Zum Auftakt des Prozesses am Donnerstag im zentralfranzösischen Clermont-Ferrand bestritt der als "Hacker Croll" bekannt gewordene 23-Jährige einmal mehr, ein Hacker zu sein. Er habe nie ein Konto verändert oder sonst etwas Böses getan, sagte er. "Ich habe lediglich Screenshots gemacht."
Zerstörungen anzurichten oder jemandem zu schaden, sei dabei nicht seine Absicht gewesen, versicherte C.. "Ich hätte es tun können, aber das entspricht nicht meiner Ethik." Er habe nur zeigen wollen, dass bei der Computersicherheit "das schwache Glied nicht die Maschine ist, sondern der Mensch". Außerdem sei es ihm darum gegangen, die Internet-Nutzer darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Wahl eines sicheren Passwortes sei.
Dass "Hacker Croll" relativ harmlos ist, hatte die Staatsanwaltschaft bereits kurz nach seiner spektakulären Festnahme im März erkennen müsse. C. sei "kein Hacker im eigentlichen Sinne", stellte sie fest. "Er ist in ein Haus eingedrungen, dessen Tür offenstand."
Passwörter erraten
Denn der junge Franzose schrieb keine Spionage-Programme oder hebelte Schutzvorrichtungen durch ausgeklügelte Informatik-Tricks aus. Stattdessen knackte er Twitter, indem er sich Zugang zu den E-Mail-Konten von Mitarbeitern verschaffte. "Ich machte das, indem ich die Passwörter erriet." Dafür suchte er das Internet nach persönlichen Informationen über "Zielpersonen" ab und baute daraus mögliche Passwörter, etwa aus den Namen der Kinder oder der Haustiere.
Nachdem er an die E-Mail-Konten der Twitter-Mitarbeiter gelangt war, bekam er in einer Nacht im April vergangenen Jahres dann auch die Passwörter zur Verwaltung des Kurznachrichtendienstes heraus. Er habe daraufhin die Nutzerkonten etwa von Obama oder US-Star Britney Spears besucht, Bildschirmkopien gemacht und diese ins Netz gestellt, sagte C. im März. "Alle haben geglaubt, dass das ein Witz war, bis Twitter Klage eingereicht hat."
FBI stand vor der Tür
Doch ein knappes Jahr später wurde es ernst für C. Ziemlich "verschreckt" sei ihr Sohn gewesen, als Ende März plötzlich französische Fahnder mit vier Beamten der US-Bundespolizei FBI vor der Tür gestanden hätten, sagte seine Mutter. Ein Gutes hatte es jedenfalls, dass C. so medienwirksam aufflog. Nach Angaben seines Anwalts hat er inzwischen seinen ersten Job als Informatiker.
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