Mo, 20. August 2018

„Kontraproduktiv“

08.02.2018 06:25

Handel kritisiert Aus für Geoblocking

Des einen Freud, des anderen Leid: Während sich viele Konsumenten über die geplanten Erleichterungen beim grenzüberschreitenden Online-Shopping freuen dürften, hält sich die Begeisterung seitens der Wirtschaftstreibenden in Grenzen. Für "KMU-feindlich und kontraproduktiv" hält etwa Martin Sonntag, WKÖ-Obmann für den Versand-, Internet- und allgemeinen Handel, die vom EU-Parlament beschlossene Geoblocking-Verordnung.

Handelsobmann Peter Buchmüller findet, dass es jedem Händler überlassen werden muss zu entscheiden, wem er Waren verkauft und wem nicht. Die Branchenvertreter kritisierten am Mittwoch in einer Aussendung "das Anwachsen von Bürokratie und überbordenden Verbraucherschutzbestimmungen".

Bisher können Online-Händler mit Hilfe des Geoblocking den Zugang zu bestimmten Bestellseiten verweigern, wenn die Kunden in einem anderen Staat ansässig sind oder im Ausland ausgestellte Kreditkarten benutzen. Oft werden sie dann automatisch auf Seiten in ihrem Land umgeleitet, wo die Preise womöglich höher sind. Davon profitieren vor allem die großen Online-Shops, die in den unterschiedlichen EU-Staaten unterschiedliche Preise durchsetzen.

Filme, Musik und Bücher ausgenommen
Die Neuregelung soll sicherstellen, dass Kunden beim Online-Shopping nicht mehr wegen ihres Wohnortes oder eines vorübergehenden Aufenthaltsorts diskriminiert werden. Auch sollen für Internet-Kunden im Ausland die gleichen Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelten wie für ortsansässige Kunden. Dies gilt für den Kauf von Waren wie Kleidung und Möbel sowie für Dienstleistungen wie das Mieten einer Ferienwohnung oder eines Leihwagens. Ausgenommen sind urheberrechtlich geschützte Güter, etwa Filme, Musik, oder Bücher.

Kein Lieferzwang
Die Vertreter der Wirtschaftskammer sehen den österreichischen Online-Handel damit unter Druck. Viele Händler würden sich einen Verkauf im Netz nun zweimal überlegen, erwartet Sonntag. Als Lichtblick wird gewertet, dass von einem Lieferzwang abgesehen wurde. Wer also beispielsweise in Österreich online ein Möbelstück aus Frankreich kauft, muss dieses gegebenenfalls selbst abholen oder die Lieferung über eine Spedition organisieren.

 krone.at
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