Weiße Zähne. Endlos lange Haare. Perfekte Körper. Und mittendrin ein BH, der so teuer ist wie ein luxuriöses Inselparadies. Die Victoria’s Secret Fashion Show 2026 hat genau das geliefert, wofür die Marke einst berühmt wurde: eine Fantasie-Welt mit engelhaften Frauen, fluffigem Pink, Strasssteinen und einem Protz-BH, den nie jemand kaufen wird.
Victoria’s Secret kämpft seit Jahren gegen den Vorwurf, unrealistische Schönheitsideale zu vermarkten. Deshalb setzte die Show 2026 auf maximale Vielfalt: Mit Transgender-Model Alex Consani, Curvy-Star Ashley Graham und Natalia Bryant, Tochter der Basketball-Legende Kobe Bryant, wollte die Marke möglichst viele Zielgruppen ansprechen. Dennoch muss der Konzern jetzt Kritik einstecken.
Barbara Palvin kehrte nur sechs Wochen nach der Geburt ihrer Tochter auf den Laufsteg zurück. Sie wird in den USA als Mama-Vorbild präsentiert. Dabei verkörpert auch sie eine dekadente Hochglanz-Fantasiewelt, die Victoria’s Secret seit Jahrzehnten verkauft: eine Welt, in der nicht einmal eine Geburt Spuren hinterlässt. Man muss sich nur genug anstrengen, oder so ähnlich.
„Keine große Sache“
„Morgen sind es sechs Wochen seit der Geburt, und ich glaube, in den USA müssen die meisten Frauen nach sechs Wochen wieder arbeiten“, sagte Palvin dem Magazin „People“. Ihr Auftritt sei also „keine so große Sache“. Sie fühle sich großartig und es sei sehr bestärkend, dass das Team von „Victoria‘s Secret“ sie bei der Show dabeihaben wolle. Bei uns in Europa dürfte das dennoch als „große Sache“ gesehen werden und Kritik auslösen.
Gerade frischgebackene Mütter stellen sich dadurch schnell Fragen, die viele nur zu gut kennen: Warum sieht mein Körper nicht so aus? Warum brauche ich länger? Und warum scheint es bei anderen so mühelos zu funktionieren?
Protz-BH als Show-Attraktion
Perfekt dazu passt auch die Rückkehr des berühmten Fantasy Bra. Nach acht Jahren Pause wurde das spektakuläre Schmuckstück erstmals wieder präsentiert. Und wie! Der BH hatte einen Gesamtwert von unglaublichen 50 Millionen Dollar, besetzt mit einem 22 Millionen Dollar teuren gelben Diamanten sowie Tausenden weiteren Edelsteinen.
Kaufen wird das extravagante Dessous vermutlich nie jemand. Darum geht es auch gar nicht. Der Fantasy Bra ist kein Produkt, sondern eine Show-Attraktion, geschaffen für Schlagzeilen, Staunen und dem Traum von grenzenlosem Luxus.
Realitätsverlust und Affront gegen Alt-Engel?
Die Rückkehr des Fantasy Bra sollte ein Triumph für Victoria’s Secret werden. Stattdessen wirft sie eine unangenehme Frage auf: Wie viel Realitätsverlust kann sich eine Mittelklasse-Marke, die Luxus nur vorgaukelt, eigentlich leisten? Während weltweit Krisen und Kriege Menschen belasten und viele Familien jeden Euro zweimal umdrehen müssen, zelebriert die Show einen BH im Wert von 50 Millionen Dollar.

Getragen wurde der Millionen-BH von Kylie Jenner, einer der reichsten und einflussreichsten Frauen der Popkultur. Für viele Fans der Show war das allerdings kein Glamour-Moment, sondern ein Affront. Denn früher galt der Fantasy Bra als höchste Auszeichnung für die Victoria‘s-Secret-Engel, eine Ehre, die sich Topmodels über Jahre auf dem Laufsteg verdienen mussten.
Zuletzt war das sündhaft teure Schmuckstück 2018 zu sehen, präsentiert von Elsa Hosk. Davor trugen Supermodel-Legenden wie Heidi Klum, Gisele Bündchen und Claudia Schiffer den BH. In den sozialen Netzwerken machten viele Fans ihrem Ärger Luft. Die Kritik: Selbst die letzte große Auszeichnung der Marke sei inzwischen nicht mehr den Engeln vorbehalten, sondern werde nach Reichweite vergeben.
Maximale Aufmerksamkeit im gnadenlosen Konkurrenzkampf
Die Botschaft, die bei vielen ankam: Eine Kardashian zieht heutzutage mehr als jedes noch so erfolgreiche Laufsteg-Model. Kylie Jenner, die jüngere Halbschwester von Kim Kardashian, steht schließlich für eine Medienmaschinerie, die Milliarden Menschen erreicht. Für Jenner wiederum dürfte es ein Spaß fürs Ego gewesen sein, den Millionen-BH zu tragen, und dabei von ihrem Liebsten, Timothée Chalamet angehimmelt zu werden.
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