Wels ist „European City of Christmas 2026“. Aus einem kleinen Adventmarkt ist eine ganze Weihnachtswelt geworden, mit dem Christkind, das im Ledererturm wohnt. Ein Lichterpfad führt durch die Innenstadt. Außerdem gibt es heuer viele Neuheiten.
Bei uns wohnt das Christkind im Ledererturm“, sagt Tourismuschef Peter Jungreithmair. Wer den alten Stadtturm betritt, kommt zuerst in eine Weihnachtsgreißlerei, dann zum Postamt und schließlich hinauf in das „Himmlische Wolkenreich“. Dort befindet sich das Wohnzimmer des Christkinds. Kinder dürfen schauen, staunen und ihren Wunschzettel abgeben. Rund 7500 Briefe werden hier jedes Jahr geschrieben und beantwortet.
Es ist schön zu beobachten, wie begeistert Kinder von dieser Vorstellung sind. Und mir ist das Christkind sympathischer als Santa Claus, weil es besser zu unserer Tradition und zu Wels passt. Weihnachten soll hier nicht an der Grenze eines Marktes enden. Plätze, Parks, Einkaufsstraßen, Gasthäuser und Geschäfte werden miteinander verbunden. Die ganze Innenstadt macht mit. Genau dafür erhielt Wels den Titel „European City of Christmas“.
NICHT EIN MARKT, SONDERN EINE GANZE STADT
Das Herzstück ist die Bergweihnacht am Stadtplatz. Holzhütten, Kunsthandwerk, Kulinarik, Chöre und Blasmusik stehen vor den historischen Fassaden. Über allem leuchtet das rund acht Meter hohe Christkind. Gleich daneben führt der Weg zum Ledererturm. Was als bewusste Rückkehr zum Christkind begann, ist heute das zentrale Motiv der Welser Weihnachtsgeschichte.
Ein paar Schritte weiter liegt der Winterzauber im Pollheimerpark. Zwischen Bäumen, Lichtern und Fahrgeschäften richtet sich das Angebot besonders an Familien. Kinderkarussell, Kettenflieger, Spielplatz und Ponyreiten sorgen für Bewegung. Gemütlicher wird es im Gösser Biergarten Advent, wo unter den beleuchteten Bäumen regionale Küche, Handwerk und Musik zusammenkommen.
EINE IDEE, DIE ALLE EINBEZIEHT
Mir gefällt das klare Bekenntnis zur Innenstadt. Anderswo verlieren Stadtzentren Geschäfte und Besucher, in Wels versucht man bewusst gegenzusteuern. Vor fast 20 Jahren wurde die Welser Weihnachtswelt erfunden, um die sonst eher ruhige Zeit im November und Dezember mit Leben zu füllen. Mehr als 350 Geschäfte und Lokale werden Teil des weihnachtlichen Erlebnisraums. Der Advent ist zwar
ein eigenständiges Reisemotiv, aber wer kommt, nutzt oft auch die Infrastruktur, um seine Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Die Belebung der Innenstadt ist deshalb nicht nur eine Frage der Stimmung, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen Adventmärkten. Wer durch Wels geht, wechselt nicht ständig zwischen Markt und gewöhnlicher Stadt. Handel, Gastronomie und Weihnachtsprogramm gehen ineinander über. Ein Schaufenster gehört ebenso zur Inszenierung wie eine Lichterfigur oder eine Bühne. Dadurch verteilt sich das Erlebnis über die Stadt und bleibt nicht auf einen Platz beschränkt.
EIN WEG AUS LICHT DURCH DIE INNENSTADT
Der schönste rote Faden ist in Wels nicht rot, sondern aus Licht. Der Lichterpfad verbindet die wichtigsten Weihnachtsorte mit den Einkaufsstraßen. 2026 wächst er auf 2,2 Kilometer und 34 Stationen. Mehr als 850.000 LED-Lichtpunkte, rund 70 Kilometer Lichterketten und über 100.000 Kristalle lassen die Innenstadt in warmem Licht funkeln. Die Zahlen klingen beeindruckend.
Interessanter sind jedoch die kleinen Entdeckungen entlang des Weges. Leuchtende Tiere stehen zwischen den Bäumen, Bögen führen durch die Gassen, ein Wunschbaum wartet auf Gedanken und Botschaften. Manche Motive laden zum Fotografieren ein, andere erzählen eine Geschichte. Ein Rätsel macht den Rundgang auch für Kinder spannend.
FÜNF SCHAUPLÄTZE, FÜNF STIMMUNGEN
Die Bergweihnacht am Stadtplatz ist die klassische Mitte. Im Pollheimerpark stehen Familien im Vordergrund. Der Gösser Biergarten Advent setzt auf Genuss, Musik und Handwerk. Der Ledererturm gehört ganz dem Christkind. Neu hinzu kommt 2026 der Kunsthandwerksmarkt am Minoritenplatz. Auch eine lebensgroße Krippe zieht dort ein. Achtzehn handgefertigte Figuren entstehen in der Werkstatt des österreichischen Bildhauers Ulrich Mertel. Solche Details machen die Weihnachtswelt glaubwürdiger als eine weitere Hütte.
NEU IST DAS CHRISTKINDL-EIS
Direkt am Stadtplatz und unter dem großen Christkind wird erstmals eine rund 550 Quadratmeter große Echteisfläche aufgebaut. Vom 13. November bis 6. Jänner können hier Kinder und Erwachsene ihre Runden drehen. Nach der Weihnachtswelt wird die Fläche im Jänner auf rund 800 Quadratmeter erweitert und zur bekannten Welser EIS-8erBahn.
Das neue Angebot passt zur Grundidee: Nicht nur schauen und konsumieren, sondern selbst etwas erleben. Auch die Bühne am Stadtplatz wird erweitert. Kindergärten, Schulen, Märchenerzähler, Klanggeschichten, Chöre und Bläsergruppen gestalten das Programm. Im ersten Stock der Almdorfbühne wartet ein beheiztes Spielzimmer. Wer mit kleineren Kindern unterwegs ist, wird eine Pause im Warmen zu schätzen wissen.
POST FÜR DAS CHRISTKIND
Der Ledererturm wurde erst kürzlich renoviert. Das Postamt, die Greißlerei, ein Spielzimmer und das „Himmlische Wolkenreich“ sind nun täglich geöffnet. Jeder Wunschbrief wird mit Unterstützung der Österreichischen Post in einem goldenen Kuvert beantwortet. Keine App, kein Bildschirm, sondern ein Blatt Papier und ein wenig Geduld. Vielleicht ist gerade das die eigentliche Besonderheit.
WARUM WELS AUSGEZEICHNET WURDE
Der Titel „European City of Christmas“ wird in der Kategorie für Städte zwischen 10.000 und 100.000 Einwohnern vergeben. Barcelona trägt 2026 den Titel „European Capital of Christmas“, Kirkop auf Malta wurde zum „European Village of Christmas“ gewählt. Die internationale Jury würdigte in Wels vor allem die Verbindung von Tradition, Bürgerbeteiligung, Familienfreundlichkeit und einer Inszenierung, die die gesamte Innenstadt umfasst. Das ist eine wichtige Unterscheidung. Ein Adventmarkt wird nicht automatisch besser, wenn er größer wird. Entscheidend sind Atmosphäre, Qualität und eine Geschichte, die zum Ort passt. Von der Auszeichnung erwartet sich die Stadt zusätzlichen Rückenwind.
Wels eignet sich nicht nur für einen kurzen Marktbesuch. Die verschiedenen Schauplätze und die Programme machen daraus einen Tagesausflug. Und wer das vorweihnachtliche Gedränge vermeiden möchte, kommt unter der Woche. Dann bleibt mehr Zeit für Handwerk, Gespräche und den Blick auf jene kleinen Dinge, die zwischen all den Lichtern leicht übersehen werden. Am Ende des Tages führt der Weg wieder zum Ledererturm, dem Wahrzeichen. Vielleicht steckt dort gerade ein neuer Wunschzettel im Postkasten. Und vielleicht liegt die besondere Wirkung der Welser Weihnachtswelt genau darin: Für ein paar Stunden darf man glauben, dass das Christkind tatsächlich hier zu Hause ist.
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