Die österreichische Schauspiel-Legende Erni Mangold ist tot. Die gebürtige Niederösterreicherin sei in der Nacht auf Samstag in einem Wiener Altersheim „eingeschlafen“, teilte Mangolds Agent Klaus Kelterborn mit.
Die Charakterdarstellerin, die sich selbst als „Theatervieh“ bezeichnete, aber auch durch ihre Rollen in Film und Fernsehen - von Peter Patzaks „Kassbach“ (1979) bis „Kottan ermittelt“ – große Bekanntheit erlangte, wurde 99 Jahre alt.
Resolute Charakterdarstellerin
Über sieben Jahrzehnte prägte Mangold in Österreich Theater, Film und Fernsehen. Unvergessen bleiben ihre unverwechselbare Stimme, ihr schnoddriges Mundwerk und eine Wahrhaftigkeit, die man nicht spielen konnte. Auf der Bühne war sie eine Klasse für sich, als resolute Charakterdarstellerin ebenso wie in skurrilen Rollen. 2017 nahm sie in der Josefstadt Abschied von der Bühne, jener Bühne, auf der sie 1946 ihr Debüt gefeiert hatte.
Debüt an der Josefstadt
Geboren wurde Mangold am 26. Jänner 1927 in Großweikersdorf (Niederösterreich) in eine kunstliebende Familie, war der Vater doch nebenberuflich als Maler tätig, die Mutter passionierte Pianistin. Nur folgerichtig, dass es auch die junge Ernestine in die Kultur zog. Nach der Ausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss spielte sie nach ihrem Debüt von 1946 schließlich bis 1956 an der Josefstadt. Wie sie dabei einerseits als „Sexerl“ Karriere machte, andererseits ihre Abwehrtechniken bei den häufigen Zudringlichkeiten („Die Männer waren hinter mir her, dass es ein Graus war“) verfeinerte und sich dennoch an der Seite von Helmut Qualtinger oder Ernst Haas mit Verve ins Wiener Nachtleben stürzte, schilderte sie in ihrem Erinnerungsbuch „Lassen Sie mich in Ruhe“ ausführlich.
1956 ging sie dann für acht Jahre ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg unter Gustaf Gründgens, danach ans Düsseldorfer Schauspielhaus unter Karlheinz Stroux. Zwischen 1965 und 1972 folgten weitere Engagements in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Parallel dazu entdeckte Mangold ihre Liebe zum „alternativen“ Theater. So trat sie etwa in der Wiener Kulisse auf, ehe sie 1981 von Hans Gratzer ans Wiener Schauspielhaus geholt wurde, später war sie die Entdeckerin des Dramatikers Werner Schwab.
Neben eher klassischen Charakteren wie der Marthe Schwerdtlein im „Faust“, der Lady Macbeth oder der Frau Muskat im „Liliom“, empfahl sich Mangold auch als grandiose Spezialistin für Skurriles wie in „Arsen und alte Spitzen“ oder für eigenwillige Kunstfiguren wie das alterslose „Schneewittchen“ in Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“. Auch ihr Bühnenabschied mit der Bühnenadaption des Filmklassikers „Harold und Maude“ fällt in diese Kategorie.
Vom „Engel mit der Posaune“ bis „Before Sunrise“
Neben ihrer Bühnenlaufbahn hat Mangold in weit über 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt, darunter Karl Hartls „Der Engel mit der Posaune“ (1948), O.W. Fischers „Hanussen“ (1955), Peter Patzaks „Kassbach“ (1979) oder Richard Linklaters „Before Sunrise“ (1995). Eine Institution wurde die Schauspielerin, die 20 Jahre mit ihrem Schauspielkollegen Heinz Reincke verheiratet war, auch als Lehrerin. Sie unterrichtete am Salzburger Mozarteum, der Wiener Schauspielschule Krauss und am Max Reinhardt Seminar, wo sie ab 1974 – zwischen 1983 und 1995 als ordentliche Hochschulprofessorin – den Nachwuchs heranzog.
Erni Mangold war eine Institution. Eine Künstlerin mit Ecken und Kanten, die sich nie verbiegen ließ. Ihr Talent, ihre Kraft und ihr ganz eigener Humor werden fehlen. Ruhe in Frieden, Erni Mangold.
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