14.08.2021 05:00 |

Kindernotfälle

Vorsicht, Erstickungsgefahr!

Um schwerwiegende Probleme zu vermeiden, ist die richtige Gabe von Lebensmitteln wichtig. Aber auch Spielsachen sollten bestimmten Kriterien entsprechen. Worauf Eltern achten müssen.

Kleinkinder erkunden ihre Umwelt sehr viel über den Mund - sie schlecken, knabbern, saugen oder kauen an Essbarem oder Gegenständen wie zum Beispiel Spielzeug. Verschlucken sie jedoch versehentlich Kleinteile bzw. rutschen diese in die Luftröhre, wird es „brenzlig“. Das zeigt leider auch ein Blick in die heimische Unfallstatistik: Zwischen 2010 und 2019 mussten in Österreich fast 2000 Sprösslinge unter fünf Jahren wegen eines Fremdkörpers in den Atemwegen stationär in einem Krankenhaus behandelt werden - also durchschnittlich 200 pro Jahr. Jeder fünfte (21 Prozent) hatte noch nicht seinen ersten Geburtstag gefeiert. Im selben Zeitraum starben leider auch vier Kinder unter fünf Jahren durch einen solchen Verschluss (Obstruktion) der Atemwege.

Die Luftröhre ist so schmal wie Strohhalm
Um herauszufinden, warum ein vermeintlich harmloser Snack zu einer lebensbedrohlichen Situation führen kann, reicht ein Blick auf die Anatomie: Die Luftröhre eines Kleinkindes hat in etwa den Durchmesser eines Strohhalms. Aufgrund ihrer Beschaffenheit ist sie zwar sehr elastisch und kann sich während der Atmung ausdehnen bzw. wieder zusammenziehen. „Landet jedoch unabsichtlich ein Gegenstand oder Nahrungsmittel in der Luftröhre, droht Erstickungsgefahr! Gerade z. B. die beliebten Würstel, Erdnüsse oder Weintrauben haben aufgrund ihrer rundlichen Form das Potenzial, diese Röhre zu verschließen“, erklärt Dr. Johanna Trauner-Karner, Präventionsexpertin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit.

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Gerade z. B. die beliebten Würstel, Erdnüsse oder Weintrauben haben aufgrund ihrer rundlichen Form das Potenzial, diese Röhre zu verschließen.

Dr. Johanna Trauner-Karner, Präventionsexpertin beim Kuratorium für Verkehrssicherheit

In Ruhe und vor allem sitzend essen
Zusätzlich müssen Eltern immer folgende Regeln im Hinterkopf behalten und beherzigen: Kids bei der Nahrungsaufnahme stets beaufsichtigen. Die Kleinen sollten außerdem in Ruhe und vor allem im Sitzen essen - so früh wie möglich trainieren. Kinder bis ein Jahr dürfen nur Lebensmittel zu sich nehmen, die im Mund weich werden. Bis zum zweiten Geburtstag lediglich einfach zu kauende Nahrung erlauben. Besondere Vorsicht walten lassen: bei harten Lebensmitteln wie Karotten und runden, leicht zu verschluckenden wie beispielsweise Cherryparadeisern oder Stachelbeeren. Rundes immer klein schneiden, Hartes am besten weich kochen, mahlen oder reiben.

Nicht nur von Essen, auch von Spielsachen geht Gefahr aus: Achten Sie etwa darauf, dass sich winzige Gegenstände und Materialien außerhalb der Reichweite des Kindes befinden. Gut zu merken: Bei unter Dreijährigen unbedingt alle Objekte entfernen, die kleiner als ein Tischtennisball sind oder durch eine WC-Papierrolle passen. Spielzeug weiters immer wieder auf scharfe Kanten, abnehmbare oder sich lösende Kleinteile (wie Räder) kontrollieren. Idealerweise sind außerdem keine herausnehmbaren Batterien enthalten. Kleinteiliges hat nichts im Kinderbett zu suchen - vor dem Schlafengehen überprüfen und gegebenenfalls entfernen. Älteren Geschwistern muss man unbedingt erklären, warum die jüngeren mit manchen Spielsachen nicht spielen dürfen. Beim Kauf stets auf den Warnhinweis „Nicht geeignet für Kinder unter drei Jahren“ achten.

Welche Erste-Hilfe-Maßnahmen im Notfall helfen
Trotz größter Vorsicht kann es zu lebensbedrohlichem Verschlucken kommen. Eltern bzw. Erziehungsberechtigte, aber auch Kindergartenpädagogen sollten dann rasch folgende Schritte setzen:

  • Oberkörper des betroffenen Kindes nach vorne beugen und mit der flachen Hand kräftig auf den Rücken zwischen die Schulterblätter klopfen.
  • Versuchen Sie nicht, den Gegenstand mit den Fingern aus dem Rachen zu entfernen.
  • Wird der Fremdkörper nicht wieder ausgespuckt, rasch den Notruf absetzen (Rettung 144).
  • Wenn das Kind nicht mehr atmet, sofort mit der Reanimation beginnen!

Interview auf krone.tv

16. 8.: "Kinderunfälle‘‘ - 17.20 Uhr, 19.25 Uhr und am 17. 8. um 7.15 Uhr und um 12.05 Uhr. Dr. Armin Kaltenegger beantwortet im Interview mit Moderatorin Raphaela Scharf Fragen zum Thema. Nähere Informationen zum Empfang finden SIe hier.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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