Entwickler kündigt:

„Facebook steht auf falscher Seite der Geschichte“

Web
09.09.2020 10:22

„Ich höre auf, weil ich es nicht länger ertragen kann, zu einer Organisation beizutragen, die vom Hass in den USA und weltweit profitiert.“ Mit diesen Worten beendet Software-Entwickler Ashok Chandwaney nach fast fünfeinhalb Jahren seine Arbeit für Facebook - und sorgt damit für Schlagzeilen.

Trotz der Bemühungen vieler, die für Facebook arbeiteten, habe sich das Netzwerk entschieden, „auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen“, kritisiert Chandwaney in seinem Abschiedsschreiben, dass vom Intranet des sozialen Netzwerks seinen Weg in die „Washington Post“ fand, den Umgang Facebooks mit Hass-Postings.

Gewalttätige Gruppen und rechtsextreme Milizen nutzten das Netzwerk, um Menschen zu rekrutieren und zu radikalisieren, die dann wiederum reale Verbrechen begingen, schildert der Entwickler. Doch Facebook unternehme zu wenig dagegen und übersehe, dass sein Handeln Folgen für Leben und Tod habe. Jeder Tag, an dem Postings wie US-Präsident Donald Trumps berühmt-berüchtigter Sager ‚Wenn das Plündern beginnt, beginnt das Schießen‘ online blieben, gehe auf Kosten der Sicherheit von Afroamerikanern und anderen Menschen anderer Hautfarbe.

Anstatt entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, schiebe Facebook den „Schwarzen Peter“ an externe Content-Moderatoren weiter, die unterbezahlt seien und nicht unterstützt würden - „beides Dinge, die Facebook umgehend beheben könnte“, kritisiert Chandwaney. Letztlich gehe es Facebook aber nicht darum, einen sozialen Mehrwert zu schaffen, sondern Geld zu verdienen. „Es scheint, dass Facebook keinen geschäftlichen Wert darin sieht, die Entfernung von Hass-Postings aggressiv zu verfolgen - trotz des Drucks der Zivilgesellschaft, unserer eigenen Mitarbeiter, unserer eigenen Berater und unserer eigenen Kunden.“

Entwickler empfiehlt staatliche Regulierung
Wenn nichts davon Facebook zwingen könne, mutig zu sein und schnell auf Hass zu reagieren, dann blieben als letztes Mittel nur noch staatliche oder regulatorische Maßnahmen, schlussfolgert der Entwickler und verweist dabei auf entsprechende Gesetze in Deutschland, die einen Rückgang an Hass-Postings zur Folge hatten.

Er unterstelle allen Mitarbeitern einschließlich des Managements nur beste Absichten, betont Chandwaney in seinem „Post Scriptum“. „Es ist nur so, dass ich nicht auf Fakten verweisen kann, die diese Annahme untermauern, wenn man sich unsere wiederholten Versäumnisse bei der Auseinandersetzung mit dem Hass und der Gewalt ansieht, die auf der Plattform auftreten und organisiert werden.“

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