Sanfter Indie-Rock, gediegener Folk, Singer-Songwritertum und Americana-Einflüsse haben gleichermaßen Platz im wunderbaren, vierten Album „The Gem“ der australischen Musikerin Julia Jacklin. Im großen „Krone“-Talk erklärt sie uns, warum das Album so persönlich geriet, was Melbourne von Sydney unterscheidet und warum längst nicht alles in ihrem Leben ist.
„Krone“: Julia, schön, mit dir über dein neues Album „The Gem“ zu sprechen. Es ist stark inspiriert von einem Pub in Melbourne, wo du aufgewachsen, oder zumindest auf eine bestimmte Weise mit der dortigen Szene in Berührung gekommen bist. In gewisser Hinsicht ist es also eine Hommage daran.
Julia Jacklin: Es war ein glücklicher Zufall. Ich habe den Ort nicht deshalb für die Aufnahmen gewählt, weil ich den Pub so liebe – es war so, dass ein Freund von mir dort oben ein Tonstudio hat. Ich hätte nie damit gerechnet, ein Album im Obergeschoss eines Pubs aufzunehmen, aber so hat es sich ergeben. Ich mochte diesen Pub schon immer; er ist auch ein toller, kleiner Veranstaltungsort für Musik. Ich war dort schon bei vielen Konzerten, habe mich also ohnehin zu Hause gefühlt. Was den Namen angeht – ich weiß auch nicht genau, warum -, aber ich hatte das Gefühl, ihn mir gar nicht richtig ausgesucht zu haben. Es fühlte sich auf seltsame Weise so an, als hätte ich keine Kontrolle darüber. Es musste einfach „The Gem“ sein. Vielleicht wegen der Alliteration: Julia Jacklin - The Gem. Ich habe damals viel an australische Opale gedacht. Manchmal fügen sich die Dinge auf kuriose Art und Weise zusammen, ohne einen konkreten Grund.
Wie wichtig war dieser Ort für dich? Du bist vor etwa neun Jahren von Sydney nach Melbourne gezogen, um ein neues Zuhause an einem anderen Platz zu finden …
In Australien ist es so, dass man nicht besonders oft umzieht. Vermutlich, weil es gar nicht so viele Orte gibt, an die man ziehen könnte. Ein Umzug in eine andere Stadt fühlt sich daher wie ein großer Schritt an, wie ein bedeutendes Ereignis im Leben. Als ich hierherzog, kannte ich zwar ein paar Leute, aber das ist eine ganz andere Erfahrung, als dort zu leben, wo man aufgewachsen ist. Wo man ausgehen kann und immer irgendjemandem über den Weg läuft. So etwas braucht Zeit. In Melbourne habe ich das inzwischen auch: Ich kann raus oder ins Fitnessstudio gehen und treffe dort sieben Leute, die ich kenne. Dieses Fitnessstudio war ein Ort, den ich schon recht früh besuchte und der mir sehr am Herzen lag – er hat mich quasi dazu gebracht, mich in Melbourne zu verlieben.
Es war ein Ort mit einer ganz eigenen Atmosphäre, die typisch für diese Stadt war. Auch der Vibe hat dazu beigetragen: Es ist die Art von Ort, an den man allein gehen kann, ohne sich seltsam zu fühlen. Man kann allein an der Bar sitzen, der Band zusehen oder sich in eine der vielen kleinen, dunklen Ecken zurückziehen, wenn man sich vielleicht etwas unwohl fühlt. Ich weiß solche Orte zu schätzen, besonders wenn man an einem neuen Ort noch nicht viele Leute kennt.
Was sind die größten Unterschiede zwischen Sydney und Melbourne?
Das ist ein großes Thema, bei dem es ziemlich hitzig zugehen kann. Was Sydney angeht – ich weiß auch nicht ... Ständig wird schlecht über Sydney geredet, dabei ist die Stadt wunderschön. Ich finde, es ist die schönste Stadt der Welt, sie ist traumhaft. Vielleicht liegt es daran, dass Melbourne optisch nicht ganz so spektakulär ist. Die Stadt muss sich etwas mehr anstrengen, was sie den Menschen hier zu bieten hat. Sydney ist wie eine schöne Schwärmerei: Man mag sie und liebt es, sie anzusehen. Melbourne ist eher jemand, in den man sich richtig verlieben und mit dem man zusammenziehen kann. Melbourne hat eine starke Verbundenheit zur Musik. Viele Orte haben heutzutage Schwierigkeiten, kleine Live-Clubs zu erhalten. Das gilt auch für Melbourne, aber hier gibt es eine echte, tief verwurzelte Liebe zur Live-Musik.
Wenn wir über „Gems“ sprechen, müssen wir natürlich auch auf das Cover-Artwork eingehen, schließlich ist da diese Art von Halskette mit weiteren „Gems“, also Juwelen, auf denen du dich selbst dreifach spiegelst. Steckt da eine tiefere Bedeutung dahinter, oder war das einfach eine schöne Art, das Album visuell umzusetzen?
Das Cover-Design ist immer eine Herausforderung. Ich finde es unglaublich schwer, Albencover zu gestalten. Es entstehen unzählige Entwürfe, bis ich endlich den richtigen finde. Aber ich fand den Look cool und die Edelsteine habe ich selbst gemacht, eigenhändig. Die Fotos von mir, die darauf zu sehen sind, hat meine beste Freundin aufgenommen. Das Ganze fühlte sich sehr eng mit der Platte verbunden an – irgendwie handgemacht, so ein DIY-Ding. Während der Aufnahmen haben wir ständig von diesem „Edelstein“ gesprochen. Wenn wir auf das Element stießen, das den Song zum Funktionieren brachte, sagten wir: „Oh, das ist der Edelstein.“
Wir dachten dabei wohl in Metaphern aus dem Bergbau: Man gräbt und gräbt und gräbt, immer auf der Suche nach diesem einen Edelstein. Beim Musikmachen geht es oft darum, das eigene Innere freizulegen – so wie bei einer Ausgrabung. So habe ich das auch immer gesehen: Ich selbst bin dieser Edelstein. Ich wollte darstellen, wie sich das anfühlt. Beim Aufnehmen gräbt man tief in sich selbst, um dem eigenen Wesen immer näher zu kommen – auch wenn man dort wohl nie ganz ankommt.
Es ist, als würde man nach Perfektion streben. Man erreicht sie aber nie wirklich.
Nein, es ist so: Sobald man das Gefühl hat, man hat es im Griff, entgleitet es einem wieder.
Andererseits glaube ich, dass dieser Songwriting-Prozess vor allem deshalb befreiend war, weil du anfangs weder Label noch Management hattest, oder weil sich im Hintergrund viel verändert hatte. War das eine Art neues, frisches Gefühl beim Songwriting?
Das habe ich bei meinem ersten Album so gemacht, und es fühlte sich ein bisschen so an wie damals. Es gibt keine Erwartungen, zumindest nicht vonseiten der Leute in deinem Umfeld und das war schön, denn ich schätze es zwar, Teil der Musikbranche zu sein, aber meine Beziehung zur Musik ist etwas ganz anderes als meine Beziehung zur Branche. Ich habe viel mehr Zeit als Musikerin und Musikliebhaberin außerhalb der Musikindustrie verbracht. Deshalb war es schön, sich daran zu erinnern, wie es war, als ich noch nicht so sehr daran gebunden war – auch wenn man natürlich nie ganz dorthin zurückkehren kann, was sowohl gut als auch schlecht ist. Aber es war schön, dieses Gefühl zu haben. Ich habe mich besonders gefühlt. Wieder so wie mit 23, als ich mein erstes Album aufgenommen habe.
Du versuchst also, dieses Gefühl deiner Anfangstage so gut wie möglich wiederherzustellen?
Ich glaube nicht einmal, dass das eine bewusste Entscheidung war, aber letztendlich hat es sich tatsächlich wieder so angefühlt. Ich habe mich aber nicht gezielt darum bemüht, dieses Gefühl wiederherzustellen. Doch nach einer Weile dachte ich mir: „Ach ja, so hat es sich früher angefühlt.“ Man vergisst dieses Gefühl einfach mit der Zeit. Also ja, ich habe es wirklich genossen.
Das Schwierige ist natürlich, dass es Erwartungen von außen gibt, weil man Musik gemacht hat und die Leute einen auf eine bestimmte Weise durch diese Musik kennen. Deshalb ist es beim Songschreiben vielleicht umso wichtiger, sich ein wenig von der Außenwelt abzuschotten, um einen Weg zu finden, nicht an all das Drumherum zu denken.
Das ist immer die Herausforderung, mit der jeder zu kämpfen hat. Es wird seltsam, wenn man bekannt wird und die Leute Erwartungen haben, aber ich habe mir schon am Anfang Sorgen darüber gemacht, was meine Freunde denken würden. Ich habe mich gefragt, wer in Sydney wohl zu meinen Auftritten kommen würde. Diese Stimme von außen ist also immer da. Es ist immer eine Herausforderung, sie aus dem Raum zu verbannen – aber solange sie nur etwa acht Prozent des Raums einnimmt, ist das in Ordnung. Man muss es einfach versuchen, sie wird immer da sein. Es ist im Grunde unmöglich, dass sie ganz verschwindet, aber solange sie nur eine kleine Rolle spielt …
Soweit ich weiß, war das Album eigentlich schon fertig, aber dann hast du vieles geändert, einiges neu arrangiert und es gewissermaßen verworfen -eben noch einmal ganz von vorn angefangen. Was war der Grund dafür? Warum warst du mit den ersten Ergebnissen nicht zufrieden?
Ich habe mir eingeredet, ich sei bereit, ein Album fertigzustellen, aber die Stimmen von außen waren zu laut. Bei der ersten Version machten diese äußeren Einflüsse – so schätze ich – vielleicht 40 Prozent dessen aus, was im Raum mitschwang, doch ich tat so, als wären sie nicht da und würden verschwinden. Ich hatte zu dem Zeitpunkt kein Management und kein Label. Am Anfang dachte ich: „Ich muss unbedingt beweisen, dass ich das ganz allein schaffe. Ich brauche diese Einflüsse oder Fristen nicht.“ Erst als das Album gemischt und gemastert war, fragte ich mich: „Moment mal, warum habe ich das so überstürzt? Was mache ich da eigentlich? Warum habe ich mich so unter Druck gesetzt, diesen Drei-Jahres-Rhythmus für Alben einzuhalten?“
Es half mir, ehrlich zu mir selbst zu sein und mich mit Leuten zu umgeben, die wirklich hinter mir stehen. Ich wusste: Wenn ich noch einmal von vorn anfangen wollte, wären sie nicht genervt von mir gewesen und hätten mich nicht für chaotisch oder unprofessionell gehalten. Sie sagten einfach: „Klar, lass uns weiter Musik machen. Wir haben Spaß dabei – machen wir einfach weiter.“ Der zweite Anlauf war so viel besser. Für mich persönlich ging es dabei weniger um das Ergebnis als um das Erlebnis, Musik zu machen. Sobald ich mir den Druck nahm, hatte ich Spaß an der Arbeit. Hätte ich die erste Version veröffentlicht, wären damit wohl viele ziemlich stressige Erinnerungen verbunden gewesen. Ich verbinde also mittlerweile viele positive Erinnerungen mit der Entstehung dieses Albums, was es deutlich einfacher macht, darüber zu sprechen und damit auf Tour zu gehen.
Wirfst du die erste Version tatsächlich in den Müll, anstatt sie auszusortieren und irgendwo auf einer Festplatte abzulegen, um sie vielleicht irgendwann später im Leben noch einmal neu zu ordnen?
Ich habe viel Material neu arrangiert. Es gab ein paar Songs, die ich noch einmal völlig überdacht habe, was Spaß gemacht hat. Ich habe diesen Prozess sehr genossen und da ich nicht gerade eine überaus produktive Songwriterin bin, hatte ich zwar keinen riesigen Fundus, aus dem ich schöpfen konnte, aber ich habe einige der Songs neu betrachtet und mich gefragt: „Wie sollen sie eigentlich klingen?“ – und zwar unabhängig davon, ob sie den Leuten gefallen würden.
Das Album mit einem Song namens „Brand New“ zu beginnen – ist das ein Zeichen, dass du für dich selbst gesetzt hast?
Dieses Lied wird sicher auf viele interessante Arten interpretiert werden – auch unabhängig davon, worum es mir beim Schreiben eigentlich ging. Aber es fühlte sich richtig an, es an den Anfang zu stellen. Der Song ist ein wenig augenzwinkernd gemeint. Man redet sich manchmal ein, dass man völlig anders sein kann, aber letztlich sind wir, wer wir sind. Wir können hier und da Kleinigkeiten ändern, aber jedes Album fühlt sich wie eine Erneuerung dessen an, wer man ist.
Ist es dir wichtig, dich bei der Schaffung von etwas Neuem ständig von alten Aufnahmen zu distanzieren, oder baust du auf eine bestimmte Weise auf den älteren auf?
Das ist interessant. Meine eigene Erfahrung mit meiner Musik unterscheidet sich stark von jener der Leute, die sie hören. Ich lebe mein Leben und zwischen den Alben passiert unglaublich viel. Wenn mich also jemand fragt: „Willst du, dass es anders klingt als das letzte Album?“, dann denke ich gar nicht an das letzte Album, weil ich in der Zwischenzeit so viel erlebt habe. Ich habe seitdem ein ganzes Leben gelebt. Ich höre es mir nicht noch einmal an. Ich definiere mich nicht nur als Musikerin. Manche Leute haben mir im Rahmen der Pressearbeit gesagt: „Dieses Album ist ganz anders als das letzte.“ Und ich denke mir: „Ach, wirklich? Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern, wie das klang.“ Ich habe es seit Jahren nicht mehr gehört, aber ich glaube, das ist gut so. Ich versuche nicht zu viel darüber nachzudenken, sonst mache ich mich verrückt. Bei meinem zweiten Album habe ich mich vielleicht noch gefragt: „Muss ich etwas anders machen?“ Aber heute gehe ich einfach davon aus, dass es anders wird, weil Zeit vergangen ist. Gleichzeitig wird es wahrscheinlich trotzdem nach mir klingen, weil ich eben ich bin.
Was würdest du sagen, sind die Dinge, abgesehen von der Musik, die dich ausmachen?
Ich weiß es nicht. Ich glaube, ich habe einfach ein sehr erfülltes Privatleben. Meine Beziehungen zu Familie und Freunden und zu den Menschen in meinem Leben passen, ich bin sehr in das Leben anderer eingebunden. Ich engagiere mich in meinem Umfeld, in meiner Gemeinschaft. Ich habe einfach ein sehr reiches Leben. Die Menschen in meinem Leben bedeuten mir sehr viel. Ich verbringe viel Zeit mit ihnen und mache mir Gedanken darüber, wie ich ein gutes Familienmitglied, eine gute Freundin und ein aktives Mitglied meiner Gemeinschaft sein kann. Das nimmt einen großen Raum ein. Ich habe sogar das Gefühl, das ist das Wichtigste in meinem Leben. Was die Musik angeht: Alle paar Jahre mache ich ein neues Album und gehe damit auf Tour. Glücklicherweise verdiene ich genug Geld, sodass ich keinen anderen Job brauche.
Ist der Versuch, in deinem Umfeld ein guter Mensch zu sein, Teil deines Songwritings?
Manchmal geht es darum, dass man ständig versucht, durch kleine Schritte Dinge zu verbessern oder eine Situation zu optimieren, bis man plötzlich merkt: „Oh nein, hier ist ein ziemlich radikaler Schritt nötig“, auch wenn das vielleicht jemanden verärgert. Als ich jünger war, dachte ich, ich könnte mich nur in winzigen Schritten vorwärtsbewegen, aber so funktioniert das Leben nicht. Oft verharrt man viel zu lange in einer Situation, weil man alles richtig machen und die Dinge Schritt für Schritt in Ordnung bringen will. Dabei muss man manchmal alles über Bord werfen – sei es für das eigene Wohl, für das der anderen oder einfach aufgrund der jeweiligen Umstände. Um ein guter Mensch zu sein – oder sagen wir: um im eigenen Leben wirklich präsent zu sein -, muss man manchmal einen drastischeren Schritt wagen, als man es eigentlich möchte.
Wir haben einige Songtitel mit göttlichem oder spirituellem Bezug auf dem Album, wie etwa „God“, „At the Hand Of God“ oder „Angel Visions“. Ist es Zufall, dass sich auf diesem Album so viele Lieder darüber befinden?
Ich weiß nicht genau, was da passiert. Ich glaube, als Autorin und Songwriterin schöpft man aus dem, was einen umgibt. Ich bin gewissermaßen gezwungen, in einer Welt zu leben, die voller religiöser Begriffe ist. Zugleich bieten diese Begriffe eine universelle Möglichkeit, bestimmte Dinge zu erklären. Selbst wenn man nicht religiös ist, ist man mit der Vorstellung von Gott aufgewachsen und hat ein gewisses Verständnis dafür, wofür dieser Begriff steht. Für mich ist es auch ein Mittel, um mit Menschen auf eine Weise zu kommunizieren, die wir alle ein Stück weit nachvollziehen können. Auch wenn jeder eine ganz eigene Beziehung zu dem hat, was Gott in seinem eigenen Leben bedeutet, gibt es doch ein universelles Verständnis für die Symbolik dahinter. Ehrlich gesagt hat mich das Ganze auch etwas überrascht. Im Nachhinein bereue ich die Songtitel sogar ein wenig, weil die Leute nun glauben, die Lieder handelten von Gott – was aber gar nicht der Fall ist.
Die Songtitel sind doch absolut in Ordnung. Gibt es denn so etwas wie einen roten Faden, der sich durch diese Songs zieht? Eine Geschichte, die erzählt wird?
Ich habe immer das Gefühl, dass ich versuche, ein Abbild dessen zu zeigen, wie es sich anfühlt, am Leben zu sein. Das kann damit einhergehen, dass man sich manchmal wie ein Gott fühlt. Manchmal kann es sich aber auch sehr klein und verletzlich anfühlen. Es schwankt gewissermaßen zwischen Songs, die mir Selbstvertrauen geben – um zu handeln und Dinge in meinem Leben zu tun, die es besser machen -, und anderen Stücken, in denen ich meine eigene Mitverantwortung für bestimmte Dynamiken in meinem Leben hinterfrage. Ich frage mich, warum ich bestimmte Dinge mit mir habe machen lassen oder warum ich in gewissen Situationen geblieben bin. Ich denke, der rote Faden ist letztlich einfach die Widersprüchlichkeit des Daseins.
Ist das Album gewissermaßen eine Erweiterung deiner Persönlichkeit sowie deiner Werte, Gedanken und Ideale?
Das Beängstigende daran ist, dass man nie die volle Kontrolle über die Erzählung hat. Früher dachte ich: „Nun, ich kann ja aussuchen, was ich sage und was auf das Album kommt, also kann ich steuern, wie ich wahrgenommen werde.“ Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich Musik veröffentliche und dann online einen Kommentar lese, in dem jemand etwas aus meiner Musik herausliest und ich mir denke: „Oh nein, das wollte ich eigentlich gar nicht über mich preisgeben. Mir war gar nicht klar, dass ich das von mir offenbare.“ Aber so ist es eben. Ich bin so ehrlich, wie ich es für möglich halte. Was den Sound angeht: Ich bin ein riesiger Musikliebhaber und mag alle möglichen Musikrichtungen. Ich hatte einfach Spaß daran, auf diesem Album mit verschiedenen Dingen zu experimentieren, und das Ergebnis spiegelt ganz gut wider, was ich selbst gern höre.
Viele Künstler schaffen sich eine gewisse Distanz, indem sie keine Musik hören, während sie an einem Album arbeiten. Du hast ja mehrfach erwähnt, dass du ein großer Musikliebhaber bist. Tauchst du also während deines eigenen Songwriting-Prozesses in andere Musik ein, oder versuchst du eher, dich ein wenig von externer Musik zu lösen, um dich voll und ganz auf deinen eigenen Sound zu konzentrieren?
Ich kann einfach nicht anders, als ständig Musik zu hören. Wenn ich Künstler sehe, die nichts hören, denke ich mir immer: „Das ist echt cool. Ich könnte das nicht.“
Ist dir Musik auch als Hörerin viel zu wichtig?
Sie ist meine größte Liebe und die Arbeit daran hat eineinhalb Jahre gedauert. Wenn ich eineinhalb Jahre lang keine Musik hätte hören können, wäre ich vielleicht … ich weiß auch nicht … sehr lange schwimmen gegangen. (lacht)
Mit dir sind nächstes Jahr bereits zwei Konzerte in Deutschland fixiert. Wird es weitere Konzerte in Europa geben? Etwa auch in Österreich und warst du schon mal bei uns?
Ich war als Kind in Österreich, in Wien, aber ich habe dort noch nicht gespielt. Hoffentlich klappt das bald. Meistens machen wir nach der ersten Tournee noch eine zweite Runde, bei der ich dann auch neue Märkte besuche. Ich werde auf jeden Fall mit meinem Team darüber reden.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Freuen Sie sich auf viele neue Funktionen und noch mehr Möglichkeiten zum Austausch. Mehr Informationen finden Sie hier.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.