Mo, 22. Oktober 2018

Streng geheim

12.10.2018 09:33

Rätselraten um Dysons erstes eigenes Elektroauto

Die Techniker von Dyson tragen ihre Geheimnisse stets bei sich. Jeder der 4500 Entwickler auf dem Unternehmensgelände in Malmesbury bei London hat sein Black Book mit all seinen Ideen und Kreationen unter dem Arm. Details über neue Produkte gibt keiner auf Nachfrage bekannt - schon gar nicht, wenn es um die Entwicklung des Elektroautos geht, das im Jahr 2021 bereits zum Verkauf stehen soll und eines der derzeit bestgehüteten Geheimnisse ist.

Auch wenn Journalisten durchs Gelände geführt werden, lässt sich das millionenschwere Unternehmen nicht in die Karten schauen. Die Herstellung von heiklen Produkten findet an diesem Tag einfach nicht statt. Alle Tests und Untersuchungen, ob die Erzeugnisse den hohen Ansprüchen entsprechen, werden ausnahmslos hausintern durchgeführt. Detaillierte Umsatzzahlen werden gehütet wie ein Schatz. Betriebsspionage ist unmöglich, was vor allem an der enorm hohen Loyalität der Mitarbeiter liegt, wie auch Aerodynamik-Ingenieur Stefan Koch betont.

„Betrug an den Kollegen“
„Wir sprechen mit niemandem über neue Produkte. Die Konkurrenz ist uns auf den Fersen“, sagt der Entwickler und hält dabei sein Black Book fest in der Hand. Nicht einmal mit seiner Lebensgefährtin spricht er über seinen Tagesablauf. „Das wäre Betrug an den Kollegen“, so der gebürtige Schweizer.
Denn vor allem in Asien werden die Technologien gerne kopiert, das ist auch der am stärksten wachsende Markt von Dyson.

Die Entwicklung des eigenen Elektrofahrzeugs wird daher unter strengsten Sicherheitsbedingungen durchgeführt. Das Gebiet sei absolut hermetisch abgeriegelt, auch für Mitarbeiter aus anderen Bereichen, erfuhr krone.at. Erst im vergangenen Jahr wurde das Vorhaben des E-Autos bekannt, obwohl bereits seit 27 Jahren daran getüftelt wird. 2020 soll der Launch erfolgen, 2021 startet der Verkauf. „Wir sind im Zeitplan“, heißt es aus dem Unternehmen.

Ehemaliger Militärflugplatz als Testgelände
Ein 400-köpfiges Team - die Hälfte davon extra angeworben - hat bereits das neue Technologiezentrum auf dem ehemaligen Flugplatz Hullavington bezogen. Für 84 Millionen Pfund (rund 95 Millionen Euro) wurden zwei Hangars aus dem Jahr 1938 umgebaut. Drei weitere Gebäude, versteckt hinter hohen Zäunen, werden in den kommenden Monaten fertiggestellt, die zusätzliche Testflächen von 15.000 Quadratmetern und Platz für weitere 300 Mitarbeiter bieten werden.

Geplant sind auf dem Gelände (Bild unten) ein Cafe, ein Sportzentrum, Erholungsflächen für die insgesamt mehr als 2000 Mitarbeiter, die auf dem ehemaligen Flugplatz tätig werden. Herzstück wird die zehn Kilometer lange Teststrecke, die sämtliche Straßenqualitäten imitieren soll - asphaltierte Bereiche, Offroad-Routen, Schnellstraßen-Simulationen und Testhänge, um die Steigungen auszuprobieren. Auch eine Fast-Road-Route ist geplant, um die Höchstgeschwindigkeit des Autos zu testen.

Top-Secret: die Batterie-Technologie
Mit welcher Batterie das neue Elektroauto ausgestattet sein wird, dazu hält sich Dyson sehr bedeckt. „Wir arbeiten an einer Reihe von Batterietechnologien, sowohl Festkörper- als auch andere chemische Technologien“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Dyson hält 175 Patente in der Herstellung von Hochleistungs-Batteriezellen. Ingenieure in Großbritannien sowie USA, Japan und Singapur treiben die Entwicklung dafür voran. „Derzeit werden Zellen getestet, die die Energiedichte in Batterien verdreifachen können.“

Eine - nicht ganz ernst zu nehmende - Konzeptgrafik zeigt, wie das Elektroauto des Staubsauger-Herstellers aussehen könnte:

Fokus auf Akkus
Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren seinen Fokus auf Akkus mit langer Laufzeit gelegt. Fünf Jahre lang wurde etwa an dem neuen Produkt „Cyclone V10“ getüftelt. Der Bodenstaubsauger kommt völlig ohne Kabel aus. Die Laufzeit beträgt bis zu einer Stunde, laut Firmengründer James Dyson lässt sich damit eine große Wohnung ohne lästiges Stromkabel reinigen. „Das ist der Grund, weshalb Dyson aufhört, in kabelgebundene Staubsauger zu investieren“, so der Geschäftsführer.

24 Millionen Pfund Entwicklungskosten für einen Lockenstab
Eines der Firmengeheimnisse wurde nun von James Dyson in New York enthüllt. Er präsentierte den „Airwrap“, ein Haarstyling-Gerät, das sowohl als Trockner, Lockenstab als auch als Glätter verwendet werden kann. Das Beauty-Produkt arbeitet mit dem sogenannten Coanda-Effekt, der entsteht, wenn ein Luftstrom mit hoher Geschwindigkeit nahe an einer Oberfläche entlang fließt und aufgrund von Druckunterschieden, die durch die Oberfläche verursacht werden, an ebendieser anhaftet. Das Aerodynamik-Team von Dyson hat sich dieses Prinzip zu Nutzen gemacht, um damit Haare zu stylen. Sechs Jahre Entwicklung und 24 Millionen Pfund Investition in Forschung und Entwicklung stecken im „Airwrap“.

 krone.at
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