Die Zitadelle in Gozos Hauptstadt Victoria, der Tempel Ggantija, der älter ist als Ägyptens Pyramiden, die Höhle der Nymphe Kalypso, wo Odysseus sieben Jahre lang gefangen gehalten wurde, die Ramla Bay mit ihrem roten Sandstrand… das alles ist Besuchern von Gozo, der zweitgrößten Insel des maltesischen Archipels, wohl bekannt. Wie aber kommt man heute zum weltbekannten Blue Window, wo kann man die blau schimmernde Cathedrale besichtigen, wie an Bord der „Karwela“ gehen? Die Antwort ist einfach: mit einer Tauchausrüstung. Und das machen bereits etwa zwölf Prozent der Malta-Touristen.
Tauch-Enthusiasten beleben denn auch die Wirtschaft dieses kleinen Mittelmeer-Inselstaates, sorgen für jährlich etwa 1,3 Millionen Nächtigungen. 7,7 Prozent der Tauchtouristen kommen aus Österreich. Für die Betreuung der Unterwasser-Touristen stehen auf Malta 38 Tauchbasen zur Verfügung, 16 sind es auf Gozo und immerhin eine auf der kleinsten der Inseln, auf Comino. Insgesamt gibt es 70 bekannte Tauchplätze rund um diese drei Inseln.
Als Geheimtipp gilt dabei nach wie vor Gozo, an dessen steilen Küsten 27 der Tauchplätze liegen. Dort erkundeten zertifizierte Sporttaucher ebenso wie blutige Anfänger auf Einladung des Wiener Fremdenverkehrsamtes Malta die verborgenen Welten in den Meerestiefen rund um Gozo. Ich rückte mit meinem eigenen Tauch-Equipment an, die anderen Reiseteilnehmer wurden von der Tauchbasis und -schule „Atlantis Diving Centre“ in Marsalforn ausgestattet.
Nach kurzer Einweisung ging es mit den Guides Nevena und Yoann zum ersten – und dem wohl bekanntesten – Tauchplatz von Gozo: dem „Blue Hole“ an der Westküste der 67 Quadratkilometer großen Insel, wo bis zum 8.…März 2017 die bizarre Küsten-Felsformation „Blue Window“ beliebtes Fotomotiv für Landtouristen war. Dann stürzte die Felsbrücke über Nacht plötzlich ein, kann seither nur noch mit Tauchausrüstung besichtigt werden: Die Gesteinsbrocken liegen bis zu 25 Meter tief im azurblauen Meer.
Der Weg vom Parkplatz, wo wir die Tauchausrüstung anlegen – eine Tauchflasche mit 15 Liter Atemluft und sechs Kilo Blei im Jacket –, bis zum Einstieg führt gut 200 Meter weit bergab über spitzes Kalkgestein. Doch die Plackerei lohnt sich, sobald man im 27 Grad warmen Wasser abtaucht. Wie eine unwirkliche Felslandschaft liegen die schweren Brocken der einstigen Sehenswürdigkeit hier auf Grund, bereits grün schimmernd überzogen. Sanft schwebend gleiten wir darüber hinweg. Ganz in der Nähe liegt der nächste Tauchplatz, der „Inland Sea“. Hier gelangt der Taucher durch einen 80 Meter langen Torbogen ins Meer, wo entlang von Felswänden zahlreiche Höhlen darauf warten, erkundet zu werden.
Wer bei diesen Tauchgängen die Hoffnung auf Begegnung mit Großfischen, wird enttäuscht, wer aber landschaftliche Reize sucht, wird von den grünen Unterwasserwiesen mit zahlreichen bunten Kleinfischen, Groupers, Röhren- und Borstenwürmern, Anemonen und Schwämmen begeistert sein.
Auch Wracktaucher kommen hier auf ihre Kosten. Es gibt zwar keine spektakulären großen Kriegsschiffe, aber kleinere Wracks, wie zum Beispiel die 50 Meter lange „Karwela“, einst ein Fährschiff für 450 Passagiere, die vor der Südküste 80 Meter vom Ufer entfernt 40 Meter Tiefe im Sand liegt. Der Tauchgang geht über einen stufenförmigen Abhang zum Wrack, in das man am besten im Heckbereich eintaucht. Über einen Stiegenaufgang kommt man zum oberen Deck. Das Schiff war für Tauchzwecke versenkt worden. Jetzt erobern Algen, Korallen und Fische das künstliche „Riff“.
Ein Muss für Taucher ist die „Cathedrale Cave“ bei Wied il-Ghasri – eine 15 Meter hohe Felsenhöhle, die von Land aus nicht erreichbar ist. Von den steilen Klippen geht es über zahlreiche Stufen in den Talkessel zum Ufer. In fünf Meter Tiefe liegt der Höhleneingang zur Cathedrale. Taucht man am Nachmittag, scheint die Sonne direkt auf den Eingang, sodass das Meer dahinter mystisch in strahlendstem Blau leuchtet. In der Höhle, deren Wände mit Korallen, Schwämmen, Hydroiden und goldenen Zoanthiden bedeckt sind, kann man auftauchen – ein kleiner Felsspalt sorgt für Frischluft, die Atmosphäre für ein unvergleichliches Taucherlebnis.
Nicht ganz so wie ich und mein Buddy waren die Schnuppertaucher – die an anderen Tauchplätzen unterwegs waren – von ihrem ersten Ausflug in die Unterwasserwelt begeistert. Vor allem die ungewohnte Atmung nur durch einen Schlauch sorgte bei ihnen für Magenkribbeln. „Ich persönlich fand die Taucherfahrung super. Ich bin froh, dass ich es noch einmal probiert habe“, schwärmte dann Malta-Fremdenverkehrsamt-Lady Corinna Ziegler. Ob sie nun eines Tages den Tauchschein macht und sich künftig beim schwerelosen Schweben unter Wasser entspannt, ließ sie noch offen, nützte aber die Tauchpausen, um der Gruppe auch Sehenswürdigkeiten an Land näherzubringen – und die kulinarischen Genüsse.
Die Einflüsse zahlreicher Eroberer –wie Phönizier, Römer und Araber, aber auch Italiener, Franzosen und Briten – sind überall erkennbar.Nicht nur bei historischen Gebäuden, auch auf den Speisekarten der Gaststätten.
Als Landesspezialität gilt Fenkata - Hase in Rotwein auf Spaghetti. Im Ta Rikkardu in der Zitadelle wurde davor Gbejniet, ein typischer Gozo-Käse, serviert. Und zum Abschluss empfiehlt sich ein Bajtra, ein süßer Likör aus Kaktusfeigen. Wozu die Gozitaner dann „bis-sahha tieghek“ sagen - auf deutsch: „Prost!“.
Johann Haginger, Kronen Zeitung
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.