"Wir müssen die Leute dort abholen, wo sie sind. Junge Leute lesen nicht mehr Zeitung, sondern sind bei Youtube und Facebook anzutreffen", sagt Ian Andersen, für die externe Kommunikation bei der Generaldirektion Dolmetschen zuständig. Mit der Anzahl der Abrufe und Kommentare im Internet erhält die GD auch direkt Feedback, auf wie viel Interesse ihre Kampagne stößt. Nach den ersten YouTube-Filmen zu Englisch, Deutsch und Französisch sollen 2010 nun weitere Videos folgen. Angesprochen werden Jugendliche in allen EU-Ländern.
Engpass durch bevorstehende Pensionierungen
Dabei scheint es paradox, dass die EU ausgerechnet in den gängigen Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch auf einen Engpass zusteuert. Die Erklärung liegt rund 30 Jahre zurück. Viele Dolmetscherinnen und Dolmetscher in diesen Sprachen wurden in den 1970er- und 80er-Jahren engagiert. In den nächsten Jahren geht ein großer Teil von ihnen in Pension.
Dass es besonders schwierig ist, Dolmetscher mit englischer Muttersprache zu finden, beruht darauf, dass an den Schulen in Großbritannien oder Frankreich nur noch Englisch als Sprache oder Fremdsprache gelehrt wird. So fehlen gerade aus diesen Ländern Leute, die neben Englisch noch zwei weitere Sprachen beherrschen. Dazu kommt, dass die Konkurrenz bei der Suche nach guten Dolmetschern bei Englisch größer ist als bei anderen Sprachen. Denn auch in den USA lernen die Jugendlichen meist nur Englisch. Damit erhält die EU auf der Suche nach Nachwuchs Konkurrenz aus Übersee, da die Vereinten Nationen oder internationale Organisationen auch in Europa nach fähigen Leuten Ausschau halten.
Wenige Deutsche gehen nach Brüssel
Etwas anders sieht die Situation laut Andersen bei Deutsch aus. In Deutschland lernten die Jugendlichen sehr wohl Fremdsprachen. Allerdings sei der Markt für Dolmetscher in Deutschland gut und groß genug. Somit ziehe es Deutsche weniger nach Brüssel. Neben verschiedenen Sprachinstituten in Deutschland und Österreich arbeitet die EU auch mit Ausbildungszentren in der Schweiz zusammen.
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