Greenpeace alarmiert

Tonnen verseuchtes Brasilien-Rind in EU entdeckt

Außenpolitik
27.02.2026 11:20

Ein Lebensmittelskandal sorgt in der EU für Alarmstimmung: Offenbar ist belastetes Rindfleisch aus Brasilien in den europäischen Handel gelangt – und das trotz wiederholter Zusicherungen von Mercosur-Befürwortern, die Importkontrollen seien streng und lückenlos. Nun steht der Verdacht im Raum, dass genau diese Schutzmechanismen versagt haben könnten.

Nach Behördenangaben wurden vier Lieferungen mit insgesamt rund 62.781 Kilogramm brasilianischem Rindfleisch entdeckt, die mit dem in der EU verbotenen Wachstumshormon Estradiol belastet gewesen sein sollen. Das Hormon wird in der Tiermast eingesetzt, ist in Europa jedoch wegen möglicher Gesundheitsrisiken strikt untersagt.

Besonders brisant: Ein erheblicher Teil der Ware wurde bereits an mehrere Käufer weiterverkauft und damit in den EU-Markt eingeschleust. Zwei weitere Chargen mit jeweils rund 25 Tonnen gefrorenem Fleisch konnten von niederländischen Behörden rechtzeitig gestoppt und für den Vertrieb gesperrt werden.

Tonnen von verseuchtem Fleisch sind offenbar im Umlauf.
Tonnen von verseuchtem Fleisch sind offenbar im Umlauf.(Bild: isavira - stock.adobe.com)

Österreich ist nicht betroffen
Die Warnmeldungen zu den betroffenen Lieferungen sollen laut Behörden bereits im Vorjahr an mehrere EU-Staaten ergangen sein, nachdem Unregelmäßigkeiten bei Kontrollen festgestellt worden waren. Bis Jänner wurden Spuren der belasteten Ware in rund zehn Ländern entdeckt, darunter Deutschland, Italien und Tschechien. In mehreren Staaten wie Polen wurden daraufhin zusätzliche Inspektionen angeordnet, um mögliche Restbestände aufzuspüren. Österreich und dessen vorbildliche Lebensmittelhändler sind nicht betroffen.

In der Landwirtschaft sorgt der Fall für massive Empörung. Paul Nemecek, Direktor des NÖ Bauernbundes, kritisiert, dass europäische Bauern strengste Auflagen erfüllen müssten, während in die EU importierte Produkte aus Brasilien offenbar nicht denselben Kontrollen standhalten. Das untergrabe Wettbewerbsgleichheit und Verbrauchervertrauen zugleich.

Mercosur-Kritiker fühlen sich bestätigt
Auch politisch gewinnt der Fall an Sprengkraft. Greenpeace ortet einen demokratiepolitischen Skandal rund um das EU-Mercosur-Abkommen. Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay wird nämlich trotz einer noch ausstehenden Überprüfung durch den Gerichtshof der Europäischen Union in Kürze angewendet. Das kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Freitag in Brüssel an. Am Donnerstag hatten die beiden Uruguay und Argentinien das Abkommen ratifiziert und damit den Weg für diesen Schritt geebnet.

Kontrollen haben offenbar versagt.
Kontrollen haben offenbar versagt.(Bild: EPA/MATIAS MARTIN CAMPAYA)

Für Kritiker ist der aktuelle Fleischfund ein warnendes Signal: Schon im Jänner sollen EU-Kontrollen Auffälligkeiten festgestellt haben, dennoch wurde politisch weiter Druck gemacht, das Abkommen voranzutreiben. Der Fall könnte damit zum Symbol einer größeren Grundsatzfrage werden – ob Handelsinteressen schneller sind als Lebensmittelsicherheit. Denn wenn verbotene Hormone trotz Kontrollsystemen in Europa auftauchen, steht nicht nur ein Handelsabkommen auf dem Prüfstand, sondern das Vertrauen der Konsumenten selbst.

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