinheitlichung der Ladekabel vorgeschlagen, die technisch schon wieder veraltet sind. Die Spezifikationen im EU-Papier stammen aus dem Jahr 2019, dabei wurde USB-C erst im Mai überarbeitet und kann nach der neuen Spezifikation Geräte mit bis zu 240 Watt versorgen.
Ravencraft befürchtet: Wenn man einen alten Standard vorschreibt und das Gesetz nicht regelmäßig aktualisiert, besteht für die Hersteller kein Anlass, auf modernere Standards aufzurüsten.
Hemmen fixe Standards die Innovation?
Ravencraft fordert von der EU, nicht nur ausgewählte Elemente aus den Spezifikationen zum Standard zu erklären: In den bisherigen Vorschlägen sei beispielsweise ein Protokoll enthalten, das Ladevorgänge nur mit bis zu 15 Watt erlaubt. Besser sei es, sämtliche Standards, die es zu USB-C gibt, gemeinsam in die kommenden Gesetze aufzunehmen, damit Ladegeräte tatsächlich unabhängig vom Hersteller mit allen Geräten kompatibel sind.
Ganz allgemein seien festgeschriebene Standards aber eine potenzielle Innovationsbremse, weil der Gesetzgeber möglicherweise nicht kurzfristig auf neue Entwicklungen reagieren würde.
Hintergrund: Bei Handy-Ladegeräten haben sich alle Hersteller von Android-Smartphones freiwillig auf USB-C als einheitlichen Ladeanschluss geeinigt, der iPhone-Riese Apple hat mit Lightning aber einen eigenen und will diesen auch beibehalten. Daher will die EU-Kommission alle Hersteller zur Verwendung von USB-C verpflichten - und zwar nicht nur bei Handys, sondern allen mobilen Geräten - von der Digitalkamera über Kopfhörer bis hin zu Mobilkonsolen.
Der Vorschlag der Kommission bedarf noch der Zustimmung von EU-Parlament und -Rat, dann soll er binnen zwei Jahren umgesetzt werden. Brüssel hofft, auf diesem Weg jährlich eine Viertelmilliarde Euro Kosten für Ladegeräte und 1000 Tonnen Elektroschrott einzusparen.
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