Sie hat sich ihren Platz ganz vorne im Cockpit erarbeitet: Die Grazerin Ulrike Hutsteiner steht für Mut, Durchhaltevermögen und Leidenschaft für ihren Beruf. Als erste Pilotin der österreichischen Flugpolizei und jetzt offiziell auch erste Frau an deren Spitze hat sie die österreichische Polizeigeschichte mitgeschrieben.
Für Ulrike Hutsteiner ist die Aufgabe nicht neu. Bereits im Mai 2023 hatte sie die Leitung der Abteilung vorübergehend übernommen. Mit der nun öffentlichen Bestellung erhält ihre Führungsverantwortung eine neue Grundlage.
Geboren und aufgewachsen in einer Polizeifamilie in Graz, interessierte sie sich schon früh für die Fliegerei. Nach der Matura begann sie zuerst ein Studium, bevor sie 1994 ihren Dienst bei der Wiener Polizei antrat. Doch ihr beruflicher Weg sollte sie noch in ganz andere Höhen führen.
Denn 2002 begann sie als erste Frau die Hubschrauberpilotenausbildung der österreichischen Flugpolizei, ab 2007 war sie bei der Flugeinsatzstelle Salzburg tätig. Der Wechsel vom Streifendienst ins Cockpit war ein entscheidender Schritt – und der Beginn einer außergewöhnlichen Laufbahn.

Auch akademisch blieb sie engagiert: 2013 schloss sie neben ihrer Berufstätigkeit ihr Studium an der Universität Wien ab und widmete sich fünf Jahre beruflich der Kriegsgräberfürsorge im Innenministerium. Hutsteiner bewies damit, dass sich unterschiedliche Interessen und fordernde Aufgaben nicht ausschließen müssen. Sie verband praktische Polizeiarbeit mit fliegerischer Expertise und akademischer Weiterbildung.
Im Mai 2023 schloss sich der Kreis: Die vormals erste Pilotin der Flugpolizei übernahm (interimistisch) auch als erste Frau die Leitung der Abteilung im Innenministerium. Sie folgte auf Christian Stella, der im Oktober 2022 als Kabinettschef in das Büro von VP-Innenminister Gerhard Karner wechselte.
„Geschlecht ist irrelevant“
Nun wurde sie auch offiziell mit der Aufgabe betraut. Und sie zeigt, dass nicht das Geschlecht entscheidend ist, sondern die Qualifikation, die Erfahrung und die Bereitschaft, Verantwortung zu tragen. „Es ist nämlich völlig irrelevant, ob es ein Mann oder Frau ist, genau wie beim Fliegen“, will die neue Abteilungsleiterin keine Geschlechterdiskussion aufkommen lassen. „Im Endeffekt geht es nur darum, für seinen Beruf zu brennen!“
Was für sie die Attraktivität des Berufes ausmacht? Dass die Tätigkeit der Polizei allgemein eine sehr faszinierende sei. In Zusammenarbeit mit den verschiedenen Einsatzorganisationen könne man gute Erfolge erzielen. „Alleine ist man nichts“, betont Hutsteiner. Die Flugpolizei selbst ist eine Sondereinheit etwa wie die Diensthunde. Stationiert ist man seit 2024 in Wiener Neustadt und mit dem EKO Cobra organisatorisch unter der Direktion Spezialeinheiten (DSE) verankert.
6000 Flugstunden pro Jahr
Wie wichtig die Arbeit der Flugpolizei ist, zeigt ein Blick auf die Einsatzzahlen. Rund 6000 Stunden sind die 42 Piloten (darunter zwei Frauen) pro Jahr in der Luft. Neben den Piloten verrichten auch 29 Techniker – vier davon weibliche – bei der Flugpolizei ihre Arbeit. Allein beim Waldbrand im Lesachtal waren die Piloten148 Stunden im Einsatz und transportierten fast 1,2 Millionen Liter Löschwasser. „Aufgrund der Waldbrände war es ein sehr fordernder Sommer“, so Hutsteiner.
Neben Waldbränden zählen vor allem Fahndungen und die Suche nach Personen, Überwachung von Großeinsätzen, Seilbergungen und Einsätze mit Spezialeinheiten sowie der Betrieb und Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen (Drohnen) für Kriminal- und Verkehrspolizei zu den Aufgaben der Polizeipiloten.
„Mit Ulrike Hutsteiner übernimmt eine erfahrene Polizistin und Luftfahrtexpertin die Leitung der Flugpolizei. Denn sie verfügt nicht nur über jahrelange Führungserfahrung, sondern war ja auch selbst Polizei-Hubschrauberpilotin. Ich bin überzeugt, dass sie die Flugpolizei mit hoher Professionalität leiten wird“, betont auch Innenminister Gerhard Karner.
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