So, 19. August 2018

Genuss statt Gier

03.04.2015 16:30

Schlanker und glücklicher, wenn's schmeckt

"Ich verstehe das nicht. Man sieht dich ständig irgendetwas mampfen und du hast trotzdem dein Idealgewicht. Ich hingegen würde sofort zunehmen, wenn ich mich nicht beschränken würde“, jammert die Kollegin und knabbert lustlos am trockenen Reiscracker.

Kennen Sie das? Genau dieser, an sich harm-, aber geschmacklose Snack stellt das Problem dar. Während Kollegin 1 ihrem Gusto nachgibt und sich dann zufrieden in ihre Arbeit vertieft (ohne auch nur eine Minute weiter über Essen, Kalorien oder Figurprobleme nachzudenken), ist Kollegin 2 ständig frustriert, mit Kalorienzählen beschäftigt und bekommt sofort ein schlechtes Gewissen, wenn sie dann logischerweise einmal der Heißhunger packt. Denn dann schlägt auch noch die Gier zu.

Gierige Esser schlingen, überessen sich häufig und lassen keine Krümelchen übrig, egal ob sie es noch mögen oder nicht. Jene, die sich ständig kasteien, verzichten und etwas verwehren, verlieren den Spaß am Essen und damit eine wichtige Quelle des Wohlbefindens.

Genießer schmecken, kosten, riechen und probieren. Sie lieben die Abwechslung, frische Speisen und neue Aromen. Experimentieren mit Zusammensetzungen, nehmen sich Zeit, variieren ihren Menüplan. Allesamt eine vernünftige, wie auch physiologisch gesunde Ernährungsweise. Das bedeutet nicht automatisch, dass man auch mehr Kalorien zu sich nimmt, denn der Körper hat ein angeborenes Regulativ gegen einseitige Nahrungszufuhr: Bekommt er längere Zeit hinweg immer das Gleiche und das auch noch überreich, hat man es bald satt. Der biologische Grund liegt darin, dass wir unterschiedliche Nährstoffe und Nährstoffzusammensetzungen benötigen. Das ist bei Menschen, die im wahrsten Sinn des Wortes auf ihren Bauch hören, der Fall. Sie sind optimistischer, ausgeglichen, entspannt und leben insgesamt gesehen gesünder, wie Ernährungswissenschaftlerin Marlies Gruber in ihrem neu erschienenen Buch "Mut zum Genuss" (Verlag edition a) beschreibt.

Sie warnt vor dem aktuellen Trend der Selbstkasteiung wegen ständiger Verunsicherung, was man eigentlich noch essen darf und was (angeblich) der Gesundheit schadet. "Dass bei der Ernährung Angst mitschwingt, liegt in der Natur der Sache – evolutionär geht es dabei darum, nicht vergiftet zu werden. Doch heute werden viele Ängste vor dem Essen künstlich geschürt, was zu einem verkrampften Umgang mit dem Thema führt", so die Leiterin von "forum.ernährung heute".

Wer bewusst genießt, hat auch die bessere Chance, schlank durchs Leben zu gehen, wie Studien zeigen, den er kümmert sich erwiesenermaßen mehr um Leibe und Seele, betreibt Sport, trifft Präventionsmaßnahmen und kann besser mit Stress umgehen. Unter den Genussunfähigen ist jeder Fünfte adipös, nur ein Drittel normalgewichtig.

Aber – Genuss lässt sich erlernen! Als "Muss" gilt einmal, sich Zeit zum Essen zu nehmen. Erlauben Sie sich ein "gutes Leben" und sagen Sie "Ja" zu positiven Gefühlen. Auch das beste Stück Schokolade kann nicht geschätzt werden, wenn wir es mit schlechtem Gewissen am Weg zur U-Bahn mit drei Bissen verschlingen. Achten Sie daher auf "Esskultur" und aktivieren Sie alles Sinne: Kauen Sie bewusst, nehmen Sie die Veränderung im Geschmack wahr. Erleben Sie den Duft von einzelnen Zutaten, betrachten Sie die Farben und Formen. Das erhöht den Genuss und das Sättigungsgefühl.

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