Österreichs Industrie steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Hohe Arbeits- und Energiekosten, eine generell starke Steuerbelastung oder auch langwierige Genehmigungsverfahren bremsen die Wettbewerbsfähigkeit. Jeder vierte Industriebetrieb erwägt daher eine Verlagerung ins Ausland. Die Politik muss dringend gegensteuern, so die Wirtschaftskammer (WKÖ).
Der aktuelle WKÖ-Industrieradar zeichnet ein deutliches Bild der Stimmung in der heimischen Industrie. Zwar punktet Österreich nach wie vor mit einer verlässlichen Energieversorgung, einer guten Infrastruktur und starken Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig sehen die Unternehmen den Standort jedoch bei den entscheidenden Kostenfaktoren im internationalen Wettbewerb weiterhin klar im Nachteil.
Hohe Lohnstückkosten größtes Problem
Am kritischsten gesehen werden die hohen Lohnstückkosten (Lohnkosten je produzierter Einheit). 96 Prozent unserer Industrieunternehmen beurteilen diesen Punkt im Vergleich zu Ihren wichtigsten Mitbewerbern im Ausland als schlechter. Gleich dahinter folgen die Energiepreise (86 Prozent) sowie die Steuer- und Abgabenbelastung (85 Prozent).
Hinzu kommen noch der zunehmende Wettbewerbsdruck aus China und die Auswirkungen der US-Handelspolitik, die den Anpassungsdruck auf die exportorientierte Industrie weiter erhöhen. Acht von zehn heimischen Unternehmen sehen in dem zunehmenden globalen Druck in den nächsten drei bis fünf Jahren eine starke bis sehr starke Herausforderung.
„Der Befund ist eindeutig: Österreichs Industrie steht unter Druck und muss dringend entlastet werden. Unsere Standortvorteile werden zunehmend durch den immensen Kostendruck, der auf den Betrieben lastet und ihnen das Wirtschaften erschwert, aufgezehrt. Das ist ein massiver Nachteil in einem schärfer werdenden internationalen Wettbewerb und wird mittelfristig Jobs und Wohlstand kosten“, betont Wirtschaftskammer-Generalsekretär Jochen Danninger.
Effizienzsteigerung im Fokus, ein Viertel will verlagern
Um dem Kostendruck sowie den geänderten globalen Rahmenbedingungen standzuhalten, forcieren 82 Prozent der Befragten Kosten- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen sowie knapp zwei Drittel Automatisierung und Digitalisierung. Das größte Problem für den Wirtschaftsstandort Österreich sind jedoch die rund 25 Prozent der Industrieunternehmen, die über eine Verlagerung von Beschaffung, Produktion oder Vertrieb nachdenken. Fast jeder zweite dieser „Abwanderungswilligen“ hält eine Verschiebung der Fertigung ins Ausland in den nächsten drei bis fünf Jahren sogar für wahrscheinlich.
Kammer fordert eine Entlastung
Damit es nicht zu einer noch stärkeren Verschiebung ins Ausland kommt, braucht es daher dringend ein besseres Umfeld. „Die Betriebe können ihre Innovationskraft und Produktivität nur dann voll ausspielen, wenn auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stimmen. Dazu zählen gezielte kostenseitige und bürokratische Entlastungen. Die Senkung der Lohnnebenkosten war ein wichtiger erster Schritt – jetzt müssen weitere Entlastungen bei Kosten und Bürokratie folgen“, meint Danninger.
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