28.08.2019 10:28 |

Handel unter Druck

Online-Shopping: Immer mehr Läden stehen leer

Das Einkaufen im Internet bringt den Handel in Städten immer mehr unter Druck, vor allem in kleineren Städten und in schwächeren Lagen, so eine aktuelle Untersuchung. Die Folgen: Die Leerstände steigen. Mancherorts erreichen sie bis zu 25 Prozent oder mehr.

Auch zahlreiche andere elektronische Services bremsen laut dem Beratungsunternehmen RegioPlan die Expansionslust der stationären Händler. So sei es etwa nicht mehr notwendig, wegen Bankgeschäften oder Behördenwegen in die Stadt zu kommen. „Das alles spiegelt sich in den Frequenzzahlen wider und die zumeist üppigen Verkaufsflächen in den Einkaufszentren am Stadtrand tun ihr übriges“, so RegionPlan in einer Mitteilung.

Knapp 13 Prozent der Konsumausgaben in Österreich werden demnach bereits online getätigt, ohne den wenig online-affinen Lebensmittelhandel seien es mehr als 18 Prozent. Die Verkaufsflächen gehen zurück. Die Leerstände steigen, Werte von bis zu 25 Prozent und mehr seien mancherorts durchaus keine Seltenheit mehr.

„Abwärtsspirale dreht sich immer schneller“
„Während wir bei den Top-Geschäftsstraßen noch kaum über längere Zeit Leerstände sehen, ist die Situation in kleineren Städten oder generell in schwächeren Handelszonen mit Leerstandsquoten von 15 Prozent oder mehr oft dramatisch. Die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller und es besteht dringend Handlungsbedarf“ so RegioPlan-Geschäftsführer Wolfgang Richter.

Verkaufsflächen schrumpfen
Die Verkaufsfläche geht - ausgenommen im Lebensmittel- und Drogeriehandel - laut RegioPlan seit fünf Jahren um rund zwei Prozent pro Jahr zurück. Betroffen sind davon auch nicht mehr nur B- oder C-Lagen, sondern auch die stärksten Handelszonen. Die Expansionslust der Einzelhändler sei stark zurückgegangen. Vor wenig Jahren hätten sich viele Unternehmen um die besten Standorte gestritten, im Moment expandierten nur wenige und dies vorwiegend im Diskontbereich. Viele Händler wollten auch Geschäftsflächen verkleinern oder würden Standorte schließen.

„Entortung“ durch das Internet
Das Internet habe den Einzelhandel „entortet“, schreibt RegioPlan. Die Passantenfrequenzen in den Stadtkernen und innerstädtischen Handelszonen würden um etwa vier bis sechs Prozent pro Jahr sinken. Nur in wenigen Fällen könnten die steigenden Touristenfrequenzen die Lücken füllen. Dazu komme, dass Stadt- und Verkehrsplaner, Baubehörden und Lokalpolitiker Fehler machten: Eine koordinierte Planung, die die Bedürfnisse der potenziellen Kunden erkenne und berücksichtige, fehle zumeist.

Gast statt Umsatzspender
„Die Kunden müssen nicht mehr in die innerstädtischen Handelszonen kommen. Durch Internet und periphere Einkaufszentren haben sie längst andere Optionen“, so Richter. Planer, Politiker aber auch Geschäftsleute und Investoren müssten nun lernen, was sie den Kunden bieten können, sodass sie kommen wollen. Der Tourismus habe es vorgezeigt: „Es wird künftig darum gehen, die Menschen nicht als Umsatzspender und Steuerzahler, sondern als Gäste zu betrachten.“

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