Passwörter erraten

Bewährungsstrafe für französischen Twitter-Knacker

Web
25.06.2010 08:51
Weil er den Kurznachrichtendienst Twitter gehackt und sich so Zugang zu Nutzerkonten von US-Präsident Barack Obama und Sängerin Britney Spears verschafft hat, ist der 23-jährige Francois C. am Donnerstag zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der junge Franzose sei erleichtert gewesen, berichtete der französische Rundfunk am Donnerstagabend. Für das "Eindringen in Computersysteme" hatten ihm bis zu zwei Jahre Haft gedroht.

Zum Auftakt des Prozesses am Donnerstag im zentralfranzösischen Clermont-Ferrand bestritt der als "Hacker Croll" bekannt gewordene 23-Jährige einmal mehr, ein Hacker zu sein. Er habe nie ein Konto verändert oder sonst etwas Böses getan, sagte er. "Ich habe lediglich Screenshots gemacht."

Zerstörungen anzurichten oder jemandem zu schaden, sei dabei nicht seine Absicht gewesen, versicherte C.. "Ich hätte es tun können, aber das entspricht nicht meiner Ethik." Er habe nur zeigen wollen, dass bei der Computersicherheit "das schwache Glied nicht die Maschine ist, sondern der Mensch". Außerdem sei es ihm darum gegangen, die Internet-Nutzer darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Wahl eines sicheren Passwortes sei.

Dass "Hacker Croll" relativ harmlos ist, hatte die Staatsanwaltschaft bereits kurz nach seiner spektakulären Festnahme im März erkennen müsse. C. sei "kein Hacker im eigentlichen Sinne", stellte sie fest. "Er ist in ein Haus eingedrungen, dessen Tür offenstand."

Passwörter erraten
Denn der junge Franzose schrieb keine Spionage-Programme oder hebelte Schutzvorrichtungen durch ausgeklügelte Informatik-Tricks aus. Stattdessen knackte er Twitter, indem er sich Zugang zu den E-Mail-Konten von Mitarbeitern verschaffte. "Ich machte das, indem ich die Passwörter erriet." Dafür suchte er das Internet nach persönlichen Informationen über "Zielpersonen" ab und baute daraus mögliche Passwörter, etwa aus den Namen der Kinder oder der Haustiere.

Nachdem er an die E-Mail-Konten der Twitter-Mitarbeiter gelangt war, bekam er in einer Nacht im April vergangenen Jahres dann auch die Passwörter zur Verwaltung des Kurznachrichtendienstes heraus. Er habe daraufhin die Nutzerkonten etwa von Obama oder US-Star Britney Spears besucht, Bildschirmkopien gemacht und diese ins Netz gestellt, sagte C. im März. "Alle haben geglaubt, dass das ein Witz war, bis Twitter Klage eingereicht hat."

FBI stand vor der Tür
Doch ein knappes Jahr später wurde es ernst für C. Ziemlich "verschreckt" sei ihr Sohn gewesen, als Ende März plötzlich französische Fahnder mit vier Beamten der US-Bundespolizei FBI vor der Tür gestanden hätten, sagte seine Mutter. Ein Gutes hatte es jedenfalls, dass C. so medienwirksam aufflog. Nach Angaben seines Anwalts hat er inzwischen seinen ersten Job als Informatiker.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Web
25.06.2010 08:51
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung