Mo, 20. August 2018

Puppe hört mit

06.12.2016 09:20

"Spionin im Kinderzimmer": VKI warnt vor "Cayla"

Konsumentenschützer warnen vor der sprechenden Puppe "Cayla". Das interaktive Spielzeug verbindet sich über eine App mit dem Internet und kann dann, so das Versprechen des Herstellers Genesis Toys, Antworten auf Kinderfragen geben. Kritiker sehen darin allerdings ein Datenschutzrisiko und warnen vor der "Spionin im Kinderzimmer".

Die Puppe, seit mehr als zwei Jahren auf dem Markt, verfügt über Mikrofon, Spracherkennung, Netzwerkzugang und lässt sich über eine App steuern. Die norwegische Verbraucherorganisation Forbrukerradet kritisiert technische Sicherheitslücken und "bedenkliche" Datenschutzklauseln bis hin zur Verletzung der Privatsphäre und dem Vorwurf der Schleichwerbung.

Mit einem bluetoothfähigen Smartphone könne "jeder ganz leicht durch die eingeschaltete Puppe sprechen und auch alles in ihrem Umfeld mithören", weil die Verbindung völlig ungesichert sei. "Dieses Sicherheitsrisiko muss dem Unternehmen schon länger bekannt sein, denn es gibt genug Berichte im Internet, in denen von einem 'Hack' der Puppe berichtet wird, zum Beispiel in einem BBC-Beitrag von Jänner 2015. Geändert hat sich aber wenig", kritisierte Ulrike Docekal vom Verein für Konsumenteninformation.

Datenweitergabe an Dritte, Schleichwerbung
"Alles, was die Kinder der Puppe erzählen", werde an die US-Firma Nuance Communications übermittelt. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen AGB sehen die Möglichkeit der Nutzung dieser Daten für zielgerichtete Werbung vor, ebenso die Weitergabe an Dritte. Der VKI überlegt dagegen vorzugehen.

Neben einprogrammierten Gesprächstexten rede Cayla ungefragt auch darüber, wie sehr sie zum Beispiel Disneyfilme liebe - der App-Hersteller Toy Quest stehe in Geschäftsbeziehung zu Disney. Auch hier prüfe der VKI ein rechtliches Vorgehen. "Es ist in unseren Augen wesentlich, dass vor allem bei Kindern, die hier besonders schutzbedürftig sind, auf die Einhaltung der Persönlichkeits- und der Konsumentenschutzrechte geachtet wird", sagte Docekal.

"Lassen Sie die Puppe nicht eingeschaltet herumliegen"
Der VKI bietet Kunden, die "Cayla" bestellt oder bereits gekauft haben und die Puppe nicht mehr wollen, Hilfe bei der Rückgabe an. Zudem raten die Konsumentenschützer: "Reden Sie mit Ihrem Kind darüber, was das Spielzeug kann und was es bedeutet, dass es mit dem Internet verbunden ist. Lassen Sie die Puppe nicht eingeschaltet herumliegen, sie funktioniert wie ein Bluetooth-Kopfhörer, und Fremde können einfach via Bluetooth die Verbindung zur Puppe herstellen." Kunden, die diese Bedenken teilen, sollten sich beim Handel und den Herstellern beschweren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.