25.03.2004 11:04 |

MS-Rekordstrafe

EU: Microsoft muss 497 Mio. Bußgeld zahlen

Die EU-Kommission hat am Mittwoch in Brüssel Microsoft wegen Markt-Missbrauchs mit einem Rekord-Bußgeld von 497,2 Millionen Euro bestraft. Dies ist die höchste Einzelsumme, die jemals in Brüssel von einem Unternehmen eingefordert wurde. Der Software-Gigant hat Gegenklagen angekündigt.
Der weltgrößte Softwarekonzern habeseine beherrschende Stellung bei Betriebssystemen für Personalcomputer(PC) ausgenutzt und damit EU-Wettbewerbsrecht verletzt, entschieddie Kommission nach eigenen Angaben.
 
Auflagen für mehr Wettbewerb
Die EU-Behörde verpflichtete Microsoft zur Änderungvon Geschäftspraktiken. Brüssel gab dem Konzern 90 TageZeit, Computerherstellern auch eine "Windows"-Version anzubieten,die nicht mit dem so genannten Mediaplayer zum Abspielen von Multimediaprogrammengekoppelt ist. Damit sollten Konkurrenten wie Apple bessere Marktchancenbekommen.
 
Microsoft bekam 120 Tage Zeit, bei Betriebssystemenfür Netzwerkrechner (Server) technische Angaben zu den Schnittstellenoffen zu legen. Dies soll für mehr Wettbewerb sorgen.
 
Microsoft hatte bereits eine Klage gegen den Beschlussangekündigt. Strafgelder würden häufig von denGerichten vermindert, hieß es in einer Stellungnahme desKonzerns aus Redmond im US-Bundesstaat Washington.
 
Verhandlungen gescheitert
Die Verhandlungen von Monti und Konzernchef SteveBallmer waren in der vergangenen Woche gescheitert. Die EU-Kommissionwarf dem Konzern in einer seit knapp vier Jahren laufenden Untersuchungvor, seine beherrschende Stellung bei PC-Betriebssystemen unterUmgehung der Wettbewerbsvorschriften auf andere Bereiche auszudehnen.
 
Kommission gegen Mediaplayer
Die Kommission will Microsoft auffordern, fürComputerhersteller auch eine Windows-Version anzubieten, die nichtmit dem Mediaplayer zum Abspielen von Multimediaprogrammen gekoppeltist. Konkurrenten wie Real oder Apple hätten damit verbesserteChancen.
 
Gates wird nicht arm
Das Bußgeld ist trotz der Höhe fürMicrosoft durchaus verkraftbar: Der Gigant hatte zum 31. Dezembervergangenen Jahres rund 52,8 Milliarden Dollar (43 Mrd Euro) anliquiden Mitteln und kurzfristigen Investments in der Kasse.
 
Jahrelanges Verfahren
Die Anlaufstation für eine Klage von Microsoftwäre das EU-Gericht Erster Instanz in Luxemburg. Der Softwareherstellermüsste in einer gesonderten Prozedur beantragen, dass dieUmsetzung der Wettbewerbsauflagen der Kommission ausgesetzt wird.Verfahren in Luxemburg können sich über Jahre hinziehen.
Montag, 17. Mai 2021
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