So, 21. Oktober 2018

„Fahrzeug als Freund“

02.03.2018 06:12

KI soll Auto zum Super-Beifahrer machen

Schlauer, schneller, sparsamer: Künstliche Intelligenz gilt auch in der Autobranche als neue Wunderwaffe. Sie soll in ein paar Jahren das autonome Fahren in großem Stil ermöglichen. Außerdem setzt die Branche darauf, dass kluge Computer die Entwicklung schneller machen, die Produktion effizienter, die Rendite höher.

An Bord soll dank digitaler Dienste eine Art Super-Beifahrer entstehen, der hilft, warnt, organisiert und vorausdenkt. "Mit künstlicher Intelligenz lässt sich das Autofahren personalisieren", sagt Gabriel Seiberth von der Beratungsfirma Accenture. Der Start-up-Unternehmer Holger Weiss, der mit einem nachrüstbaren Sprachassistenten Audi, Mercedes oder BMW Konkurrenz machen will, geht noch weiter: "Das Fahrzeug wird zum Gefährten, zum Freund."

Die Liste der möglichen Assistenzfunktionen ist lang: Sitz oder Spiegel einstellen, Musik passend zu Stimmung oder Anlass abspielen, erwünschte Anrufe annehmen und Telefonnummern wählen, Nachrichten vorlesen und Antworten verschicken, je nach Ziel im Online-Kalender Wegbeschreibungen und Verkehrsinformationen liefern, vor Glatteis wie vor Geisterfahrern warnen, einen Tisch reservieren oder das Smart Home steuern. Die Basis für das, was das Auto künftig von allein kann, sind frühere Entscheidungen des Fahrers in gleichen oder ähnlichen Situationen. In der Fülle dieser Daten erkennt die künstliche Intelligenz bestimmte Muster und zieht Schlüsse: Sie lernt.

Auto hinkt Smartphone hinterher
"Die Kunden sind vom Smartphone digitale Assistenten und Dienste gewöhnt und erwarten das auch vom Auto", sagt Experte Seiberth. Etwa bei der Navigation: "Warum weiß mein Handy, wo ich hin will, und mein Auto nicht?" Das Smartphone lerne derzeit noch schneller. Beim Telefon ist zudem dank Siri & Co. die Sprachsteuerung - eines der bekanntesten Anwendungsfelder von KI - seit Jahren selbstverständlich. Ins vernetzte Heim ziehen derzeit immer mehr digitale Diener ein. Das Auto hinkte im Vergleich lange Zeit hinterher.

Nach Vorreiter Ford haben daher auch Branchenschwergewichte wie Mercedes, BMW oder VW zuletzt angekündigt, in ihren Fahrzeugen verstärkt auskunftsfähige Assistenten zum Einsatz zu bringen. Der Autosoftware-Spezialist Elektrobit, eine Tochter des Zulieferers Continental, will eine führende Rolle dabei einnehmen, Amazons Alexa an Bord verschiedenster Modelle zu bringen. Laut Philipp Kinzler von der Managementberatung Goetzpartners könnte das Auto künftig zur "fahrenden Siri" werden. Sie weiß nicht nur, wo es langgeht, sondern immer besser auch, was ihr Besitzer will. Hat er etwa den Kofferraum voller Einkäufe, kann der digitale Diener gleich ein paar Rezepte vorschlagen.

"Wir werden in den nächsten fünf, sechs Jahren den Durchbruch dieser Assistenten sehen", glaubt Digitalunternehmer Weiss, einer der Gründer von "German Autolabs". Das Berliner Start-up will im Sommer einen digitalen Beifahrer auf den Markt bringen: ein flaches, rundes Gerät für die Windschutzscheibe. Es soll vor allem Kunden ansprechen, die viel fahren und mit den Assistenzfunktionen ihrer Oberklasse-Wagen nicht zufrieden sind. 60 Prozent der Fahrer mit einem Navigationssystem im Auto nutzten lieber ihr Smartphone, weil es leichter zu bedienen sei, sagt Weiss. Stimm- und Gestensteuerung machten die Benutzung einfacher. Nach Jahrzehnten der Forschung habe die Spracherkennung mithilfe von KI in den vergangenen fünf Jahren einen signifikanten Sprung gemacht. Schaffte ein Computer lange nur eine Trefferquote von 60 bis 65 Prozent, seien es inzwischen rund 90 Prozent.

Befehle nicht mehr nötig
Außer Wörtern und Sätzen müsse ein digitaler Assistent auch Zusammenhänge und die Intention des Sprechers verstehen, sagt Michael Bruss vom Start-up SemVox. Das Saarbrücker Unternehmen ist auf künstliche Intelligenz und Mensch-Maschine-Dialog spezialisiert und hat etwa den Audi A8 mit Technik ausgerüstet. Klagt der Fahrer zum Beispiel über Hitze, schließt der smarte Beifahrer daraus, dass die Temperatur im Auto gesenkt werden muss. Ein konkreter Befehl, die Klimaanlage entsprechend einzustellen, ist dazu nicht mehr notwendig. „Sagen, was man will, wie man es will“, in 30 verschiedenen Sprachen und sogar Dialekten, verspricht der Zulieferer Bosch für seinen neuen Assistenten fürs Auto. Den digitalen Beifahrer kann man dann auch nennen, wie man will. Start-up-Unternehmer Weiss hat seinem eigenen Gerät den Namen Chris gegeben - nach dem heiligen Christophorus, Schutzpatron der Reisenden und Autofahrer.

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