Mi, 23. Jänner 2019

Zu neugierig

10.10.2016 12:29

Datenschutz-Experte rät: Finger weg von WhatsApp!

Der oberste Hamburger Datenschützer Johannes Caspar warnt angesichts des Facebook-Plans, die Daten der WhatsApp-Nutzer zu Werbezwecken ins soziale Netzwerk zu überführen, vor der Nutzung der beliebten App. Es gebe genug aus Datenschutzsicht bessere Alternativen zu WhatsApp, ist Caspar überzeugt.

"Alle Nutzer von WhatsApp sollten ernsthaft prüfen, künftig eher einen der vielen alternativen Messenger-Dienste von Anbietern zu nutzen, die einen datenschutzfreundlicheren Umgang mit Informationen ihrer Kunden praktizieren", sagt der Datenschützer dem "Hamburger Abendblatt". Caspar ist für Facebook und WhatsApp zuständig, weil der Konzern seinen Deutschland-Sitz in Hamburg hat.

Alternativen zu WhatsApp gäbe es genug: Einer der Hauptrivalen ist die kostenlose und mit optionaler Verschlüsselung beworbene russische App "Telegram". Ebenfalls kostenlos und sogar mit quelloffener Verschlüsselung ausgestattet ist die Chat-App "Signal", der auch Ex-NSA-Spion Edward Snowden vertraut. Wer bereit ist, einige Euro in eine sichere Chat-App zu investieren, kann auch einen Blick auf "Threema" aus der Schweiz werfen.

Facebook bricht mit Datenweitergabe sein Wort
Grund für Caspars Misstrauen gegenüber Facebook und WhatsApp: Als WhatsApp vor rund zwei Jahren von Facebook übernommen wurde, hieß es noch, man werde die Nutzerdaten der beiden Dienste nicht zusammenführen. Im August 2016 dann die Kehrtwende: WhatsApp-Nutzerdaten und die Telefonnummer werden zwecks personalisierter Reklame künftig doch mit Facebook geteilt, kündigten die Betreiber an. Die maßgeschneiderte Reklame kann man zwar in den Nutzungsbedingungen abstellen, dass die bei WhatsApp hinterlegte Nummer weitergegeben wird, lässt sich aber nicht verhindern.

Caspar protestierte bereits Ende September: Ohne Zustimmung der Nutzer sei die Weitergabe der Telefonnummer unzulässig. Daten von deutschen WhatsApp-Nutzern zu sammeln und zu speichern müsse sofort eingestellt werden, bereits an Facebook übermittelte WhatsApp-Daten seien zu löschen, so der Datenschützer.

Facebook hat reagiert und zumindest in Deutschland die Weitergabe von Telefonnummern vorerst auf Eis gelegt. Die Betonung liegt aber auf "vorerst": Facebook will vor Gericht ziehen, um die Anordnung des Datenschützers nicht umsetzen zu müssen, berichtet "T3N".

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