Israels Armee hat am Sonntag neue Evakuierungsaufrufe für Ortschaften im Südlibanon herausgegeben. Das Militär gehe gegen die Hisbollah vor, nachdem diese gegen das Waffenstillstandsabkommen verstoßen habe, hieß es. Unterdessen sorgten Berichte über Plünderungen durch israelische Streitkräfte für Aufsehen.
Die israelische Zeitung „Yedioth Ahronot“ zitierte einen namentlich nicht genannten Reservisten, der berichtete, er habe mehrere Fälle von Plünderungen im Libanon erlebt. „Wir trafen an der Grenze viele Reserveeinheiten, sie nahmen einfach alles mit – Waffen, Souvenirs, Schmuck, Decken, Bilder“, berichtete der Soldat. In einem anderen Fall habe er erlebt, wie ein israelischer Kommandant Streitkräfte daran gehindert habe, Raubgut nach Israel mitzunehmen. Soldatinnen und Soldaten sollen laut Berichten private Häuser und Geschäfte im Libanon geplündert haben, deren Einwohnerinnen und Besitzer vor den Kämpfen geflohen waren. Bereits im Gaza-Krieg hatte es ähnliche Medienberichte gegeben.
„Das Phänomen der Plünderungen, falls es existiert, ist verwerflich und kann die gesamte Armee in Verruf bringen. Wenn es solche Vorfälle gegeben hat, werden wir sie untersuchen. Wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen“, sagte Israels Generalstabschef Eyal Zamir vor knapp einer Woche. Er wies die zuständigen Kommandanten an, einen ausführlichen Bericht zu den Plünderungen vorzulegen. Gebe es Hinweise auf Vergehen, sollten diese strafrechtlich von der Militärpolizei behandelt werden.
Das Phänomen der Plünderungen, falls es existiert, ist verwerflich und kann die gesamte Armee in Verruf bringen.
Eyal Zamir, Israels Generalstabschef
Feuerpause seit Mitte April
Im Libanon gilt seit dem 17. April eine Feuerpause. Israels Militär und die Hisbollah setzen ihre gegenseitigen Angriffe jedoch fort. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, lehnt sowohl eine Waffenruhe als auch direkte Gespräche der libanesischen Regierung mit Israel ab. Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden.
Jeder Mensch, der sich in der Nähe von Hisbollah-Kämpfern oder -Einrichtungen aufhalte, könnte in Gefahr sein, warnte das israelische Militär jetzt. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete eine Reihe israelischer Angriffe im Süden des Libanons. Darunter waren demnach auch Städte, die nicht in den Evakuierungsaufrufen genannt wurden.
Laut einer Hilfsorganisation soll unter anderem ein griechisch-katholisches Kloster attackiert worden sein. Die Organisation L‘Oeuvre d‘Orient erklärte, sie verurteile „aufs Schärfste diesen vorsätzlichen Akt der Zerstörung einer Kultstätte sowie den systematischen Abriss von Häusern im Süden des Libanons, der darauf abzielt, die Rückkehr der Zivilbevölkerung zu verhindern“.
Das israelische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück. Die vom Ministerium als „Kloster“ beschriebene Stätte sei nicht zerstört worden, hieß es auf der Plattform X, sondern „unversehrt und sicher“. Dazu wurde das Bild eines zweistöckigen Gebäudes veröffentlicht.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.