18.01.2021 10:26 |

Preisbrecher im Test

Xiaomi Mi 10T Pro 5G: High-End zum halben Preis

Wer heute ein High-End-Smartphone erwerben will, muss bei Smartphone-Größen wie Apple, Samsung oder Huawei mehr als 1000 Euro auf den Tisch legen. Ein unvernünftig hoher Preis für ein Gerät, das in aller Regel alle zwei bis drei Jahre getauscht wird. Dass starke Smartphone-Technik nicht solche Unsummen kosten muss, zeigt Rivale Xiaomi mit seinem Mi 10T Pro 5G. Im Test schnitt das 500-Euro-Handy nur unwesentlich schlechter ab als die Mitbewerber aus der 1000-Euro-Klasse.

Xiaomi verbaut in seinem 500-Euro-Smartphone Technik, die man durchaus auch in doppelt so teuren Geräten fände - eine 108-Megapixel-Kamera, den High-End-Prozessor Snapdragon 865, ein 144-Hertz-Display, 5G-Mobilfunk und modernstes .ax-WLAN. Abstriche gegenüber doppelt so teuren Geräten muss man am ehesten beim Bildschirm und manch Sonderausstattung machen: Statt OLED setzt man beim Display auf LCD, statt im Display verbaut man den Fingerscanner im Entsperrknopf.

Xiaomis Android-10-Smartphone bietet auf 6,67 Zoll Diagonale eine gestreckte Full-HD-Auflösung von 2400 mal 1080 Pixeln, HDR10 und bis zu 144 Hertz Bildwiederholrate, was vor allem Gamer ansprechen dürfte. Die Kamera ist ein Dreifach-System mit optisch stabilisierter 108-Megapixel-Hauptkamera (F/1.69), 13-Megapixel-Weitwinkel- (F/2.4) und 5-Megapixel-Makrolinse. Die Frontkamera hat 20 Megapixel.

Kein Kopfhöreranschluss mehr vorhanden
Geladen wird via USB-C, einen Kopfhöreranschluss gibt es im Gegensatz zum Vorgänger nicht mehr. Die Funkschnittstellen umfassen 5G, .ax-WLAN, Bluetooth 5.1, die gängigen Navigationsdienste, NFC und Infrarot, womit sich das Mi 10T Pro als Universalfernbedienung nutzen lässt. Acht Gigabyte RAM und der starke Achtkern-Chip Snapdragon 865 sorgen für viel Rechenleistung, der Speicher ist je nach Modell 128 (500 Euro) oder 256 Gigabyte (570 Euro) groß und kann nicht erweitert werden.

Das Gehäuse besteht aus Metall und mattem Glas. Der Akku bietet eine Kapazität von 5000 mAh und kann mit 33 Watt schnellgeladen werden. Es gibt Stereo-Lautsprecher, zwei SIM-Kartenslots und einen Fingerscanner im Entsperrknopf. Wasserdicht ist das Mi 10T Pro 5G nicht.

Mehr als genug Leistung, sehr gute Kamera
Im Alltag ist man mit dieser Ausstattung exzellent aufgestellt: Im Test überzeugte das Xiaomi Mi 10T Pro 5G mit sehr viel Rechenleistung, die nicht nur für ein flüssiges Android-Erlebnis, sondern auch größere Spiele wie „PUBG Mobile“ ausreicht. Hier nahmen wir keinerlei Unterschied zu doppelt so teuren Handys wahr.

Selbiges gilt für die 108-Megapixel-Kamera, die in der Praxis je vier Pixel zu einem zusammenfasst. Sie liefert bei gutem Licht einen hohen Detailgrad, naturnahe Farben und hohe Schärfe ab, stellt schnell scharf und ist mit optischer Bildstabilisierung gut vor Verwacklern geschützt. Der Nachtmodus mag noch nicht ganz so effektiv arbeiten wie bei manchen Rivalen, insgesamt ist aber auch die Kameraleistung auf sehr hohem Niveau. Kompromisse muss man bei den Zusatzlinsen machen: Statt einer Teleoptik wie bei teureren Geräten gibt’s hier „nur“ eine Makrokamera. Wer keinen Zoom braucht, wird sich aber auch daran nicht stören.

LCD statt OLED, Fingerscanner nicht im Display
In zwei Punkten hebt sich das Mi 10T Pro 5G von den doppelt so teuren Rivalen ab: beim Display und bei manchen Ausstattungsmerkmalen wie dem Fingerscanner. So verbaut man im Mi 10T Pro 5G kein OLED-, sondern ein LCD-Display. Technologiebedingt kann das beim Kontrast und der Farbdarstellung nicht ganz mit OLED mithalten: Das satte Schwarz von OLED ist mit hintergrundbeleuchteten LCD-Displays schlicht nicht möglich. Ein schlechtes Display ist es deshalb aber auch nicht: Es bietet genug Schärfe, natürliche Farben, genug Helligkeit für Draußen, eine höhere Bildrate als viele OLED-Displays, wovon primär Gamer profitieren und ist seitlich gut ablesbar. Kurzum: Wer nicht unbedingt ein OLED-Display will, wird auch mit diesem Bildschirm glücklich. Dass kein Fingerscanner darin eingebaut, sondern im Entsperrknopf an der rechten Kante platziert wurde, hat uns im Test nicht weiter gestört. Im Gegenteil, ist der Scanner dort doch ausgezeichnet erreichbar und schön zuverlässig.

Sauber verarbeitet, aber eine Hülle ist Pflicht
Die Verarbeitung hat uns ebenfalls gut gefallen: Wie bei doppelt so teuren Geräten gibt’s ein Chassis aus Metallrahmen und Mattglas-Rückseite. Das Gerät wirkt edler, als es der Preis nahelegen würde. Einen kleinen Schönheitsfehler hat das Mi 10T Pro 5G aber: Das Kameramodul steht sehr weit aus dem Gehäuse hervor, schreit also geradezu nach einer Schutzhülle.

Der fehlende Kopfhöreranschluss und die fehlende Möglichkeit zur Speichererweiterung werden ebenfalls manch einen User stören, wenngleich man mit 128 bis 256 Gigabyte Speicher auch so vernünftig aufgestellt ist. Auch ein wasserdichtes Gehäuse könnte sich manch einer wünschen. Andere werden darin ein Luxus-Feature sehen, auf das sie gern zugunsten des günstigeren Preises verzichten.

Ausdauernder Akku, Schnellladegerät liegt bei
Der 5000-mAh-Akku des Mi 10T Pro hat das Gerät im Test reibungslos durch den Tag gebracht, freut sich bei intensiverer Nutzung aber über eine Reduktion der Bildwiederholrate auf 90 oder 60 Hertz. Wer das Mi 10T Pro 5G nicht allzu intensiv nutzt und die Bildrate reduziert, holt zwei oder drei Tage Betrieb heraus. Umgekehrt werden Gamer, die stundenlang Spiele im 144-Hertz-Modus spielen, womöglich schon am ersten Tag nachladen müssen, was dank Schnellladefunktion binnen etwas mehr als einer Stunde erledigt ist. Ein 33-Watt-Netzteil liegt bei, kabelloses Laden gibt es hier nicht.

Android 10 mit Bloatware und neugierigem Browser
Bei der Software hat man es mit Android 10 mit Xiaomis hauseigener MIUI-Oberfläche zu tun. Die ist aufgeräumt und übersichtlich und erlaubt dem User die Wahl zwischen einer Oberfläche mit App-Startmenü und einer, bei der alle Apps am Startbildschirm landen. Ein bisschen Bloatware - ein soziales Netzwerk, ein Streaming-Dienst und ein Office-Paket - ist vorinstalliert, konnte im Test aber ohne Probleme gelöscht werden. Nicht gelöscht werden können indes die vorinstallierten Xiaomi-Programme, unter denen zuletzt insbesondere der Browser als Datenkrake in Verruf kam. Sie müssen aber auch nicht zwangsweise genutzt werden.

Fazit: Schneller Prozessor, eine tolle Kamera, starker Akku, saubere Verarbeitung und ein - auch, wenn’s kein OLED ist - sehr guter Bildschirm lassen das Mi 10T Pro zum halben Preis der Konkurrenz High-End-Feeling versprühen. Wer auf ein wasserfestes Chassis, einen Fingerscanner im Display oder kabelloses Laden verzichten kann, bekommt hier die übrigen zentralen Elemente eines Spitzenklasse-Smartphones zu einem attraktiven Preis und wird vielleicht über etwas Bloatware und eine ungünstig aus dem Chassis hervorstehende Kamera hinwegsehen können.

Tipp: Wer mit 64 statt 108 Megapixeln und etwas weniger RAM das Auslangen findet und keinen optischen Bildstabilisator braucht, kann den Preis durch den Griff zum ansonsten baugleichen Mi-10T-Modell ohne Pro-Zusatz sogar in Richtung der 400 Euro drücken. Ein nochmals etwas abgespecktes Lite-Modell mit schwächerer CPU und 64-Megapixel-Kamera, aber ebenfalls mit 5G-Mobilfunk, findet man in der 300-Euro-Klasse.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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