Es ist eine der größten Industrieinvestitionen, die Österreich je gesehen hat: Der deutsche Halbleiterkonzern Infineon baut seinen Standort Villach zur weltweit ersten Hochvolumenfertigung für Galliumnitrid-Leistungshalbleiter auf 300-Millimeter-Wafern aus. Rund 1,1 Milliarden Euro will das Unternehmen bis 2034 in die bestehenden Reinraumflächen investieren.
Der Produktionsstart ist für Ende 2027 geplant. Am Dienstag präsentierten Infineon-Chef Jochen Hanebeck, Bundeskanzler Christian Stocker, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka das Projekt.
Eine der größten Investitionen – und eine der größten Förderungen
„Mit 1,1 Milliarden Euro sind wir in den Top drei der Industrie-Investitionen in Österreich“, sagte Hanebeck. Nur die Infineon-Investition von 2018 (1,6 Milliarden Euro) und ein 1,5-Milliarden-Projekt der voestalpine waren in der jüngeren Vergangenheit größer.
Unterstützt wird das Vorhaben im Rahmen des Europäischen Chips Acts mit einer Förderung von 319 Millionen Euro – ebenfalls eine der größten Förderungen, die Österreich je vergeben hat. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer spricht von einer „beihilferechtlich genehmigten Förderung“, die Brüssel erst am Montagabend freigegeben habe. Die Förderquote liegt bei 29 Prozent – im internationalen Vergleich eher niedrig, wie der Minister betonte: „In anderen Ländern gibt es zum Teil Förderungen bis zu 50 Prozent.“ Zudem enthalte die Vereinbarung eine Standortgarantie über zehn Jahre.
Warum Österreich? Hanebeck nennt drei Gründe
Die Frage, warum Infineon trotz hoher Lohn- und Energiekosten in Österreich investiert, beantwortete Hanebeck mit drei Faktoren: „Erstens die Kontinuität in der politischen Unterstützung. Zweitens, ganz wichtig, die Kompetenz der Mitarbeiter. Und drittens, da wir in einem globalen Wettbewerb um Halbleiteransiedlungen sind, auch die finanzielle Unterstützung.“ Diese drei Argumente, gepaart mit der langfristigen Verlässlichkeit des politischen Umfelds, seien entscheidend gewesen. Standortentscheidungen seien „immer sehr langfristige Entscheidungen, also durchaus mit Auswirkungen über 20 Jahre und mehr“.
Wofür ist Galliumnitrid gut?
Die Welt sei „energiehungrig“, sagte Hanebeck. Galliumnitrid (GaN) ist ein modernes Halbleitermaterial, das Strom deutlich schneller schalten kann als herkömmliches Silizium. Dadurch entstehen kleinere, leistungsfähigere und energieeffizientere elektronische Systeme mit geringeren Energieverlusten. Eingesetzt wird die Technologie unter anderem in der Stromversorgung von KI-Rechenzentren, in Solaranlagen, Chargern für Elektroautos, in der Robotik und in Konsumentenelektronik.
Ein Wachstumsmarkt mit Potenzial
Der Markt für GaN-Leistungshalbleiter soll bis 2031 rund 3,5 Milliarden Euro erreichen – das Sechsfache im Vergleich zu 2025, mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 35 Prozent. „Das ist ein Markt, den wir derzeit mitgestalten können“, sagt Herlitschka. Er stehe an einem „Beschleunigungspunkt“. Hanebeck ergänzt: „Wir steuern jetzt hier nach oben.“ Für die neue Fertigung erwartet Infineon einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.
Viele Jobs – aber keine neuen durch diese Investition
Infineon beschäftigt in Österreich rund 5800 Mitarbeiter, davon etwa 2500 in Forschung und Entwicklung und 2600 in der Produktion. Allein in den letzten zehn Jahren wurden 2300 Arbeitsplätze aufgebaut. Doch durch die aktuelle Investition werden keine zusätzlichen Jobs geschaffen. „Diese Investition ist eine Maßnahme zur Stärkung der Produktivität. Das heißt, wir sichern damit und stärken damit unsere Arbeitskräfte jetzt vor Ort“, stellte Herlitschka klar. Auf Nachfrage bestätigt sie: „Durch diese Investition jetzt nicht“ – keine neuen Arbeitsplätze. Der Effekt sei vielmehr die Absicherung der bestehende Jobs.
Bundeskanzler Stocker verweist auf die Hebelwirkung: „Jeder Arbeitsplatz bei Infineon sichert knapp drei weitere Arbeitsplätze in Österreich.“ Das Unternehmen schaffe mehr als 2,2 Milliarden Euro Wertschöpfung im Land und kaufe jährlich Waren und Dienstleistungen um rund 365 Millionen Euro bei heimischen Betrieben ein.
Politik sieht Signal für den Standort
Stocker spricht von einem „wirklich guten Tag für den Wirtschaftsstandort“ und einem „starken Bekenntnis zu Österreich“. Die Zukunft der Halbleiterindustrie dürfe „nicht nur in Asien oder den Vereinigten Staaten liegen, sondern sie muss auch in Europa und in Österreich stattfinden“.
Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer bemühte ein Bild: „Chips sind für die Wirtschaft von morgen so wichtig wie Kohle für die Wirtschaft von gestern.“ Österreich sei bei energieeffizienten Chips bereits Weltmarktführer mit 20 Prozent Anteil und gemessen an der Bevölkerungsgröße EU-weit Nummer eins bei den Ausgaben für betriebliche Forschung im Halbleiterbereich. Ziel der Regierung sei es, bis 2035 wieder unter die zehn führenden Industrienationen der Welt zu kommen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.