In nur zwei Jahren:

Metallindustrie wandert ab, 10.000 Jobs sind weg!

Wirtschaft
28.04.2026 22:46

Christian Knill, Bundessprecher der größten heimischen Industriesparte, der metalltechnischen Industrie, schlägt Alarm: Die Branche hat in zwei Jahren über 10.000 Mitarbeiter abgebaut. Laut aktueller Umfrage planen vier von zehn Betrieben, weitere Stellen zu streichen. Viele Firmen wollen zwar sehr wohl neue Jobs schaffen – allerdings im Ausland. Folge: Es droht die Deindustrialisierung Österreichs.

In den vergangenen beiden Jahren hat die metalltechnische Industrie, die einen Produktionswert von 47 Milliarden Euro erwirtschaftet, mehr als 10.000 Beschäftigte abgebaut, davon 4700 alleine im Vorjahr. „Dazu kamen noch 3000 bis 4000 Leiharbeiter“, sagt Knill. Damit gerät die Branche, zu der Paradeunternehmen wie Doppelmayr, Engel, Rosendahl, Otto Bock, Hörbiger und Palfinger zählen, als Jobmotor ins Stottern (siehe Grafik). Knill: „Von 2000 bis 2023 haben wir die Beschäftigung um über 22 Prozent erhöht, trotz Automatisierung und steigender Personalkosten. Aber in den letzten beiden Jahren gab es einen Knick nach unten.“

(Bild: Krone KREATIV)

In Summe hat die metalltechnische Industrie derzeit bei uns noch rund 130.000 Mitarbeiter. Doch das könnte sich bald ändern. Knill: „Wir sehen, dass jene Unternehmen, die die Möglichkeit dazu haben, woanders zu produzieren, hier in Österreich abbauen und in anderen Ländern, wo die Kostenstruktur besser ist, produzieren.“ Verlagert werde vor allem in osteuropäische Länder wie beispielsweise Rumänien. Knill warnt: „Es führt letztendlich zu einer Deindustrialisierung Österreichs. Das müssen wir mit aller Macht vermeiden und dem einen Riegel vorschieben, damit dieser Trend nicht noch weiter voranschreitet.“

Heimische Betriebe wollen laut aktueller Umfrage im Inland weiter Stellen streichen und dafür im ...
Heimische Betriebe wollen laut aktueller Umfrage im Inland weiter Stellen streichen und dafür im Ausland Jobs schaffen.(Bild: Krone KREATIV)

Jobabbau im Inland, Jobaufbau im Ausland
Laut einer neuen Umfrage sieht es jedoch finster aus: 41 Prozent der Unternehmen sagen, dass sie in den nächsten fünf Jahren im Inland Jobs abbauen werden. Nur 15 Prozent rechnen mit einem Beschäftigungsaufbau. Ganz anders ist das Bild unter jenen Betrieben, die Standorte im Ausland haben: 60 Prozent von ihnen wollen dort neue Jobs schaffen (siehe Grafik).

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Auch beim Nachwuchs stehen die Betriebe der metalltechnischen Industrie derzeit auf der Kostenbremse. Knill: „Die Zahl der Lehranfänger ist bei uns zwischen 2023 und 2025 um rund 16 Prozent gesunken. Das ist ein alarmierendes Zeichen. Wegen fehlender Zukunftsperspektiven setzen manche Unternehmen bei der Lehrlingsausbildung auf Kürzungen.“ 13 Prozent der Betriebe planen laut Umfrage, die Zahl der Lehranfänger in den nächsten drei Jahren weiter zu reduzieren.

Christian Knill, Sprecher der metalltechnischen Industrie: „Das ist ein alarmierendes Zeichen.“
Christian Knill, Sprecher der metalltechnischen Industrie: „Das ist ein alarmierendes Zeichen.“(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Immerhin: Bei den Lohnkosten sieht der Branchensprecher auch positive Entwicklungen: Der zweijährige Kollektivvertragsabschluss aus dem Vorjahr sieht für heuer im November eine Erhöhung der IST-Löhne um nur 1,9 und der KV-Löhne um 2,1 Prozent vor. Knill: „Das ist höchstwahrscheinlich niedriger als die Inflation, die derzeit mit 2,7 Prozent prognostiziert wird. Somit ist unser KV-Abschluss inflationsdämpfend.“ Für die Betriebe bedeutet das weniger finanzielle Belastung und eine etwas verbesserte Wettbewerbsfähigkeit.

Auch das am Montag in Grundzügen vorgestellte Doppelbudget 2027/2028 gibt laut Knill Anlass zur Hoffnung, dass sich die Lage doch noch verbessern kann. Die Lohnnebenkostensenkung, die ab 2028 gelten soll, sei „ein erster guter Schritt“. Auch die Industriestrategie der Regierung sei „mit 117 Maßnahmen nicht schlecht. Wichtig ist, dass sie umgesetzt wird!“

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