Trotz Finanzkrise

So blüht die Schattenwirtschaft im Internet

Web
25.11.2008 17:17
Die Schattenwirtschaft im Internet blüht trotz Rezession: Von Anfang Juli 2007 bis Ende Juni 2008 haben Cyberkriminelle untereinander Geschäfte für rund 276 Millionen Dollar (219 Millionen Euro) abgewickelt, zeigt der am Montag präsentierte "Report on the Underground Economy" des Sicherheitssoftware-Herstellers Symantec. Am häufigsten handeln die Internetgauner demnach mit Kreditkarteninformationen und Kontonummern bzw. Kontozugangsdaten in einschlägigen Chats und Foren. Gestohlene Kreditkartendaten gehen dabei schon für 10 Cent über den virtuellen Ladenstisch. Der potenzielle Schadenswert aller im Report erfassten Deals beträgt rund sieben Milliarden Dollar.

Eine gestohlene Kreditkarte kostet bei einem durchschnittlichen Limit von etwa 4.000 Dollar zwischen zehn und 25 Dollar, sagte der Symantec-Virenforscher Candid Wüest. US-Kreditkarten seien billiger als europäische, weil es von letzteren weniger gibt. In den vergangenen Jahren sei es zu einem wahren Preisverfall bei den Geschäften zwischen Cyberkriminellen gekommen. 

Der potenzielle Schadenswert sämtlicher auf "Untergrund-Servern" angebotenen Kreditkarten liegt laut Symantec bei 5,3 Milliarden Dollar. Kontoinformationen sind zwischen zehn und 1.000 Dollar zu haben. Die Offerte des am aktivsten beobachteten Händlers waren theoretisch 6,4 Millionen Dollar wert. Die meistverkauften Waren waren Bankkonto-Daten (18 Prozent), Kreditkarten-Daten inklusive Prüfziffer (16 Prozent), Kreditkarten-Daten (13 Prozent), E-Mail-Adressen sowie E-Mail-Passwörter (je 6 Prozent). 

Austausch über Chats und Foren
Die Cyberkriminellen kommunizieren meist über herkömmliche Internet Relay Chats (IRC) oder über Foren und Diskussionsgruppen. Während des Beobachtungszeitraums machte Symantec 69.130 verschiedene Anbieter und 44,3 Millionen Nachrichten aus. Die IRC-"Untergrund-Server" verteilten sich ähnlich wie legitime Rechner. Die meisten (45 Prozent) stehen in Nordamerika, 38 Prozent befinden sich in Europa und im Nahen Osten und 12 Prozent in Asien. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Servers beträgt zehn Tage. Beim Zahlungsfluss benutzen Cyberkriminelle meist schwer verfolgbare Methoden. Am beliebtesten sind Online-Währungsdepots (63 Prozent). Auch der Warentausch ist verbreitet (24 Prozent), da es hier keine Gebühren oder Mittelsmänner gibt.

Geregelte Urlaubszeiten für Cyberkriminelle
Cyberkriminelle agieren auch im Hinblick auf Arbeitsteilung und Personalbeschaffung äußerst professionell. Der Report identifizierte etwa Gruppen in Nordamerika, die sich von Osteuropäern mit Kreditkarten versorgen lassen, mit denen dann Bargeld behoben wird. Die Stellenanzeigen für Entwickler betrügerischer Mails ("Scam") unterscheiden sich nicht von herkömmlichen Job-Inseraten. Mitunter gebe es sogar Arbeitsverträge, in denen der Urlaub geregelt ist. Die Cyberkriminellen-Szene weise mitunter auch Verbindungen zum "normalen" organisierten Verbrechen auf, so Wüest. "Das Geld muss reingewaschen werden."

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