22.10.2021 07:49 |

Einkommensschere

Equal Pay Day: Frauen arbeiten 68 Tage „gratis“

Frauen verdienen im Schnitt in Österreich noch immer 18,5 Prozent weniger als Männer. Auf das Jahr gerechnet bedeutet das, dass Frauen die letzten 68 Tage „gratis“ arbeiten. Der sogenannte Equal Pay Day fällt heuer auf den 25. Oktober. Gerechnet über das Erwerbsleben bedeutet dies, dass Frauen im Schnitt 500.000 Euro weniger als Männer verdienen. Entwickelt sich der Einkommensunterschied wie in den letzten zehn Jahren, dann schließt sich die Einkommensschere erst 2054.

Ein Länder-Vergleich des Gender Pay Gap, also des Einkommensunterschieds zwischen Frauen und Männern, auf Basis des Stundenlohns zeigt, dass Österreich Schlusslicht im EU-Raum ist. 2019 machte dieser Unterschied in Österreich 19,9 Prozent aus, während der EU-Schnitt bei 14,1 Prozent lag. Auch die österreichischen Nachbarländer Deutschland und Tschechien führen keine Vorzeigestatistik mit 19,2 bzw. 18,9 Prozent Differenz. Besser sieht es dagegen in Dänemark mit 14 Prozent und Schweden mit 11,8 Prozent aus.

Große Unterschiede auch in Österreich selbst
Am größten ist die Einkommensschere in Vorarlberg mit ganzen 26 Prozent, gefolgt von Oberösterreich mit 23 Prozent und Tirol mit 21,6 Prozent. Am geringsten ist der Einkommensunterschied in Wien mit 13 Prozent. An zweiter Stelle liegt das Burgenland mit 18 Prozent.

Grafik: Einkommensschere in Österreich am Beispiel Steiermark

Nur 52 Prozent der Frauen arbeiten Vollzeit
Aussagekräftig sind auch die Daten zur Voll- und Teilzeitbeschäftigung: Während Männer zu 90 Prozent Vollzeit arbeiten, sind es bei den Frauen nur 52 Prozent. Dabei schließt sich die Einkommensschere nur langsam. Vor zehn Jahren betrug der Einkommensunterschied in Österreich noch 24,3 Prozent. Die Differenz zu aktuellen Zahlen beträgt 5,7 Prozent. Würde sich der Einkommensunterschied im gleichen Tempo wie im Schnitt der vergangenen zehn Jahre verkleinern, dann müssten Frauen weitere 30 Jahre - also bis ins Jahr 2054 - darauf warten, um gleich viel zu verdienen wie Männer. Die Generation, für die es beim Eintritt ins Erwerbsleben keinen Gender Pay Gap mehr gibt, wurde ergo noch nicht geboren.


800 Euro weniger pro Monat

Laut Einkommensexpertin der Arbeiterkammer Oberösterreich, Bettina Csoka, verdienen Frauen in Österreich bei Vollerwerbsarbeit im Durchschnitt mehr als 800 Euro pro Monat weniger als Männer. Jährlich sind das über 10.000 Euro und über ein Arbeitsleben (rund 40 Jahre) gerechnet über 500.000 Euro (ohne Zinsen). „Es ist vollkommen inakzeptabel, dass heutzutage Frauen für gleiche Arbeit immer noch weniger bezahlt bekommen als Männer“, kritisiert ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende Korinna Schumann.

Dabei ist das Gefälle im Erwerbsleben nur die Spitze des Eisbergs, denn auch die Auswirkungen des Einkommensunterschieds müssten betrachtet werden. So sind Frauenpensionen deutlich niedriger als jene der Männer, was wiederum das Risiko von Altersarmut erhöht. Darüber hinaus zwinge ein geringeres Einkommen Frauen immer wieder in Abhängigkeit von Männern.

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