Noch 1 Glas im Umlauf

Erpressung! Polizei bestätigt schlimmen Verdacht

Österreich
20.04.2026 15:24
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Kriminalpolizei Ingolstadt in Bayern hat am Montagnachmittag offiziell Ermittlungen wegen Verdachts der versuchten Erpressung des deutschen Babykostherstellers HiPP bestätigt. Ein Glas mit Rattengift könnte in Österreich mutmaßlich noch in Umlauf sein.

„Die Kriminalpolizei Ingolstadt führt unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Ingolstadt ein Verfahren wegen Verdachts der versuchten Erpressung zum Nachteil des in Pfaffenhofen an der Ilm ortsansässigen Babynahrungsmittelherstellers Hipp gegen Unbekannt“, teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mit. Auch auf der Internetseite hipp.at war nun dezidiert von einem „Erpressungs- und Manipulationsfall“ zu lesen.

Bei dem Rückruf von Hipp-Beikost-Gläschen bei Spar Österreich handle es sich „nicht um einen Produkt- oder Qualitätsmangel unsererseits. Die Gläschen haben unser Hipp-Werk in einwandfreiem Zustand verlassen. Der Rückruf steht in Verbindung mit einem von den Behörden untersuchten kriminellen Akt“, betonte das Unternehmen.

Die Infografik zeigt betroffene Länder durch Rattengift in Hipp-Gläsern: Österreich, Tschechien und Slowakei. In Österreich wurde ein Glas in einer Spar-Filiale in Eisenstadt sichergestellt. Der Firmensitz von Hipp liegt in Deutschland. Es gibt Empfehlungen zur Überprüfung der Gläser: weißer Aufkleber mit rotem Kreis am Boden, beschädigter Deckel, fehlender Sicherheitsverschluss und ungewöhnlicher Geruch. Bei Symptomen wie Blutungen oder extremer Schwäche wird geraten, sofort Hilfe zu suchen. Bisher ist die Sorte 'Karotten mit Kartoffeln 190 Gramm' betroffen. Quelle: APA.

In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden seither insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser vor dem Verzehr sichergestellt. Ein Glas mit Rattengift könnte in Österreich mutmaßlich noch in Umlauf sein, hieß es in der Aussendung. Nach dem Rückruf von HiPP-Babynahrung hatte Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) am Montag weiterhin zur Vorsicht aufgerufen.

Die österreichischen Behörden suchen weiterhin intensiv nach dem zweiten, möglicherweise kontaminierten Glas. Am Sonntag wurden umliegende Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen deswegen kontaktiert, am Montag dann zusätzlich auch Kindergärten und -gruppen. 

Die Suche wurde schließlich auf umliegende Gemeinden ausgeweitet, um dort Eltern von Kleinkindern über die potenzielle Gefahr zu informieren und das zweite Glas aus dem Verkehr zu ziehen. Zudem wurden am Sonntag die ungarischen Behörden über den Sachverhalt informiert, da das Glas eventuell auch von im dortigen Grenzgebiet ansässigen Personen erworben hätte werden können.

Das am Samstag in Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) sichergestellte Gläschen, dessen Inhalt bei einer Untersuchung positiv auf Rattengift getestet wurde, war bei Spar in Eisenstadt gekauft worden. Auch das zweite Produkt, das sich noch im Umlauf befindet, soll aus diesem Supermarkt stammen.

Auf dieses Geschäft dürfte sich auch ein Hinweis an die Ermittler bezogen haben, der nach anfänglichen Erhebungen in Deutschland auf behördlichem Weg zur heimischen Polizei gelangt war. In Tschechien und der Slowakei wurden ebenfalls markierte Gläser polizeilich sichergestellt. Die betroffenen Gläser sollen einen weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden haben.

Oberösterreich laut Polizei nicht betroffen
Deutsche Medienberichte, wonach neben dem Burgenland auch in Oberösterreich nach vergifteten HiPP-Gläschen gesucht wird, wurden indes dementiert. Das Landeskriminalamt sei „involviert und in Kenntnis“ sowie „in Abstimmung mit anderen Bundesländern“, sagte Jasmin Reiter, Leiterin des Büros Öffentlichkeitsarbeit der Landespolizeidirektion Oberösterreich. Es gebe jedoch keine konkreten Ermittlungen im Bundesland. Bisher sei in Oberösterreich kein Fall eines vergifteten Gläschens aufgetreten.

Polizei bittet um Hilfe

Hinweise nimmt die Polizei weiterhin unter +43 59133 10 3333 entgegen.

Grüne fordern zentrale Hotline
„Gerade in solchen Situationen dürfen Eltern mit ihren Sorgen nicht allein gelassen werden“, reagierte Grünen-Konsumentenschutzsprecherin Alma Zadić in einer Aussendung. „Es braucht eine zentrale Anlaufstelle im zuständigen Ministerium – eine Hotline, die rasch Hilfe, verlässliche Informationen und konkrete Hinweise bietet und vor allem im Umgang mit betroffenen Produkten Auskunft gibt“, forderte sie.

Ex-Ermittler Geiger: Erpresser wollen Druck aufbauen
Ernst Geiger, der ehemalige Leiter im Bundeskriminalamt der Abteilung Ermittlungen, Organisierte und Allgemeine Kriminalität, stellte im Ö1-„Mittagsjournal“ zu einem möglichen Erpressungsversuch fest, dass dahinterstehende Täter bei früheren derartigen Fällen mit wenigen kontaminierten Produkten Druck aufbauten, weil sie „Geld machen“ wollen. Die Absicht, jemanden zu vergiften, sei in vergangenen Fällen nicht die primäre Motivation gewesen. Zum aktuellen, grenzüberschreitenden Einsatz bemerkte er, dass eine internationale Zusammenarbeit der Ermittlungsbehörden inzwischen „fast das tägliche Brot“ der Polizeiarbeit sei.

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