15-Jährige erstochen

NL: Mordkomplott nach Facebook-Verleumdung

Web
21.08.2012 09:27
Weil sie auf Facebook böse Gerüchte über ihre Freundin verbreitet hat, soll eine 15-jährige Niederländerin ermordet worden sein. Der sogenannte Facebook-Mord erschütterte im Jänner die Niederlande. Seit Montag müssen sich der gleichaltrige geständige Täter sowie zwei weitere Jugendliche, die ihn zu dem Mord angestiftet haben sollen, in Arnheim vor Gericht verantworten.

Begonnen hatte alles mit einer Verleumdung auf Facebook: Das Opfer, die 15 Jahre alte Joyce Winsie Hau, hatte in dem sozialen Netzwerk das Gerücht verbreitet, dass ihre Freundin Polly W. mit mehreren Burschen "zügellose" sexuelle Kontakte habe, wie die Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt erklärte. Die 16-Jährige wollte sich daraufhin rächen.

Gemeinsam mit ihrem Freund, dem 17-jährigen Wesley C., plante sie laut einem Bericht der niederländischen Nachrichtenwebsite "DutchNews" den Mord und stachelte den zum damaligen Zeitpunkt erst 14-jährigen Jinhua K. für die Gegenleistung von 20 Euro zu der Tat an. Als dieser sich anfangs weigerte, drohte das junge Pärchen, stattdessen ihn umzubringen.

Letztlich willigte Jinhua ein. Von seinen Auftraggebern erhielt er die Adresse seines Opfers sowie die Uhrzeiten, zu denen sich Joyce voraussichtlich zu Hause aufhielt. Am 14. Jänner suchte er sie dort auf und stach mehrmals mit einem Messer auf sie ein. Ihren zur Hilfe eilenden Vater verletzte der Jugendliche schwer an der Wange. Joyce erlag wenige Tage später im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Angeklagtem droht bis zu ein Jahr Haft
Dem Angeklagten droht die Höchststrafe für jugendliche Straftäter von einem Jahr Gefängnis und Zwangstherapie. Bei der ersten Anhörung am Montag erklärte er, dass es ihm "enorm leid tut". Am Dienstag müssen sich die mutmaßlichen Anstifter des Mordes verantworten. Ein Urteil wird für den 3. September erwartet.

Öffentlicher Prozess
Der sogenannte Facebook-Mord hatte die Menschen in den Niederlanden erschüttert. Wohl auch deshalb beschlossen die drei zuständigen Jugendrichter, das Verfahren – anders als sonst üblich – öffentlich auszutragen. Es sei wichtig, dass die Öffentlichkeit die Fakten darüber kenne, welche Rolle soziale Medien in dem Fall gespielt haben, argumentieren sie.

Auch Chun Took, der Vater der ermordeten Joyce, mahnte vor dem Prozess in niederländischen Medien: "Die Gefahren durch Chatten und Online-Netzwerke werden unterschätzt." Die Welt habe sich durch das Internet verändert, viele Kinder seien noch zu jung für soziale Medien oder Smartphones und die damit einhergehenden Gefahren.

Joyce soll nicht umsonst gestorben sein
Er hofft, die Menschen durch den Prozess "wachrütteln" und für die Thematik sensibilisieren zu können, und plädiert etwa dafür, an Schulen verstärkt über die Gefahren sozialer Medien aufzuklären. "Ich möchte, dass der Tod meiner Tochter auch für andere Menschen noch Bedeutung haben kann", sagte er.

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