19.11.2007 12:08 |

Versteckter Code

Verschlüsselungssystem von NSA kontrolliert?

Der US-Geheimdienst NSA (National Security Agency) wird vom Sicherheitsexperten Bruce Schneier verdächtigt, einen unsicheren Algorithmus in den US-Standard für Zufallsgeneratoren eingeschleust zu haben, die weltweit in Tausenden Verschlüsselungssystemen zum Einsatz kommen. Dadurch, so der Sicherheitsguru, sei die NSA theoretisch in der Lage, all diese Systeme zu knacken.

Schneier vermutet, dass der Code aufgrund der Zertifizierung durch die US-Behörden vermutlich weltweit in kryptographischen Systemen zum Einsatz komme. Kontrolliert man den Zufallsgenerator, so kann man auch das gesamte Sicherheitssystem knacken, so der Sicherheits-Guru im Magazin "Wired".

Die Ermittlung von zufälligen Zahlen kann mit einem Computer nur simuliert werden, da er ausschließlich mit mathematischer Logik funktioniert. Daher kommen dafür so genannte Hash-Berechnungen zum Einsatz. Diese Berechnungen lassen sich nur schwer vorhersagen und werden somit als Zufall eingestuft. Prinzipiell besteht dabei aber auch die Möglichkeit, dass die Technik geknackt wird. Dies geschah bereits mehrere Mal in der Vergangenheit.

Der von Schneier kritisierte Code mit dem Namen "Dual_EC_DRBG" ist in der Publikation des National Institute for Standards and Technology neben drei weiteren Methoden enthalten. Laut dem Sicherheitsexperten unterscheidet sich dieser vor allem durch seine Geschwindigkeit, denn er sei deutlich langsamer. Dennoch habe sich die NSA für den Code eingesetzt und versuchte bereits zuvor, den Algorithmus beim Standardisierungsgremium einzubringen. Schneider bemängelt, dass der Code eine sehr geringe Bandbreite an Zufallswerten erzeugt. Zwar sei das noch kein wirkliches Problem, allerdings ein Anlass zur Sorge, schreibt der Experte.

Einen weiteren Hinweis lieferten die Kryptographie-Experten Dan Shumow und Niels Fergusion. Sie zeigten eine Schwachstelle auf, die man als Hintertür bezeichnen kann. "Dual_EC_DRBG" verwendet Formeln zu Berechnung einer Ellipse, die über Konstanten definiert wird. Diese sind in der Spezifikation zu finden. Nirgendwo ist allerdings ein Hinweis zu entdecken, woher diese konstanten Werte stammen. Die Kryptographen konnten jedoch nachweisen, dass die Konstanten in Bezug zu einem weiteren Zahlensatz stehen. Dieser ist zwar nicht bekannt, allerdings könne er als Generalsschlüssel benutzt werden, wodurch man die Zufallsergebnisse exakt vorhersagen könne, meint Schneier.

Nun gebe es zwar keinen Beweis dafür, dass die NSA tatsächlich im Besitz des nötigen Zahlensatzes ist. "Es ist jedoch verwunderlich, dass sich die NSA so vehement für den Algorithmus als Standard eingesetzt hat", merkt Schneier an. Wer einen Zufallsgenerator benötigt, soll daher nach Ansicht des Experten nicht auf "Dual_EC_DRBG" zurückgreifen. (pte)

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