Naturkosmetik

Was "Natur pur" in der Kosmetik wirklich kann

Gesund
04.11.2009 13:12
Seit Jahren wächst der Markt für Kosmetik mit natürlichen Inhaltsstoffen. "Natur pur" ist ein Verkaufsschlager. Doch halten die oft recht teuren Naturkosmetik-Produkte wirklich das, was sie versprechen? Also die ausschließliche Verwendung natürlicher Inhaltsstoffe, eine hohe Verträglichkeit und auf Konservierungsmittel wird verzichtet.

"Naturkosmetik ist ein hochgradig emotional besetztes Thema, bei dem Konsumkritik, Marketing und der Trend zur Esoterik eine große Rolle spielen", sagt Karin Gromann von der Sektion Verbraucherschutz des Gesundheitsministeriums. "100 Prozent Natur, das können Kosmetikprodukte niemals erreichen."

Konservierungsmittel müssen sein
In bestimmten Fällen ist Natur pur aber auch gar nicht im Sinne der Anwender. Etwa wenn es um die Haltbarkeit geht. Verdorbene Kosmetika lösen heftige Hautreizungen aus. Deshalb gibt es für Konservierungsmittel eine Ausnahme. Zugelassen sind einige im Labor nachgebaute, naturidente Stoffe wie Ameisensäure, Benzoesäure, Benzylalkohol, Propionsäure, Saliyl- und Sorbinsäure. Oft kann man auch durch spezielle Produktionsprozesse, Formulierungen und Verpackungen sowie knappere Haltbarkeitsspannen den Bedarf an zusätzlicher Konservierung senken.

Bei Sonnenschutz reichen natürliche Filter nicht
Bei einigen Produktkategorien haben Hersteller von Naturkosmetik aber eindeutig das Nachsehen. "Bei Sonnenschutzmitteln reichen natürliche, mineralische Filter nicht aus, um den gesetzlich geforderten UVA/UVB-Breitbandschutz zu gewährleisten", erklärte Gromann. Seit dieser vorgeschrieben ist, haben sich bekannte Naturkosmetikfirmen aus diesem Bereich zurückgezogen.

Oft Bezeichnungs-Missbrauch
"Viele Konsumenten glauben, dass Naturkosmetik per se schon besser ist. Die Kontrollen des Gesundheitsministeriums zeigen aber Mängel", warnte Gromann. "Bei einer Schwerpunktaktion auf Jahr- und Weihnachtsmärkten wurden fast zwei Drittel der Produkte beanstandet." Am häufigsten stießen den Kontrolleuren Kennzeichnungsmängel und die missbräuchliche Verwendung der Bezeichnung Naturkosmetik auf, sowie irreführende Produktaussagen. Mikrobiologisch waren die Erzeugnisse allerdings einwandfrei.

"Die Qualität und Wirksamkeit eines kosmetischen Mittels hängt nicht vom Ursprung der Rohstoffe ab, sondern von deren Reinheit und Formulierung", sagte Karin Gromann. "Eine ständige Herausforderung" sei die schwankende Qualität von Naturstoffen, die von nicht kontrollierbaren Einflüssen wie Klima, Bodenqualität, Zeit, Ort oder Art der Ernte abhängig sei, erläuterte Maria Langhals von der Abteilung Forschung & Entwicklung des Kosmetikriesen Beiersdorf.

Finger weg von Cremes vom Markt
"Wer Naturkosmetik bevorzugt, sollte die Finger von selbst gemachten Cremes und Produkten lassen, wie sie auf Märkten angeboten werden", empfahl Gromann. "Auch im Internet treiben viele unseriöse, selbst ernannte Naturkosmetikhersteller ihr Unwesen." Besser sei es, sich in Drogerie, Apotheke oder Reformhaus beraten lassen. Beim Einkauf solle man namhaften Erzeugern den Vorzug geben und nur Produkte kaufen, bei denen der Hersteller mit Kontaktadresse angegeben ist.

Regelungen in Österreich
In Österreich ist die Herstellung aller kosmetischen Mittel im Österreichischen Lebensmittelbuch geregelt. Für Naturkosmetika gibt es im Codexkapitel B 33 seit dem Sommer neue, genauere Bestimmungen. Gesetzeskraft hat der Codex allerdings keine, er dient als Richtlinie für Produktion und Vermarktung.

Naturkosmetika sollen demnach mit wenigen Ausnahmen fast ausschließlich aus Naturstoffen hergestellt sein. Für deren Gewinnung und Weiterverarbeitung sind nur einfache physikalische, mikrobiologische und enzymatische Verfahren erlaubt. Nicht eingesetzt werden dürfen gentechnisch veränderte Stoffe, synthetische Farb- und Duftstoffe, die meisten Verfahren zur Herstellung von waschaktiven Substanzen wie Sulfatierung oder Phosphorisierung sowie Erdölprodukte wie Silikone oder Paraffine. Wenn möglich, sollen die Rohstoffe aus kontrolliertem biologischen Anbau sein.

Internationale Gütesiegel
Seriöse Hersteller können sich auch um eines der internationalen Gütesiegel bemühen. Die Vergaberichtlinien unterscheiden sich allerdings. Einige Beispiele: Das als seriös geltende Label Ecocert unterteilt in Naturkosmetik und ökologische Naturkosmetik. Bei Naturkosmetik liegt der Anteil an Naturstoffen bei 95 Prozent, davon muss mindestens die Hälfte pflanzlich und aus biologischem Anbau sein. Bei ökologischer Naturkosmetik liegt der geforderte Anteil an pflanzlichen Bio-Rohstoffen bei 95 Prozent.

Das oft zu sehende BDIH-Prüfzeichen wurde 2001 eingeführt. Es wird vom Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und Körperpflegemittel verwaltet.

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