Ein streng geschützter Mönchsgeier könnte im Salzburger Pongau Opfer von Wilderern geworden sein. Zwar fehlt von dem Kadaver des seltenen Greifvogels jede Spur, in der Salzach wurde jedoch sein abgeschnittener GPS-Sender gefunden. Die Vogelschutzorganisation BirdLife hat darum Anzeige erstattet.
Das vermisste Tier wurde 2024 in Spanien geboren, im Rahmen eines EU-Life-Wiederansiedelungsprojekts in Bulgarien aufgezogen und dort 2025 ausgewildert. Wie Johannes Hohenegger von BirdLife Österreich sagte, dürfte sich der Vogel laut den GPS-Daten zuletzt im Salzburger Großarltal in einer Ruhephase befunden haben.
Dann hätte der Sender plötzlich abrupte Bewegungen angezeigt, die bei einem lebenden Vogel nur selten vorkommen. Wenige Minuten später hätte sich das Signal dann entlang einer Straße im Tal weiterbewegt. „Was auf ein fahrendes Auto schließen lässt“, so der Experte. Die Aufzeichnungen endeten dann an der Salzach, wo auch die vom Chip gemessene Körpertemperatur des Vogels drastisch auf das Niveau der Wassertemperatur abfiel.
„Wir sind von unserem bulgarischen Partner kontaktiert worden, dass mit dem Vogel etwas nicht stimmt“, berichtete Hohenegger. Ein von BirdLife kontaktierter Mitarbeiter des Nationalparks Hohe Tauern machte sich auf die Suche und stieß im Wasser der Salzach auf den mit einem klaren Schnitt gelösten Sender. Darauf wandte sich die Organisation an die Polizei und erstattete Anzeige wegen Wilderei.
In Österreich äußerst seltene Besucher
Der Mönchsgeier ist als Brutvogel in Österreich ausgestorben, der letzte bekannte Fall eines geschossenen Exemplars geht laut Hohenegger auf das 19. Jahrhundert zurück. Der Verlust wiege schwer, weil Geier nur sehr langsam reproduzieren. „Es dauert viele Jahre bis zur Geschlechtsreife und dann bekommen sie nur wenige Junge.“ Wenn ausgewachsen, dann haben Mönchsgeier keine natürlichen Feinde mehr. Die Tiere zählen mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern als die größten Geierarten und Greifvögel Europas.
Nach Österreich kommen sie meist, wenn sie sich Gänsegeiern anschließen, die im Sommer aus den italienischen Alpen oder aus Kroatien kommen, um nach dem Wegschmelzen des Schnees nach Fallwild oder verunglückten Nutztieren zu suchen, erklärte Hohenegger. „Sie sind in Österreich eine richtige Rarität. Hierzulande brüten nur Bartgeier.“
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