05.09.2020 05:00 |

HIV in Corona-Zeiten

Jede Frage ist es wert, beantwortet zu werden

Wer über seine HIV-Behandlung gut und individuell informiert wird, zeigt mehr Therapietreue und damit bessere Langzeiterfolge.

Kennen Sie das auch? Erst nachdem man nach einem ärztlichen Gespräch Spital oder Ordination verlassen hat, fällt einem ein, was man noch fragen wollte. Zu Hause tauchen weitere Informationslücken auf, obwohl einem der Arzt doch alles genau erklärt hat. Und wegen eines vielleicht unwichtigen Details noch einmal hingehen oder anrufen? Das trauen sich viele Patienten dann doch nicht. Überhaupt nach der Schockdiagnose HIV-positiv. Was dies für das weitere Leben bedeutet, welche Behandlungsmöglichkeiten sich besonders eignen, wie sich ab nun der Alltag gestaltet, aber auch, wie man Partner, Familie und Freunde einbinden kann - viele Themen tauchen nach und nach auf, die auch wesentlich für den Therapieerfolg sind.

„Genau hier setzt meine Aufgabe als ,Adhärenz-Schwester‘ ein. Ich begegne den Patienten auf Augenhöhe, kann mit ihnen die Wirkung unterschiedlicher Medikamente besprechen, wir erörtern die optimale Vorgehensweise für jeden einzelnen, die dann mit dem Arzt besprochen wird. Ohne Vorurteile oder Diskriminierung“, beschreibt Diplomgesundheitskrankenflegerin Sonja Wolf-Nussmüller von der Immunambulanz an der Klinik Penzing, Otto Wagner Spital, ihre Tätigkeit. Dafür hat die Expertin zahlreiche Fortbildungen absolviert, unterrichtet mittlerweile selber und hält (Video-)Vorträge. Das Wiener Krankenhaus hat hier eine Vorreiterrolle inne, denn diese Form der Pflegeberatung ist in Österreich noch neu. Die Immunambulanz war übrigens während der Coronakrise uneingeschränkt geöffnet und für alle zu Betreuenden verfügbar.

Die Patienten kommen nach dem Testergebnis und der ärztlichen Untersuchung zu einem Ersttermin zu ihr, 10 Tage später wird ein ausführliches Beratungsgespräch abgehalten, danach gibt es Kontrolltermine. Alles ohne erhobenen Zeigefinger unter der Prämisse, die bestmögliche Lebensqualität, individuell angepasst und unter Einbeziehung der persönlichen Bedürfnisse, zu gewährleisten. „Die Patienten zu schulen, aufzuklären, Unsicherheiten auszuräumen usw. kann durchaus als Vorsorgemaßnahme erachtet werden.“

Zitat Icon

Adhärenz bedeutet so viel wie Therapietreue und ist in einigen anderen Ländern bereits etabliert.

Sonja Wolf-Nussmüller, Diplomgesundheitskrankenflegerin an der Immunambulanz (Klinik Penzing, Otto Wagner Spital)

Wenn sich Patienten gut aufgehoben fühlen, sind sie auch psychisch stabiler und verfolgen vorgeschriebene Therapiemaßnahmen konsequenter. Wie man aus Großbritannien weiß, wo die „adherence nurse“ ein fixer Bestandteil des Gesundheitswesens ist. Daraus ergibt sich nicht nur ein hohes Einsparungspotenzial an Kosten, die etwa durch fehlerhafte Medikamenteneinnahme oder unzureichende Mitarbeit bei Behandlung und Kontrollmaßnahmen entstehen, es lässt sich auch viel persönliches Leid verhindern. Aktuell stellen sich für Betroffene viele Fragen rund um SARS-CoV-2. Wolf-Nussmüller: „Das ist derzeit für immunsupprimierte Personen eine große Belastung. Wir sehen aber auch, dass daher die Schutzmaßnahmen besonders konsequent eingehalten werden.“

Nach derzeitigem Wissensstand haben HIV-Patienen kein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe von Covid-19. Es wird aber unbedingt zu Influenza- und Hepatitis-Impfung geraten (mit dem Arzt besprechen).

Wo kann man derzeit einen HIV-Test durchführen lassen?

  •  Arzt/Ärztin (unter Umständen kostenpflichtig)
  • Labor, das solche Testungen anbietet (vorher über Kosten informieren)
  • Zweigstellen der AIDS-Hilfen Österreich (anonym und kostenlos)
  • Zu Hause mit Selbsttest aus der Apotheke. Nur aussagekräftig, wenn die letzte Risikomöglichkeit länger als 12 Wochen zurückliegt. Es gilt zu beachten, dass man im Falle eines positiven Ergebnisses damit alleine bleibt. Daher in so einem Fall so schnell wie möglich eine Beratungsstelle oder einen spezialisierten Art aufsuchen!
    Weitere Infos finden Sie auf:

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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