Dieser soll nun zu einem raschen Erfolg führen: Bis 2016 will Media- Saturn rund fünf Milliarden Euro im Internet- Geschäft erlösen. Um die dafür nötige Strategie hatte es lange Debatten zwischen Management, Alteignern und der Konzernmutter Metro gegeben. Saturn setzt nun auf eine "Multichannel"- Taktik, um Platzhirschen wie Amazon die Stirn bieten zu können.
Media Markt und Saturn hatten durch Großmärkte auf der grünen Wiese ein neues Geschäftsmodell für die Elektro- Branche entwickelt und damit über Jahre rasante Wachstumsraten verzeichnet. 235 Saturn- Märkte gibt es mittlerweile in Europa. Doch zuletzt schrillten die Alarm- Glocken: Im zweiten Quartal rutschte Media- Saturn in die Verlustzone, der operative Fehlbetrag (Ebit) vor Sonderfaktoren betrug 44 Millionen Euro.
Nun geht Saturn im Internet mit einem eigenen Shop an den Start, Anfang 2012 soll Media Markt folgen. "Es mag ja spät sein - aber nicht zu spät", sagt Haas. Der Manager hofft, dass eine enge Verzahnung zwischen Webshop und lokalen Märkten die Kunden auf die Saturn- Internetseiten lockt und zum Kauf verführt.
Sie können zunächst unter rund 2.500 Artikeln wählen, das Angebot soll aber noch ausgebaut werden. Die Kunden könnten im Internet kaufen und die Waren - bei entsprechender Verfügbarkeit - noch am selben Tag in einem der Saturn- Märkte in ihrer Nähe abholen oder sich im Markt beraten lassen und dann via Internet ordern, so Haas.
Unzufriedene Online- Kunden können ihre Bestellungen zudem in einem der Saturn- Märkte umtauschen. Saturn biete damit Möglichkeiten, die kein anderer reiner Online- Shop bieten könne, wirbt Haas mit Blick auf Wettbewerber wie Amazon. Vor allem im wichtigen Weihnachtsgeschäft könne es ein Vorteil sein, wenn die Kunden rasch und versandkostenfrei an ihre Waren kommen könnten. Und auch die Marktleiter hat die Kette in ihr Modell eingebunden - diese sollen anteilig an den Gewinnen beteiligt werden.
Media- Saturn hatte lange um eine Antwort auf die Herausforderung Internet gerungen. Ein Grund dafür ist die dezentrale Struktur der Märkte, bei denen die Marktleiter große Mitspracherechte auch bei der Preissetzung haben. Unter anderem wurde ein Modell geprüft, für einzelne Märkte eigene Online- Shops anzulegen - dies wurde Insidern zufolge aber verworfen, da ein Preis- Chaos befürchtet wurde.
Die langen Debatten sind auch einer der Gründe dafür, dass Mehrheitseigner Metro die umfassenden Veto- Rechte der Alteigner bei Europas größtem Elektronik- Händler aushebeln will. Der Streit darüber wird am Dienstag vor dem Landgericht Ingolstadt fortgesetzt.