Mi, 21. November 2018

Im Brennpunkt

01.06.2018 07:00

Verhaltenstipps: Eine Alm ist kein Streichelzoo!

„Auf der Alm, da gibt’s koa Sünd“ heißt es bekanntlich im Volksmund. Stimmt so allerdings nicht ganz: Auf der Alm gibt es sehr wohl Regeln, an die man sich möglichst halten sollte - will man nicht mit Tieren, vor allem mit aufgebrachten Mutterkühen, ein gröberes Problem bekommen. Denn eine Alm ist kein Streichelzoo, wie die Landwirtschaftskammer treffend formuliert.

Eine Wanderung irgendwo auf einer Alm in Österreich. Idylle pur, Ruhe, die Kühe weiden gemütlich, nur das Läuten ihrer Glocken ist zu hören. Hunderttausende Tiere sind es, die derzeit in luftigen Höhen „Frischzellenkur“ machen. Aber auch Zigtausende Wanderer zieht es derzeit vermehrt in die Natur, lockt es auf die Almen, getreu dem Motto „In die Berg, da bin i gern“.

Leider kommt es aber immer wieder zu Zwischenfällen, die zum Glück meist glimpflich enden. Aber nicht immer ist Göttin Fortuna dabei. Plötzlich, quasi aus heiterem Himmel, geht eine Mutterkuh auf eine Wanderin los. Sie attackiert die Frau, stößt sie mit ihren Hörnern zu Boden und verletzt sie.

Warum kommt es zu solchen Attacken?
„Es gibt mittlerweile Hunderttausende begeisterte Wanderer. Leider wissen viele Menschen nicht über das richtige Verhalten gegenüber Weidetieren Bescheid. Gerade die stark gestiegene Zahl von Wanderern mit Hunden ist in Kombination mit der verstärkten Mutterkuhhaltung nicht unproblematisch“, sagt Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol. Diese hat vor Kurzem fünf Videos mit Sicherheitstipps veröffentlicht - unter anderem mit Schauspieler und Landwirt Tobias Moretti.

Kuhhaltung auf der Alm hat sich verändert
Die Haltung der Kühe hat sich in den vergangenen Jahren weg vom Milchbetrieb hin zur Mutterkuhhaltung verändert. Kommt ein Wanderer mit Hund an der Leine anmarschiert, passiert Folgendes: Die Rinder betrachten den Hund instinktiv als Wolf. Damit ist er eine Bedrohung für sie und vor allem für ihre Kälber. In der Folge versuchen die Kühe, aus dem Mutterinstinkt heraus, ihre Kälber zu beschützen - wenn nötig auch mit einem Angriff auf den Menschen.

Um ein Miteinander auf der Alm weiterhin zu gewährleisten, sollten gewisse Regeln bei Begegnungen mit Weidetieren eingehalten werden. Nur so wird ein friktionsfreies Nebeneinander von Tier und Mensch auf der Alm möglich sein und damit die Erholung für beide Seiten nicht zu kurz kommen.

Interview mit Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol:

„Krone“: Ist eine Kuh aggressiv?
Josef Hechenberger: Ich habe selbst einen Bauernhof und somit jeden Tag mit Kühen zu tun. Daher kann ich sagen, dass die Kuh vom Wesen her ein gutmütiges Tier ist. Stößt man allerdings beim Wandern auf eine Herde von Mutterkühen, die ihre Kälber beschützen, entwickeln sie entsprechende Schutzmaßnahmen. Ist dann auch noch ein Hund dabei, können sie rasch aggressiv werden.

Wie verhält sich eine Kuh, wenn sie sich tatsächlich bedroht fühlt?
Sie beginnt, auf den Boden zu stampfen oder mit dem Kopf zu wackeln. Dadurch drückt sie eine eindeutige Ablehnung aus, Vorsicht ist dann geboten.

Welche Maßnahmen sind notwendig, um künftig gefährliche Kuh-Attacken zu verhindern?
Wir müssen vor allem anhand von Aufklärungskampagnen den Wanderern das richtige Verhalten auf Almen näherbringen. Das machen wir zwar jetzt schon, doch wir haben noch längst nicht alle erreicht.

Verhaltenstipps

  • Wenn man Weidetieren begegnet, ruhig verhalten und nur langsam bewegen. Eine Kuh macht es nämlich sehr nervös, wenn sie in ihrer Ruhe gestört wird.
  • Kühe, die gemütlich in einer Wiese liegen und sich in der sogenannten Wiederkäuerphase befinden, sollten einfach in Ruhe gelassen werden. Wenn möglich, einen größeren Bogen um sie machen.
  • Hunde immer an der Leine führen. Wenn sich Gefahr erkennen lässt, den Hund samt Leine loslassen, denn zum Ableinen ist es da meistens schon zu spät. Der Hund wird schneller sein als das Rind, zudem lenkt er das Tier vom Menschen ab.
  • Wenn eine Kuh auf den Boden stampft oder mit dem Kopf wackelt, sind das eindeutige Drohgebärden. Man sollte sich dem Tier in dieser Situation nicht annähern, sondern sich langsam zurückgehend zurückziehen.
  • Ein Stecken oder Stab kann wertvolle Hilfe sein. Am besten auch sich selbst “groß machen". Wenn nötig, einen gezielten Schlag mit dem Stab auf die Nase der Kuh machen, dann wird sie abdrehen und flüchten.

Jasmin Steiner und Claus Meinert, Kronen Zeitung

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