Vor- und Nachteile

Mimikry: Wer andere nachahmt, macht sich beliebt

Leben
14.11.2017 12:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ob Kunstfälschung, plagiierte Doktorarbeit oder penetrantes Nachäffen unter Kindern: Nachmachen steht in keinem guten Ruf. Doch es kann auch Positives bewirken.

Wer andere beim Kennenlernen nachahmt, macht sich beliebt - zumindest beim eigenen Geschlecht. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Freien Universität Berlin und der Uni Leipzig. Demnach gibt es "soziale Chamäleons": Menschen, die andere besonders häufig nachahmen. "In unserer Studie konnten wir zeigen, dass dieses Nachahmungsverhalten zu einer höheren Beliebtheit dieser sozialen Chamäleons führte", erklärt die Psychologin Helén Liebermann.

Soziale Mimikry
In einer Analyse mit insgesamt 139 Teilnehmern untersuchten die Wissenschafter in nach Geschlechtern getrennten Kleingruppen, wie sich das unterbewusste Nachahmen von Verhaltensweisen, Körperhaltungen, Gesten, Gesichtsausdrücken oder Sprache - Fachbegriff: soziale Mimikry - auf das Kennenlernen auswirkt. Wie stark die Teilnehmer ihr Gegenüber beim Kennelernen nachahmten, werteten die Forscher anhand von Videomitschnitten aus. Im Versuch begegneten sich die Mitglieder der Kleingruppen zu kurzen Kennenlerngesprächen. Davor und danach sagten die Teilnehmer, wie sympathisch sie die jeweiligen Gesprächspartner fanden. Kandidaten, die ihre Gesprächspartner schon nach dem ersten Eindruck sympathisch fanden, übernahmen während des Gesprächs zudem häufiger Verhaltensweisen oder Ausdrücke.

Bindungen aufbauen durch unbewusstes Nachahmen
"Durch Mimikry teilen wir unbewusst mit, dass wir jemanden mögen und können damit unsere eigene Beliebtheit steigern", nennt Maike Salazar Kämpf den Grund für die Zunahme: Wer ohnehin schon Sympathie empfindet, lässt sich stärker auf sein Gegenüber ein. Unterbewusstes Nachahmen kann so anscheinend dabei helfen, Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Doch es hat auch Kehrseiten, wie Wissenschafter der Uni Leiden im niederländischen Enschede 2009 in einem Versuch herausfanden. Menschen, die andere nachahmen, können demnach von anderen leichter getäuscht werden.

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