„Krone“ berichtet live

21 Jahre nach Mord: Cold Case Kammerer vor Gericht

Tirol
19.10.2026 08:24

Einer der spektakulärsten Kriminalfälle der Tiroler Geschichte wird ab heute, Montag, am Landesgericht Innsbruck verhandelt: Im Fall der vor 21 Jahren erstochenen Studentin Daniela Kammerer (19) muss sich ein beschuldigter einstiger Studienkollege (42), der in Australien lebt, wegen Verdachts des Mordes vor Geschworene verantworten. Die „Krone“ berichtet live!

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • In den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2005 wurde Daniela Kammerer durch zwei Messerstiche in Brust und Rücken getötet. Ein Pensionist fand ihre Leiche bei einer Telefonzelle beim Rapoldipark.
  • Der nunmehr Angeklagte war bereits kurz vor Weihnachten 2013 – aus Australien kommend – am Flughafen Wien festgenommen worden. Die Indizien waren zu wenig stichhaltig. Enthaftung nach sieben Wochen!
  • Anfang Mai 2026 wurde überraschend Anklage gegen den Austro-Australier erhoben – wegen einer DNA-Spur auf dem Filter einer angerauchten Zigarette, die damals am Tatort sichergestellt wurde.
  • Eine Beschwerde der Verteidigung wurde abgewiesen. Deshalb kommt es jetzt zum Prozess, zu dem der Angeklagte freiwillig aus Australien anreiste. Der 42-Jährige beharrt weiterhin auf seiner Unschuld. 
Der Prozess findet im Schwurgerichtssaal des Innsbrucker Landesgerichtes statt.
Der Prozess findet im Schwurgerichtssaal des Innsbrucker Landesgerichtes statt.(Bild: Christof Birbaumer)

Die „Krone“ berichtet live aus dem Schwurgerichtssaal: 

Mordprozess nach mehr als 21 Jahren 
Dem ehemaligen Studienkollegen der jungen Frau – der Österreicher lebt seit Langem in Australien – wird vorgeworfen, die Niederösterreicherin in den frühen Morgenstunden des 23. Juni 2005 durch zwei wuchtige Messerstiche in Brust und Rücken getötet zu haben. Ein Pensionist fand die Leiche der jungen Frau, die zuvor – wie auch der Angeklagte – eine Studenten-Party besucht hatte, vor einer Telefonzelle im Innsbrucker Rapoldipark vor. Die Tat ereignete sich zwei Tage vor dem 20. Geburtstag der Studentin.

Der Mann hatte bereits vor mehr als zwölf Jahren als damals „dringend tatverdächtig“ gegolten. Er war kurz vor Weihnachten 2013 – aus Australien kommend – am Flughafen Wien-Schwechat von „Cold Case“-Experten des Bundeskriminalamtes (BK) festgenommen worden. Damals hatte sich der Verdacht gegen den Angeklagten auf verschiedene Indizien gestützt, unter anderem auf seine DNA-Spuren an der Leiche, an der Kleidung des Opfers und an den Griffen des Fahrrades der Studentin. Nachdem sich eine DNA-Spur des Angeklagten an der Kleidung nicht als so aussagekräftig bzw. stichhaltig erwies wie zunächst angenommen, wurde der Mann nach sieben Wochen enthaftet und das Ermittlungsverfahren im Februar 2014 eingestellt.

Der „Krone“-Zeitungsbericht vom 24. Juni 2005 über den Mord an Daniela Kammerer.
Der „Krone“-Zeitungsbericht vom 24. Juni 2005 über den Mord an Daniela Kammerer.(Bild: Hubert Rauth)

Zigarettenstummel im Fokus
Anfang Mai wurde dann in dem Cold-Case-Fall überraschend Anklage gegen den nunmehrigen Manager erhoben. Der Stein des Anstoßes: Eine DNA-Spur des Angeklagten auf dem Filter einer nur wenig angerauchten Zigarette, die in der Telefonzelle abgelegt war. Daraus schloss die Staatsanwaltschaft, dass der Angeklagte am Tatort gewesen sein muss. Diese neue Fährte bzw. dieses neue Beweismittel habe sich aufgrund der Weiterentwicklung der Untersuchungsmethoden der Gerichtsmedizin ergeben, argumentierte man.

Auch 2013 wäre dies noch nicht möglich gewesen. Der Tatverdacht habe sich jedenfalls „wieder erhärtet“. In den vergangenen fast 21 Jahren sei immer wieder gegen verschiedene Personen ein möglicher Verdacht geprüft worden. Auf Basis aller nunmehr vorliegender Ermittlungsergebnisse gebe es aber nur mehr gegen den 42-Jährigen einen „konkreten Verdacht.“

Verteidigung verweist auf Privatgutachten
Der Angeklagte beteuerte stets seine Unschuld. Es gebe „zahlreiche Beweise“, dass das Ganze „eben nicht so war“, wie es die Staatsanwaltschaft annehme, und sein Mandant folglich nicht der Täter sein könne, erklärte Verteidiger Mathias Kapferer. Dieser verwies etwa auf ein vorliegendes Privatgutachten hinsichtlich des besagten Zigarettenstummels, das dies eindeutig dokumentiere und beweise. Auch würde das Oberlandesgericht Innsbruck in der Abweisung des damaligen Einstellungsantrags festhalten, dass es „keinen dringenden Tatverdacht“ gegen den 42-Jährigen gebe, der auch für die Verhängung einer Untersuchungshaft notwendig wäre. Dies stimme, bestätigte die Anklagebehörde. Sehr wohl werde vom OLG aber festgehalten, dass ein „konkreter Tatverdacht“ bestehe.

Scharfe Kritik der Verteidigung
Die Zigarette sei zudem immer schon vorgelegen, Kapferers Angaben zufolge wären die Untersuchungsmethoden auch 2013 schon gut genug gewesen, um dort DNA so wie heute verwertbar zu machen, hatte der Strafverteidiger unter anderem den Einspruch gegen die Mordanklage begründet, der Anfang August vom OLG Innsbruck abgewiesen wurde. Letzteres ging von einer „Verurteilungswahrscheinlichkeit“ aus.

Es gebe keine „neuen“ Spuren und keine verbesserten Auswertungsmethoden, legte der Anwalt zudem öffentlich nach. Hinzu komme: Hinsichtlich der vermeintlichen DNA-Spuren gebe es auch andere Wege, wie diese auf den Zigarettenfilter gelangt sein könnten, etwa durch eine vorherige normale Verabschiedung vom Opfer oder durch „Schnorren“ der Zigarette. Alles dies sei in dem Privatgutachten auch dargelegt worden. Kapferer kritisierte auch eine nicht lege artis durchgeführte Tatortarbeit, angeblich unzureichende Ermittlungen nach dem „wahren Täter“ sowie verschwundene Beweismittel bzw. in Verstoß geratene Spurenträger. Das dargestellte Tatgeschehen sei zudem „absurd und unbewiesen“. Und vor allem hätte es kein Motiv seines Mandanten für eine solche Tat gegeben.

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