Mehr Transparenz?

Skepsis im Ländle um neues Ranking für Schulen

Vorarlberg
19.04.2026 15:47

Ab Herbst sollen erstmals Leistungsdaten von Schulen veröffentlicht werden. Was nach Wunsch von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) für mehr Transparenz sorgen soll, stößt bei Lehrer- und Elternvertretern in Vorarlberg auf große Skepsis.

„Ein Vergleich von Schulen kommt einem Schul- und Lehrerbashing gleich!“ Mit dieser klaren Ansage bringt Alexandra Loser, Vorsitzende der Pflichtschullehrergewerkschaft in Vorarlberg, die Kritik auf den Punkt. Ab dem kommenden Schuljahr will das Bildungsministerium erstmals umfassende Daten zu einzelnen Schulstandorten veröffentlichen. Auch die Elternvertretung hat Bedenken, ob das Vorhaben von Bildungsminister Christoph Wiederkehr tatsächlich sinnvoll ist. Vielmehr wird befürchtet, dass die Daten missinterpretiert werden und der Druck auf alle Beteiligten steigt.

Grundlage der Daten, die veröffentlicht werden sollen, sind zwei zentrale Quellen: die sogenannte „iKM PLUS“ und die Ergebnisse der Zentralmatura. Ersteres ist eine regelmäßige Überprüfung der Grundkompetenzen von Schülerinnen und Schülern, etwa in Deutsch, Mathematik oder Englisch. Getestet wird nicht einmalig, sondern wiederholt über mehrere Schuljahre hinweg. Ziel ist es, Entwicklungen sichtbar zu machen und gezielt fördern zu können.

Bei der Zentralmatura geht es um die standardisierten Abschlussprüfungen am Ende der AHS und BHS. Hier werden Durchschnittswerte der Ergebnisse herangezogen.

Was der Begriff „fair“ bedeuten soll
Schul-Rankings soll es aber nicht geben. Minister Wiederkehr betonte das ausdrücklich. Stattdessen soll es einen sogenannten „fairen Vergleich“ geben: Schulen werden in sechs Kategorien eingeteilt, je nach sozioökonomischer Ausgangslage ihrer Schüler – Bildungsstand der Eltern, wirtschaftlicher Hintergrund, Erstsprache und Migrationsstatus der Kinder. Verglichen wird dann nur innerhalb dieser Gruppen. Auf dieser Basis wird ausgewiesen, ob eine Schule im Vergleich zu ähnlichen Standorten über, unter oder im erwarteten Bereich liegt. Die genauen Zahlen sind nicht öffentlich. Ergänzt werden die Daten durch Angaben wie Klassengröße, Schülerzahl oder Schulschwerpunkte.

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) möchte mehr Transparenz schaffen.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) möchte mehr Transparenz schaffen.(Bild: SEPA Media)

Bildungsminister Wiederkehr will damit mehr Transparenz schaffen. Bisher würden Eltern oft auf Gerüchte oder persönliche Eindrücke zurückgreifen. „Es gibt aber kein gesichertes Wissen“, so seine Begründung. Zugleich sollen die Daten ein Werkzeug für Schulen sein. In Schulgremien – also dort, wo Direktion, Lehrkräfte und Eltern vertreten sind – sollen Entwicklungen über mehrere Jahre hinweg analysiert werden. So könne man sehen, ob Maßnahmen wie zusätzliche Deutschförderung tatsächlich Wirkung zeigen.

Alexandra Loser zweifelt, dass sich die geplanten Einordnungen neutral halten lassen. „Es wird unweigerlich zu einer Einteilung in gute und schlechte Schulen kommen.“ Die Zahlen könnten missverstanden werden. „Es sind die Voraussetzungen, die Kinder von zu Hause mitbringen, die diese Ergebnisse liefern.“ Gerade Standorte mit schwierigeren Bedingungen könnten weiter unter Druck geraten. „Erziehungsberechtigte werden ihre Kinder nicht dorthin schicken wollen“, meint sie. In Vorarlberg sei zudem vieles rasch zuordenbar.

Alexandra Loser von der Pflichtschullehrergewerkschaft zweifelt die Sinnhaftigkeit des Projekts ...
Alexandra Loser von der Pflichtschullehrergewerkschaft zweifelt die Sinnhaftigkeit des Projekts an – damit ist sie nicht alleine.(Bild: Freie Lehrer)

Auch für Lehrkräfte sieht Loser Folgen. „Der Alltag ist jetzt schon sehr herausfordernd.“ Zusätzlicher Druck könne die Situation verschärfen. „Es werden Probleme geschaffen, die niemand braucht.“ Auch bei der Elternvertretung überwiegt die Skepsis. „Einen echten Mehrwert sehe ich nicht“, sagt Michael Tagger vom Landeselternverband. Er warnt vor Überforderung. „Man muss aufpassen, dass es zu keiner Informationsüberflutung kommt.“ Die Einordnung sei komplex, viele Eltern könnten die Daten nur schwer richtig deuten. „Die Gefahr von Fehlinterpretationen besteht durchaus.“ Dass Eltern Schulen vergleichen, sei an sich nichts Neues. „Das gab es schon immer.“ Die Rolle der Elternvertretung sieht das Ministerium zwar gestärkt, doch Tagger bleibt zurückhaltend. „Selbst bei hohem Engagement kann die Elternberatung nur bedingt solche Daten sinnvoll nutzen.“

Es gibt noch wirkungsvollere Hebel
Sowohl Lehrer als auch Eltern verweisen auf andere Problemfelder, die dringender beackert werden sollten. Es brauche mehr Personal, kleinere Gruppen, gezieltere Förderung – das seien die entscheidenden Hebel. Loser dazu: „Wir sollten das System den Experten anvertrauen – sie stehen täglich in den Klassen und unterrichten 615.000 Kinder und Jugendliche.“

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