Stefan Bachmann inszeniert im Burgtheater mit Stefanie Reinsperger den Skandalhit von einst, „König Ubu“ des französischen Exzentrikers und Geheimbündlers Alfred Jarry. Premiere ist am Freitag.
Paris, im Dezember des Jahres 1896. Mit einem Klobesen als Zepter tritt König Ubu auf und begrüßt das Publikum mit dem vulgären französischen Fäkalwort „Merdre“.
Ein Tabubruch, wie Paris ihn noch nie erlebt hat! Alfred Jarrys anarchisch-nihilistisches Stück „König Ubu“ empörte die Hautevolee. Alle schrien, tobten, schimpften. Honorige Herren verprügelten die anwesende Avantgarde, weil die Jungen, u. a. Toulouse-Lautrec und Pierre Bonnard, begeistert johlten. Endlich hatte einer alle bürgerlichen Konventionen über Bord geworfen. Ein Skandal, der in die Theatergeschichte als Geburtsstunde des modernen absurden Theaters eingehen sollte: der Urschrei der Moderne!
Alfred Jarry, einer der radikalsten französischen Autoren, vom Absinthkonsum gezeichneter Exzentriker und als Gründer des geheimnisumwobenen Collège de Pataphysique Geheimbündler, wurde nur 34. Aber als Zerstörer spießbürgerlicher Logik und Moral wurde er zur genialen Kultfigur. Dadaisten und Surrealisten, allen voran Dalí, Max Ernst, Joan Miró, André Breton, verehrten ihn als Pionier des Absurden.
Groteske Inszenierung
Und Picasso, der den grotesken Ubu besonders liebte, verehrte den jungen Rebellen so sehr, dass er nach Jarrys Tod dessen Browning-Revolver erwarb und die mit Platzpatronen geladene Waffe immer bei sich trug und damit – metaphorisch – „auf Spießer, Kritiker und Menschen schoss, die ihn nach der Bedeutung seiner Bilder fragten“. Gegen Ende seines Lebens identifizierte sich Jarry so sehr mit der Figur, dass er mit „Ubu“ unterzeichnete und in einer „Ubuthek“, einer grotesk inszenierten Wohnung, lebte.
Reinsperger springt für Meyerhoff ein
Im Burgtheater inszeniert nun Hausherr Stefan Bachmann diesen „König Ubu“, der schon 1909 im Theater an der Wien für Wirbel sorgte und mit dem u. a. Peter Brook und Jan Bosse legendäre Erfolge hatten. Stefanie Reinsperger übernimmt die Hauptrolle, da Joachim Meyerhoff aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Und um das Rollenspiel perfekt zu machen, tritt Sebastian Wendelin als königliche Mutter auf.
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