Leonard Bernstein und Herbert von Karajan streiten in den Wiener Kammerspielen in Peter Dashs „Die letzte Runde“, wer von ihnen der Größere ist. In den Hautprollen: Günter Franzmeier und Michael Dangl.
Sie galten seit den 1960ern als die Giganten der internationalen Musikszene, als die faszinierendsten Rivalen, ja Antipoden: Leonard „Lennie“ Bernstein (1918-1990), das „amerikanische Wunderkind“, das in den USA „herrschte“, und Herbert von Karajan (1908-1989) in Mailand, Wien, Salzburg und Berlin. Zwei „Götter“, über die zahllose Anekdoten und Witze kursierten, die über ihre Beziehungen zueinander viel sagten. Etwa über Bernstein, den spontanen Gefühlsmenschen, der einem Journalisten erzählt: „Gestern Nacht ist mir Gott im Traum erschienen und sagte mir, dass ich der größte Dirigent aller Zeiten bin.“
Am nächsten Tag trifft der Journalist Karajan und erzählt ihm von Lennies Traum. Karajan zieht skeptisch die Augenbrauen hoch, blickt kühl ins Leere und erwidert trocken: „Das kann nicht sein. Ich habe ihm gestern keine Audienz erteilt.“
Fürs Theater in der Josefstadt inszeniert nun in den Kammerspielen Guy Ben-Aharon Peter Danishs 2025 am New Yorker Broadway uraufgeführtes, in Hamburg heuer nachgespieltes Stück „Die letzte Runde“ („The Last Call“). Dazu inspiriert wurde Danish bei einem Besuch im Wiener Hotel Sacher, wo Bernstein stets eine Suite bewohnte. Ein Kellner erzählte ihm – während er Briefe Bernsteins las – von einem angeblichen Treffen der Superstars, über ihren Small Talk, vor allem aber über Auseinandersetzungen und dass es laut wurde. Danish wusste sofort: „Das wird ein Stück!“
Bernstein und Karajan 1988, knapp vor ihrem Tod, in der Blauen Sacher-Bar. Wie verhielten sich die zwei Egomanen? Bernstein, der „jüdische Amerikaner“, glamouröse Freigeist und „Mr. Music“ , wie Karajan sagte – und Karajan, der autoritäre Machtmensch, „dessen NSDAP-Mitgliedschaft Teil seiner Biografie und seiner Karriere“ ist. Und der empört war, als er hörte, dass der Rivale ihn scherzhaft „Herbie Baby“ nannte.
In brillanten Wortgefechten werden beide aufeinander neugierig. Sie „öffnen“ sich, streiten über Ästhetik, ihre Dirigierstile und müssen sich zuletzt existenziellen Fragen stellen: nach politischer Verantwortung, Widersprüchen in ihrem Leben und was bleibt, wenn die Karriere vorbei ist, der Beifall verstummt.
Michael Dangl spielt Karajan, Günter Franzmeier Bernstein, Alexander Strömer gibt den Kellner – Premiere ist am Donnerstag, 15. Oktober, 19.30 Uhr, in den Wiener Kammerspielen.
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