01.11.2019 06:01 |

„Digitaler Nachlass“

Was passiert mit unseren Daten nach dem Tod?

E-Mail-Konten, Profile in sozialen Medien, Daten in der Cloud: Wer im Netz unterwegs ist, hinterlässt eine Spur an Daten, die oft über den Tod hinaus bestehen bleibt. Die wenigsten Nutzer legen jedoch zu Lebzeiten fest, was mit ihren Daten nach dem Ableben geschehen soll.

„Meist wissen die Angehörigen weder, auf welchen Plattformen der oder die Verstorbene im Internet aktiv war, noch, was deren Benutzernamen und Passwörter bei den diversen Online-Diensten waren“, erläutert Maximilian Schubert, Generalsekretär des Verbands der österreichischen Internetprovider (ISPA), die Problematik.

Wer sich rechtzeitig mit der Thematik auseinandersetzt, kann den digitalen Fußabdruck, der über den eigenen Tod hinaus bestehen bleibt, jedoch selbst bestimmen - und den Hinterbliebenen im Ernstfall viel Stress und Unklarheit ersparen.

Dokumentation als erster Schritt
„Es macht auch ohne konkreten Anlass Sinn, für sich selbst eine Liste der Dienste, bei denen man sich im Internet angemeldet hat, zusammenzustellen und regelmäßig zu aktualisieren. Auf diese Weise behält man den Überblick über seine Online-Aktivitäten und hat den ersten Schritt für die Vorsorge bereits erledigt“, rät Schubert.

Laut Markus Wieser, Präsident der AK Niederösterreich, verwahrt man diese Liste „am besten an einem sicheren Ort wie in der Dokumentenmappe im Safe“. Eine Alternative zur physischen Liste sei die Verwendung eines Passwort-Managers. In diesem könnten alle Zugangsdaten gespeichert und mit einem einzigen Passwort abgerufen werden.

Was soll mit den Daten im Internet geschehen?
Die AK empfiehlt, auch die gewünschte Vorgehensweise für die Hinterbliebenen festzuhalten. Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten: Erhaltung, Löschung, Archivierung oder Übertragung der Daten an Angehörige, Erben oder dritte Personen.

Viele soziale Netzwerke bieten mittlerweile Möglichkeiten, für den Todesfall vorzusorgen. Beispielsweise kann eine bestimmte Person informiert werden, wenn der Kontoinhaber über längere Zeit inaktiv ist, bzw. eine Person als „Nachlasskontakt“ festgelegt werden, der nach dem Tod das Konto verwalten soll.

Die zweite Möglichkeit wäre, das Profil zu löschen. Unterstützung dabei bietet die Website justdelete.me: Sie listet die gängigsten Internetportale und zeigt dabei per Ampel-Kennzeichnung an, wie leicht sich Nutzerprofile von diesen wieder entfernen lassen.

Bei Facebook etwa können die Erben bestimmen, ob die Seite gelöscht oder archiviert und in eine sogenannte Gedenkseite umgewandelt wird. Die Gedenkseite wird sozusagen eingefroren - Freunde können posten, etwa Erinnerungen. Aber: Eine weitere normale Nutzung des Kontos durch den Erben ist nicht möglich

Abos gehen auf Erben über
Entgeltliche Verträge wie Netflix, Parship usw. gehen indes auf die Erben über. In der Regel besteht aber die Möglichkeit, dass die Erben im Todesfall kündigen können.
In den meisten Fällen verlangen die Anbieter dafür neben der Sterbeurkunde auch einen Nachweis der Rechtsnachfolge.

„Es kann auf die Nutzerinnen und Nutzer so wirken, als ob die Verfahren rund um den digitalen Nachlass teilweise sehr bürokratisch und oftmals unnötig kompliziert sind. Diese sind jedoch notwendig, um Missbrauch zu vermeiden“, erklärt ISPA-Generalsekretär Schubert. Die Plattformbetreiber müssten sich schließlich vor geschmacklosen Scherzen und Betrugsversuchen schützen.

Suche nach Spuren im Netz
Wurde keine Vorsorge bezüglich des digitalen Nachlasses getroffen und der Verstorbene hat auch keine Aufzeichnungen seiner Online-Aktivitäten hinterlassen, stehen die Hinterbliebenen vor größeren Herausforderungen. Um herauszufinden, bei welchen Plattformen der Verstorbene aktiv war, empfiehlt die AK, mit Suchmaschinen nach dessen Name und E-Mail-Adresse zu suchen. Auch Spitznamen oder Namenskürzel sollten in die Suche einbezogen werden. Freunde, Verwandte, Kollegen sowie etwaige Partner sollten zudem zu den Online-Aktivitäten des Verstorbenen befragt werden.

Alternativ gibt es Vereine bzw. Firmen, die sich im Auftrag der Erben um den digitalen Nachlass kümmern. Etwa wienerverein.at - ein Bestattungs- und Versicherungsservice, mit dem zum Beispiel die Grazer Bestattung zusammenarbeitet. Auch eingesessene Bestattungsunternehmen wie bestattungwien.at haben den digitalen Nachlass schon im Angebot.

Gratis-Broschüre „Digitaler Nachlass“
Unterstützung für Hinterbliebene beim Umgang mit dem digitalen Erbe und sowie praktische Tipps für die eigene Vorsorge bietet auch der Verband der österreichischen Internetprovider mit der Broschüre „Digitaler Nachlass“. Die bereits achte, aktualisierte Version des Leitfadens steht auf der ISPA-Website (ispa.at/digitaler-nachlass) kostenlos zum Download zur Verfügung.

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