Während andere vielleicht einfach weitergefahren wären, schaute Ernst A. (54) nicht weg – und rettete damit eine 28-jährige Joggerin vor einer Vergewaltigung. Die „Krone“ hat den mutigen Alltagshelden getroffen.
Es war ein ruhiger Morgen, wenn auch etwas frisch. Seit 20 Jahren fährt Ernst A. (54) täglich mit dem Fahrrad von Korneuburg nach Wien zur Arbeit. Rund 50 Minuten dauert seine Strecke entlang des Donaukanals normalerweise. Doch an diesem schicksalhaften Montag sollte alles anders kommen. Denn der langjährige Justizwachebeamte war zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und bewies dabei jede Menge Zivilcourage.
„Ich habe gesehen, wie zwei Menschen die Böschung hinabstürzten. Zuerst dachte ich, da rauft jemand“, erinnert sich der 54-Jährige im Gespräch mit der „Krone“. Sofort stieg der Niederösterreicher von seinem Rad – und erkannte beim genaueren Hinsehen, was sich vor seinen Augen abspielte. „Der Mann saß auf der Frau, da wusste ich, er will sie vergewaltigen.“
Mutiger Helfer schlug Angreifer in die Flucht
Ernst eilte der 28-Jährigen zu Hilfe. Entschlossen forderte er den Angreifer auf, von der Frau abzulassen und zu verschwinden. Und tatsächlich: Der Ungar ließ von seinem Opfer ab. „Gewalt an Frauen – das geht einfach gar nicht“, sagt der 54-Jährige kopfschüttelnd.
Dann ging alles Schlag auf Schlag: Ernst wählte den Notruf, nur wenige Minuten später traf die Polizei ein. „Ich konnte nicht einmal meine Zigarette ausrauchen, so schnell waren die Beamten da“, lacht er. Doch damit war sein Einsatz noch lange nicht vorbei. Gemeinsam mit den Polizisten machte sich der Niederösterreicher, der auch bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert ist, auf die Suche nach dem Tatverdächtigen – und wurde rasch fündig: Einige hundert Meter vom Tatort entfernt hatte sich der Mann in einem Gebüsch versteckt. Für ihn klickten die Handschellen. Heute sitzt er hinter Schloss und Riegel in einer Justizanstalt.
Für seinen Mut will er keinen Applaus
Die junge Joggerin bedankte sich bei ihrem Retter. Wie es ihr heute geht, weiß Ernst nicht. „Ich wünsche mir, dass es ihr bald besser geht und sie diese Strecke wieder laufen kann“, sagt der 54-Jährige. Dass er selbst womöglich Schlimmeres verhindert hat, macht er nicht zum großen Thema. Für den Justizwachebeamten war sein beherztes Eingreifen eine Selbstverständlichkeit. Doch genau das macht ihn zu einem Helden: Er hat nicht weggeschaut, sondern gehandelt.
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