Zu großer Star?

Nach Streit mit Vatikan: „Prosecco-Nonne“ gibt auf

Ausland
24.06.2026 13:22

Sie galt als „zu jung“, „zu schön“ und „zu oft in Medien“. Als der Vatikan die als „Prosecco-Nonne“ bekannt gewordene italienische Äbtissin Aline Pereira Ghammachi (41) absetzte, rebellierten Mitschwestern und flohen mit ihr aus dem Kloster. Jetzt ziehen die Ordensfrauen einen endgültigen Schlussstrich.

Was als interner Streit hinter Klostermauern begann, entwickelte sich zu einem der ungewöhnlichsten Kirchenskandale Italiens. Jetzt ist die Geschichte der sogenannten Prosecco-Nonnen um ein weiteres spektakuläres Kapitel reicher: Die Frauen haben ihre Ordensgelübde abgelegt und sind offiziell keine Nonnen mehr.

Im Mittelpunkt der Affäre steht die Brasilianerin Aline Pereira Ghammachi (41). Die studierte Betriebswirtin kam 2005 nach Italien und trat in das Zisterzienserkloster San Giacomo di Veglia bei Vittorio Veneto ein. 2018 wurde sie mit nur 34 Jahren zur jüngsten Äbtissin Italiens gewählt.

Bio-Prosecco produziert
Unter ihrer Führung veränderte sich das traditionsreiche Kloster grundlegend. Die Nonnen öffneten sich stärker nach außen, unterstützten Frauen in Notlagen und Menschen mit Autismus, betrieben einen Gemeinschaftsgarten und produzierten Honig, Aloe-Produkte, ätherische Öle und Bio-Prosecco aus den eigenen Weinbergen. Die wirtschaftlich angeschlagene Gemeinschaft wurde dadurch wieder erfolgreich.

Aline Pereira Ghammachi zu Besuch bei Papst Franziskus 2018
Aline Pereira Ghammachi zu Besuch bei Papst Franziskus 2018(Bild: Aline Pereira Ghammachi)

Für viele Gläubige war Aline ein frischer Wind in der katholischen Kirche. Jung, fotogen, medienerfahren und regelmäßig in Interviews präsent. Genau das soll ihr aber später zum Verhängnis geworden sein. Die Brasilianerin behauptete mehrfach, Kirchenvertreter hätten ihr vorgeworfen, sie sei „zu jung“, „zu schön“ und zu oft in den Medien. Statt hinter Klostermauern zu verschwinden, wurde die Ordensfrau zu einer kleinen Berühmtheit – sehr zum Missfallen ihrer Kritiker.

Vorwurf der Misshandlung
Doch hinter den Kulissen brodelte es bereits. Anfang 2023 ging beim Vatikan ein anonymes Schreiben ein. Darin wurden Aline Misshandlung von Mitschwestern, Machtmissbrauch und finanzielle Unregelmäßigkeiten vorgeworfen. Die Äbtissin bestritt sämtliche Anschuldigungen. Nach ihren Angaben wurden die Finanzen des Klosters überprüft, ohne dass sich die Vorwürfe bestätigt hätten. Dennoch leitete der Vatikan Untersuchungen ein.

Im April 2025 folgte schließlich der Paukenschlag: Das Kloster wurde unter kommissarische Verwaltung gestellt, Aline verlor ihr Amt als Äbtissin. Für ihre Unterstützer kam die Entscheidung völlig überraschend. Die Brasilianerin sprach später von einer Kampagne gegen ihre Person und einem Machtkampf hinter den Kulissen.

Nach der Absetzung ihrer Äbtissin Aline Pereira Ghammachi (vorne Mitte) verließen mehrere Nonnen ...
Nach der Absetzung ihrer Äbtissin Aline Pereira Ghammachi (vorne Mitte) verließen mehrere Nonnen das Kloster aus Protest. Nun haben einige auch ihre Ordensgelübde zurückgegeben.(Bild: Aline Pereira Ghammachi)

Die Absetzung löste eine regelrechte Revolte aus. Mehrere Nonnen stellten sich demonstrativ hinter ihre Oberin und verließen gemeinsam das Kloster. Die „flüchtigen Nonnen“ sorgten rasch für Schlagzeilen in ganz Italien. Während die Kirchenleitung auf die Untersuchungen verwies, beklagten die Frauen, ungerecht behandelt und ohne ausreichende Beweise verurteilt worden zu sein.

Ein Wohltäter stellte der Gruppe schließlich eine Villa aus dem 19. Jahrhundert in San Vendemiano zur Verfügung. Dort bauten die Frauen ihr Leben neu auf. Sie gründeten soziale Projekte, kümmern sich um Menschen mit Angststörungen und Depressionen und produzieren weiterhin Honig, Aloe-Produkte und ätherische Öle.

Nun folgt der endgültige Schlussstrich unter den jahrelangen Konflikt. Die ehemaligen Ordensfrauen beantragten selbst die Entbindung von ihren Gelübden. Der Vatikan stimmte zu. Damit sind sie offiziell keine Nonnen mehr und gehören keiner Ordensgemeinschaft mehr an.

„Für uns ist das ein glückliches Ende“, erklärte Aline in einer Videobotschaft. Man wolle weiterhin beten, Menschen helfen und christliche Werte leben – allerdings nicht mehr als Ordensfrauen.

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