09.03.2019 06:08 |

Lungenhochdruck

„Der Faschingsdienstag bleibt mir in Erinnerung“

An diesem Tag vor zwei Jahren erhielt Evelyn, heute 49, völlig überraschend die Diagnose Lungenhochdruck. Wie sie Ihr Schicksal tagtäglich meistert.

„Als ich damals merkte, dass ich beim schnelleren Gehen und bei leichten Steigungen kurzatmig werde und schwere Beine bekomme, dachte ich an einen altersbedingten Leistungsabfall. Die Atemnot wurde aber zusehends schlimmer, ich schaffte es irgendwann nicht einmal mehr ein Stockwerk durchzuhalten“, berichtet die Mutter eines 18-jährigen Sohnes. Eine Lungenfachärztin erkannte die Dringlichkeit und überwies ins LKH Graz. Nach einem längeren stationären Aufenthalt und zahlreichen Untersuchungen stand nach Durchführung eines Rechtsherzkatheters die Diagnose Lungenhochdruck, genau „idiopathische pulmonal-arterielle Hypertonie“, IPAH, fest. Ursache: Unbekannt.

„Die Medikamenteneinstellung war kein Honigschlecken, ich verbrachte länger im Krankenstand und fiel in ein Loch. Zum Glück fand ich bald die PH Austria Lungenhochdruck-Initiative. Ich informierte mich, kehrte zu meiner Arbeit in der öffentlichen Verwaltung der Stadt Graz zurück. Mein tolles Team unterstützt mich sehr! So habe ich mein Leben an diese Krankheit angepasst, achte auf meine Bedürfnisse und drücke diese auch aus. Was manchmal aussieht wie Egoismus, ist für mich Überlebensstrategie. Natürlich gibt es Rückschläge, Tage, an denen es mir schlecht geht, Zeiten der Verzweiflung, Trauer, Angst und Wut. Aber es gibt auch Tage, an denen ich fast vergesse dass ich diese Krankheit habe - das sind meine Lieblingstage!“, bleibt die Patientin optimistisch.

Weltweit leiden Millionen Menschen an chronischen Lungenerkrankungen wie COPD oder Lungenfibrose. Viele davon haben - oft ohne es zu wissen - auch Lungenhochdruck. Dabei verdicken sich die Lungengefäße, die eigentlich dünn und dehnbar sein sollen und setzen dem Blutfluss im Atmungsorgan einen großen Widerstand entgegen. Die Patienten bekommen nicht genug Luft, eskommt zu Herzschäden. Die Forschung “vergaß" lange Zeit auf die Lungengefäße. Doch in letzter Zeit wurden enorme Fortschritte gemacht. Das Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung hat zwei neue nicht-invasive Methoden zur Diagnose von Lungenhochdruck patentiert, deren Erprobung in klinischen Studien läuft. Eine dritte Methode wurde eingereicht.

Interview mit Dr. Grazyna Kwapiszewska-Marsh, Leiterin Ludwig Boltzmann Institut für Lungengefäßforschung und Univ.-Prof. Dr. Horst Olschewski, Chef der Klinische Abteilung für Pulmonologie am LKH Graz:

Warum konnte Lungenhochdruck so lange nicht behandelt werden?

„Ohne Wissen um die Mechanismen einer Krankheit gelingt es eben nicht, sie vollständig zu verstehen. So bleibt dann auch die exakte Diagnose und die adäquate Therapie aus. Pulmonale Hypertonie ist diesbezüglich aber ein ,Vorzeigeprojekt‘, wenn man so will. Nachdem konsequente Forschung betrieben wurde, sind nun mittlerweile 11 Medikamente verfügbar, weitere befinden sich im Zulassungsprozess. Man kann kein Medikament aus dem Hut zaubern, wenn man die molekularen Mechanismen der Krankheit nicht versteht.“

Um welche Forschung handelt es sich?

„Wir konnten drei molekulare Prinzipien entschlüsseln, die im Zusammenhang mit den Gefäßveränderungen in der Lunge bei diesem Krankheitsbild stehen. Hier gehen klinische Forschung und Grundlagenforschung Hand in Hand, ergänzen einander ideal. Das wird durch die integrative Struktur eines Ludwig Boltzmann Instituts ermöglicht.“

Gibt es keine Früherkennungsmethoden?

„Es ist schwierig, festzustellen, ob die Lungengefäße bereits erkrankt sind. Das macht es auch so wichtig, nicht-invasive Diagnosemethoden zu finden. Der Druck in den Lungengefäßen kann bis dato nur mit einem Rechtsherzkatheter zuverlässig gemessen werden. Das ist ein eigentlich einfacher Eingriff, der aber eine große Expertise voraussetzt und daher unbedingt in erfahrenen Zentren durchgeführt werden soll. Lungenhochdruck wird oft erst spät erkannt, weil die Beschwerden nicht eindeutig sind. Dieser Umstand verschlechtert die Prognose erheblich. Das macht es auch so wichtig, neue Methoden zur Diagnose zu finden.“

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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