Es ist noch etwas hin bis zum meteorologischen Winterbeginn, dennoch drängt sich bereits jetzt bei so manchem die Frage auf: Brauchen wir im heurigen Jahr häufiger den Regenschirm oder doch die Schneeschaufel? Für handfeste Fakten ist es noch zu früh – allerdings: Saisonale Modelle lassen bereits erste Trends erkennen.
Eine erste vorsichtige Einschätzung zum heurigen Winterverlauf lassen sogenannte saisonale Langfristmodelle zu. Diese zeichnen derzeit ein recht einheitliches Bild – eine Trendumkehr weg von einem zu milden Winter ist eher unwahrscheinlich.
„Mit einer Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent dürfte der kommende Winter in Österreich insgesamt zu mild ausfallen. Die Modelle deuten dabei auf Temperaturen etwa 1 bis 2 Grad über dem langjährigen Mittel hin, wobei sich diese Tendenz auch für die einzelnen Wintermonate abzeichnet“, so Meteorologe Steffen Dietz von der Österreichischen Unwetterzentrale. Damit würde sich der Trend der letzten Jahre weiter fortsetzen, wie Datenerhebungen zeigen:
Meteorologe Steffen Dietz trug Daten der vergangenen fünf Winter in Österreich zusammen. Sie zeichnen ein dramatisches Bild:
Trockener Winter oder Regen und Schnee?
Wie sieht es in puncto Niederschlag aus? Setzt sich laut den Modellen die Trockenheit fort? Laut Dietz werde ein „etwas niederschlagsreicherer Winter erwartet“. „Im österreichweiten Mittel könnten dabei etwa 10 bis 50 Liter pro Quadratmeter mehr Niederschlag als üblich zusammenkommen. In Kombination mit den höheren Temperaturen würde das vor allem in tiefen Lagen häufiger Regen statt Schnee bedeuten, während im Bergland durchaus auch größere Schneemengen möglich wären“, so der Wetter-Experte.
Einflussfaktor El Niño
Einfluss werde auch der aktuell außergewöhnlich starke El Niño haben, erklärt Dietz – wenngleich noch keine Aussagen zu konkreten Auswirkungen getroffen werden können. Fest steht aber zumindest, dass das Wetterphänomen die „atmosphärische Zirkulation beeinflussen kann“.
Vergleicht man die Klimaperioden 1961-1990 und 1991-2020, so hat sich der Dezember im österreichischen Tiefland bereits um rund 1,1 Grad erwärmt.
Meteorologe Steffen Dietz
Nicht untypisch ist jedenfalls, dass der erste Wintermonat Dezember oftmals noch eher herbstlich anstatt winterlich anmutet. „Der Jänner ist klimatologisch der kälteste Wintermonat, während der Dezember im langjährigen Mittel noch etwas milder ausfällt“, erklärt Dietz
Temperaturniveau verschiebt sich nach oben
„Durch den Klimawandel verschiebt sich das Temperaturniveau insgesamt nach oben, wodurch Niederschläge gerade in den Niederungen häufiger als Regen fallen und Schneedecken weniger beständig sind. Vergleicht man die Klimaperioden 1961-1990 und 1991-2020, so hat sich der Dezember im österreichischen Tiefland bereits um rund 1,1 Grad erwärmt. Dass weiße Weihnachten in vielen Regionen zunehmend seltener werden, ist ein anschauliches Beispiel dafür.“
Mit Blick in die Zukunft gehe der Trend wohl dahin, dass die Winter „insgesamt milder“ werden, wobei Dietz betont: „Ausgeprägte winterliche Wetterphasen bleiben natürlich auch weiterhin möglich“.
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