Wer ein iPhone kauft oder Microsoft-Produkte nutzt, denkt dabei wohl kaum an Donald Trump und dessen prunkvolle Umbaupläne im Weißen Haus. Doch hinter dem umstrittenen Prestigeprojekt des US-Präsidenten stehen ausgerechnet große Technologiekonzerne, deren Produkte Millionen Menschen verwenden. Sie haben Millionenbeträge zugesagt - und machen damit auch den Alltag ihrer Kunden zu einem Teil dieser Geschichte.
Der geplante Ballsaal im Weißen Haus ist ein Großprojekt mit einem gewaltigen Preisschild. Für den Umbau wurden zuletzt rund 600 Millionen Dollar (etwa 518 Millionen Euro) veranschlagt. Private Geldgeber sollen einen erheblichen Teil davon finanzieren. Doch wer tatsächlich wie viel zahlt, war lange nicht transparent.
Wie die „Washington Post“ nun unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, wurden für das Projekt insgesamt 333 Millionen Dollar (rund 287 Millionen Euro) an privaten Spenden zugesagt. Unter den größten Geldgebern befinden sich bekannte Konzerne wie Apple, Nvidia und Microsoft. Auch zahlreiche Unternehmen und wohlhabende Einzelpersonen mit geschäftlichen Interessen gegenüber der US-Regierung scheinen auf der Liste auf.
Apple und Microsoft mit Millionen dabei
Besonders ins Gewicht fällt der Beitrag von Apple. Der iPhone-Konzern sagte laut den Unterlagen 25 Millionen Dollar (rund 22,3 Millionen Euro) zu. Nvidia, einer der wichtigsten Hersteller von KI-Chips, stellte ebenfalls 25 Millionen Dollar in Aussicht. Microsoft ist mit zehn Millionen Dollar (rund 8,9 Millionen Euro) vertreten. Auch Amazon, Comcast und weitere große Unternehmen finden sich unter den Geldgebern.
Damit stellt sich eine Frage, die auch Konsumenten in Europa betrifft. Wer ein iPhone kauft, Microsoft-Software verwendet oder bei einem der beteiligten Konzerne Kunde ist, trägt über die Geschäfte mit diesen Unternehmen indirekt zu deren wirtschaftlichem Erfolg bei. Ein Teil dieser Unternehmenserträge kann wiederum für Spenden verwendet werden - in diesem Fall auch für Trumps Ballsaal.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Kunden den Bau direkt bezahlen. Es gibt keinen ausgewiesenen Betrag, der pro verkauftem iPhone oder pro Microsoft-Abonnement in das Prestigeprojekt fließt. Die tatsächlichen Spenden stammen von den Unternehmen beziehungsweise ihren Geldgebern.
Hunderte Millionen Dollar - und viele offene Fragen
Die veröffentlichten Unterlagen zeigen jedenfalls nicht nur die Höhe der Spenden, sondern werfen auch Fragen zur Transparenz auf. Die Gelder laufen über den gemeinnützigen Trust for the National Mall, der sich der Erhaltung und Pflege der National Mall und der Anlagen rund um das Weiße Haus widmet. Gemeinnützige Organisationen müssen ihre Geldgeber in den USA grundsätzlich nicht öffentlich nennen.
Laut „Washington Post“ stammten mindestens 77 Millionen Dollar (rund 68,7 Millionen Euro) von Spendern, die anonym bleiben wollten. Die Zeitung wertete dafür interne Aufzeichnungen der Spendensammlung aus. Die Unterlagen enthalten demnach Angaben zu 67 Spenden über 10.000 Dollar, die bis Ende September erfasst waren.
Firmen haben Deals mit US-Regierung
Besonders heikel ist, dass zahlreiche Geldgeber geschäftliche Beziehungen zur US-Regierung haben. Unternehmen oder Führungskräfte von Firmen, die während Trumps zweiter Amtszeit Aufträge von der Bundesregierung erhalten haben, stehen laut der Auswertung für rund die Hälfte der zugesagten Gesamtsumme.
Trump selbst scheint nicht auf der Spenderliste auf
Auch eine andere Zahl sticht hervor. Trump selbst scheint in der ausgewerteten Spenderliste nicht auf. Dabei hatte er im vergangenen Jahr erklärt, der Bau werde „zu 100 Prozent von mir und einigen meiner Freunde“ bezahlt. Die bisher zugesagten 333 Millionen Dollar bleiben zudem deutlich unter dem Spendenziel von 400 Millionen Dollar (rund 356,9 Millionen Euro), das Trump für das Projekt genannt hatte.
Die Gesamtkosten für den neuen Ostflügel samt Ballsaal, Büroräumen und unterirdischer militärischer Anlage wurden im März auf 600 Millionen Dollar (rund 535,3 Millionen Euro) geschätzt. Aus den Unterlagen geht laut der Recherche hervor, dass auch Steuergeld zur Finanzierung eines Teils der Baukosten eingesetzt wurde.
Unangenehmer Beigeschmack für Kunden
Das Weiße Haus verteidigte die Geldgeber als großzügige Unternehmen und Privatpersonen, die das Gebäude des Regierungssitzes für kommende Generationen verbessern wollten. Kritiker sehen in der intransparenten Finanzierung hingegen die Gefahr, dass finanzstarke Interessenten Zugang und Einfluss erkaufen könnten.
Für Kunden von Apple, Microsoft und anderen beteiligten Konzernen bleibt damit ein unangenehmer Beigeschmack. Sie finanzieren Trumps Ballsaal nicht direkt mit jedem Einkauf. Doch Unternehmen, deren Produkte sie kaufen und deren Geschäfte sie mittragen, gehören zu jenen, die Millionen für das umstrittene Prestigeprojekt zugesagt haben.
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