04.06.2019 08:42 |

Geschichte erfunden

„Bloggerin des Jahres“ bekommt Preis aberkannt

Weil sie für sich selbst eine jüdische Familiengeschichte erfunden haben soll, hat eine deutsche Autorin den Titel „Bloggerin des Jahres 2017“ wieder aberkannt bekommen. „Wir haben die Autorin um eine Stellungnahme gebeten“, teilte das für den Preis verantwortliche Netzwerk Goldene Blogger am Montag mit. „Mit der aktuellen Informationslage sehen wir uns gezwungen, den Preis abzuerkennen.“

Die Goldenen Blogger betonten: „Weiterhin werden wir in den kommenden Wochen darüber nachdenken, welche Schlüsse wir für die zukünftigen Verleihungen der Goldenen Blogger ziehen.“ Sollte sich an der Lage etwas ändern, behalte man sich vor, den Vorgang neu zu bewerten.

Familiengeschichte erfunden
Nach „Spiegel“-Recherchen hat Hingst in Wirklichkeit keine nähere jüdische Verwandtschaft - obwohl sie in ihrem Blog und auch in Vorträgen immer wieder davon berichtet hatte. Außerdem habe sie bei der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Einreichen von sogenannten Gedenk- oder Opferbögen zu 22 angeblichen Verwandten den Eindruck erweckt, große Teile ihrer Familie seien im Holocaust umgekommen.

Tatsächlich stammt sie aus einer evangelischen Familie, wie der „Spiegel“ nach Recherchen im Stadtarchiv Stralsund schreibt. Ihr Großvater soll nicht - wie von ihr behauptet - Häftling im Vernichtungslager Auschwitz gewesen sein, sondern evangelischer Pfarrer. Von weiteren angeblich jüdischen Familienmitgliedern fanden sich demnach gar keine Spuren.

„Künstlerische Freiheit“
Über einen Anwalt ließ die 31 Jahre alte Bloggerin dem „Spiegel“ zufolge mitteilen, dass die Texte ihres Blogs, der am Wochenende nicht mehr erreichbar war, „ein erhebliches Maß an künstlerischer Freiheit für sich in Anspruch“ nähmen. Es handle sich um Literatur, nicht um Journalismus oder Geschichtsschreibung. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur äußerten sich Hingst und ihr Anwalt zunächst nicht inhaltlich.

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