"Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig", twitterte der 55-jährige Eric Schmidt Donnerstagabend und versetzte damit die Internetwelt in Aufruhr. Denn Schmidt ist nicht irgendwer, sondern Chef des Internetgiganten Google. Und der Mann, der nun nicht mehr die elterliche Aufsicht von Schmidt braucht, ist eine Legende: Larry Page, jugendlicher Mitbegründer von Google. Schmidt hatte vor zehn Jahren das Ruder von Page übernommen, der die junge Internetfirma in den ersten drei Jahren geleitet hatte. Risikokapitalgeber hatten damals einen erfahreneren Manager an der Spitze des wachsenden Unternehmens gefordert. Mit inzwischen 38 Jahren scheint Page nun alt genug zu sein.
Der Führungswechsel dürfte sowohl auf Pages Ambitionen als auch auf Schmidts persönlichen Wunsch zurückzuführen sein, als Technologieveteran wieder verstärkt hinter den Kulissen zu wirken. Schmidt machte deutlich, dass Page, der zweite Firmengründer Sergej Brin und er in den vergangenen Jahren alle Entscheidungen gemeinsam getroffen hätten und dieses Triumvirat auch in Zukunft Bestand haben solle. Er werde Page und Brin weiterhin als interner Berater zur Seite stehen.
Entscheidungen sollen künftig schneller getroffen werden
Ziel des Führungswechsels sind nach den Angaben des Konzerns schnellere Entscheidungen. Er, Page und Brin hätten bereits seit Längerem darüber gesprochen, wie Managementstrukturen zu vereinfachen seien und Entscheidungen noch schneller getroffen werden könnten, sagte Schmidt. Während der Feiertage habe man beschlossen, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen sei.
Laut dem Unternehmen, das zum letzten Quartal ebenso wie für das gesamte Geschäftsjahr hervorragende Zahlen vorlegte, werde Page die täglichen Geschäfte verantworten. Schmidt werde als Verwaltungsratschef sich nach außen auf Zukäufe, Partnerschaften sowie die Kontakte zu Unternehmen und Regierungen konzentrieren. Brin werde seine Energie auf strategische Projekte richten und speziell an neuen Produkten arbeiten. "Mein Ziel ist, Google wieder mit der Geschwindigkeit, dem Gefühl und der Leidenschaft eines Startups zu führen", betonte Page.
Vom Programmierer-Sohn zum Tech-Milliardär
Page, Brin und Schmidt sind die Haupteigner von Google. Der inzwischen auf mehr als 200 Milliarden Dollar (148 Milliarden Euro) gestiegene Marktwert des Internetkonzerns hat sie längst zu Multimilliardären gemacht. Mittlerweile stehen rund 24.000 Personen bei Google in Lohn und Brot. Page wurde gewissermaßen direkt in die Computerbranche hineingeboren. Seine Eltern lehrten Computerwissenschaft und Programmieren an der University of Michigan. Die Legende besagt unter anderem, dass der "Workaholic in Jeans" einmal einen Drucker aus Lego-Steinen gebaut hatte. Das Wort Google entnahm er dem mathematischen Begriff "Googol" für die Zahl 1 mit hundert Nullen.
Scheu und zurückgezogen
Genauso wie Brin lebt Page medienscheu und skandalfrei, sodass man nur wenig über den Tech-Milliardär weiß. Er hat die lockere und innovationsfreundliche Google-Kultur mitgeprägt und investiert in Windkraft und Elektrofahrzeuge. Im Dezember 2007 heiratete er die Biologin Lucy Southworth auf der Privatinsel des britischen Milliardärs Richard Branson. Im vergangenen Herbst wurde Page Vater - und zeigt sich seitdem noch seltener in der Öffentlichkeit. Anders etwa als Oracle-Gründer Larry Ellison hat er bisher wenig Interesse an Statussymbolen wie Jachten oder Flugzeugen gezeigt und fuhr über Jahre einen unauffälligen Toyota Prius - weil das Auto mit Hybrid-Antrieb umweltfreundlicher ist.
Anzeigen als Haupteinnahmequelle
Auch wenn Google inzwischen auf vielen Hochzeiten tanzt - den Großteil des Geldes verdient der Internet-Primus nach wie vor mit den Anzeigen im Umfeld der Suchergebnisse. Der Clou: Der Prozess läuft vollautomatisch. Ein ausgeklügelter Algorithmus sorgt dafür, dass der Inhalt der Anzeige möglichst genau zur Suchanfrage passt und den Nutzer interessieren kann. Der Werbeplatz wird von den Google-Kunden per Selbstbedienung in einer Art Auktionsverfahren gebucht. Im vierten Quartal 2010 stieg die Zahl dieser sogenannten "bezahlten Klicks" auf Anzeigen bei Google im Jahresvergleich um 18 Prozent.
Offene Baustellen und ambitionierte Vorhaben
In anderen Bereichen tat sich Google schwerer. Der Versuch, mit dem bewährten Auktionssystem die Radiowerbung aufzurollen, scheiterte. Bei den Werbebannern im Internet kämpfte sich Google nur mit teuren Übernahmen schrittweise nach vorne. Zugleich dringt der Konzern in immer mehr verschiedene Bereiche vor, in denen die Investitionen aber erst noch Früchte tragen müssen. So steht Google bei dem ambitionierten Plan, mit Chrome OS ein neuartiges Netz-basiertes Computer-Betriebssystem zu etablieren, erst in den Startlöchern. Immerhin soll das Smartphone-Betriebssystem Android Google inzwischen schon Geld bringen.
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